Spannender Tag im Rotlichtprozess

Hauptkommissar berichtete detailliert über Aussagen eines »Kronzeugen« zur Autobombe

pebe Siegen. Es war ruhig im Schwurgerichtssaal, nur die Stimme des Zeugen war zu hören: ein Hauptkommissar, Mitglied der »Ermittlungskommission Siegel«, die unter anderem mit der Aufklärung des Autobomben-Attentats im November 1992 befasst war. Vor der Aussage des Polizisten hatte gestern im Siegener Rotlichtprozess ein Rollenwechsel stattgefunden. Der 40-jährige Zeuge, dessen Familie seinen Angaben zufolge bedroht worden war, wurde unter Eid entlassen. An seine Stelle trat der Hauptkommissar. Er berichtete über die Aussage des Zeugen vor dreieinhalb Jahren bei der Polizei. Und plötzlich rückte ein Angeklagter ins Rampenlicht, der bislang kaum erwähnt worden war: Dem 51-jährigen Kaufmann Dieter S. wirft die Anklage u.a. Beihilfe zum Mord vor. Der Bericht des Kommissars entwarf ein ausführliches Bild der möglichen Geschehnisse vor rund zehn Jahren.

Dieter S. sei für den 40-Jährigen eine »Vaterfigur« gewesen, berichtete der Kommissar aus den Vernehmungen. Insbesondere zu Beginn der 90er Jahre habe der Zeuge viel von den Aktivitäten seines Vertrauten mitbekommen, u.a. habe er auch von den »Hintergrundgeschäften« zwischen S. und dem Hauptangeklagten Winnie R. – seinerzeit »Rotlichtkönig« in Siegen – gewusst. S. habe für Gewinne aus illegalen Geschäften, u.a. Hehlerei und Waffengeschäfte, ein Schwarzgeldkonto auf einer Luxemburger Bank unterhalten, auf dem auch Winnie R. »heiße« Gelder geparkt habe. S., so der sehr konzentriert und detailliert aussagende Kommissar, soll sich selbst als »Paten von Siegen« gesehen und eine »besondere Art der gewaltsamen Problemlösung« angewandt haben: Für problematische Zeitgenossen habe er Strafaktionen in Auftrag gegeben. Der »Mann fürs Grobe« dabei: der ebenfalls angeklagte Gerd F.

Auch über die Vorgeschichte der Autobombe soll der Zeuge laut Aussage des Kommissars gut informiert gewesen sein, ohne jedoch später aktiv an den Vorbereitungen teilgenommen zu haben. Als während des »Rotlichtkriegs« zwischen Winnie R. und dessen Rivalen »Richie« die Gewalt eskaliert sei, habe man sich entschlossen, »Richie« zu beseitigen. Gespräche darüber sollen bei Dieter S. in der »Schaltzentrale« geführt worden sein. S. habe im Grunde kein Interesse an dieser Auseinandersetzung gehabt, aber es sei u.a. auch um seinen Ruf als »Pate« gegangen. Nachdem schließlich auch ein Vermittlungsversuch des S. an »Richies« Widerstand gescheitert sei, habe man sich für die Autobombe entschieden. Bei den Gesprächen anwesend sei wieder Gerd F. gewesen, außerdem ein Siegener Mechaniker, der für die Zündvorrichtung der Bombe verantwortlich sein sollte.

Der Angeklagte Peter K. habe den Sprengstoff für F. beschaffen sollen. Eine »Mauer des Schweigens«, so der Kommissar, ausgestattet mit verlässlichen Verbindungsgliedern, sollte die Ermittlungen erschweren, ein Mittelsmann habe als »Subunternehmer« den Auftrag an den eigentlichen Täter weitergeben sollen. Für diese Aufgabe seien Harry S. bzw. zwei Brüder genannt worden. Der Kreis um Winnie R. habe sich für den Tattag Alibis verschaffen sollen. Später soll der Kronzeuge dann von dem Autohändler erfahren haben, dass Harry S. für die Ausführung zuständig gewesen sei. Nach dem Anschlag soll Winnie R. dem Autohändler Vorwürfe gemacht haben, weil nicht »Richie«, sondern dessen Begleiterin ums Leben gekommen sei. Streit habe es auch um die Bezahlung der Täter gegeben.

Ende der 90er Jahre, so berichtete der Kripo-Mann von den weiteren Aussagen des »Kronzeugen«, soll Dieter S. dann wegen der Verhaftungen von Peter K. Gerd F. und Winnie R. im Zusammenhang mit der Autobombe Angst bekommen und befürchtet haben, die Verhafteten könnten »singen«. Dem Zeugen gegenüber habe S. gedroht und gesagt, er wisse ja, was »mit Leuten passiert, die andere verzinken«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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