Spaßige A-cappella-Nacht

Scampi überzeugte mit starker Bühnenpräsenz und vielen Requisiten.  Foto: mick

mick Siegen. Während die Sportfreunde beim Tabellenführer in Wiedenbrück eine weitere Niederlage einfuhren, waren sie im Lÿz fast zeitgleich das Ziel leichten Spottes. „So gehen die Sportfreunde“, intonierten die fünf Herren von Wireless und rannten mit hängenden Schultern über die Bühne. „Und so die Bochumer“, hüpften und jubelten sie anschließend. Das „Stadionmedley 2010“ war einer der Höhepunkte beim Auftritt des Quintetts aus dem Ruhrpott, der die „A-cappella-Night“ eröffnete. Nach dem großen Erfolg vor einem knappen Jahr hatte sich Scampi wieder angemeldet und ließ Wireless den ersten Teil des Programms bestreiten. Er habe mit der Zusammenstellung des Medleys eine traumatische Erinnerung an Siegen aufgearbeitet, erzählte Texter und Sänger Finno, die „eindeutig unverdiente 0:3-Niederlage“ seines Lieblingsvereins vor einigen Jahren im Leimbachstadion. Am Ende jener Saison habe sich freilich gezeigt, „wer wohin gehört“. Aber die Siegener Zeiten kämen bestimmt auch wieder, zeigte er sich großherzig den Sportfreunde-Fans gegenüber, die das Konzert der Reise nach Wiedenbrück vorgezogen hatten.

Neben dem Thema Fußball haben sich die fünf Bochumer in ihren Songs der „üblichen“ Sachen angenommen. Die unvermeidliche Liebe kommt vor, das Shopping mit der Liebsten und vieles mehr. Humorig, fröhlich und sympathisch sorgte das Quintett für Vergnügen, nicht überragend, aber durchaus anzuhören. Sehr schön auch der Titelsong ihrer ersten CD, „Ungecastet gut“. Da machen sie sich ihre kritischen Gedanken über Dieter Bohlen, seine diversen Schützlinge und andere Päpste des schlechten Geschmacks, preisen dabei die eigenen Leistungen, die vielleicht keine Million bringen, dafür aber Spaß. Eben „ungecastet gut, mit Musik im Blut“. Am wenigsten überzeugend kam der einzige nicht selbstgeschriebene Song rüber, der Gospel „In Your Arms“. Der passte weder so richtig ins Programm noch war die Interpretation wirklich „auf dem Punkt“.

Aber sie sind eben keine Profis wie die Wise Guys – und das Gleiche trifft auch auf die eigentliche Attraktion des Abends zu. Dennoch ist Scampi eine gewisse Klasse besser, in der Präsentation und anderen Dingen, obwohl Wireless schon seit ein paar Jahren mehr auf der Bühne steht. Irgendwie wirken die „Meeresfrüchte“ aus Solingen aber ein wenig reifer und erfahrener mit ihrem Song über der Deutschen liebstes Hobby („Mein Grill“ zur Melodie von „My Girl“), der Abrechnung mit Schönheitsoperationen („Alles echt“) oder dem balladesken „Herz“-Song. Was vielleicht auch daran liegt, dass die „Scampis“ etwas älter sind.

Fans der A-cappella-Musik kamen jedenfalls bei beiden Formationen voll auf ihre Kosten, und beide werden garantiert wiederkommen. Wenngleich Siegen für manche ein Ort ist, „an den sich Baumärkte zum Sterben in die Berge zurückziehen“, wie einer der Herren auf der Bühne bösartig lächelnd formulierte. Und damit kraftvolles Gelächter erntete.

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