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Schwertransport: Novelle der StVO könnte Problem werden
Speditionen schlagen Alarm

Außergewöhnliche Transporte benötigen außergewöhnlich viel Vorbereitung – unter immer weitere Auflagen.
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  • Außergewöhnliche Transporte benötigen außergewöhnlich viel Vorbereitung – unter immer weitere Auflagen.
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js Siegen/Haiger. Frank Hartmann brauchte eines Tages eine Veränderung, tauschte das Steuer des Sattelzugs gegen den auf den ersten Blick bequemen Sessel im Büro. Die stressigen Zeiten im Führerhaus, die langen Fahrten, die nicht gerade geregelten Arbeitszeiten – all das war irgendwann einmal genug. Als sein Chef in der Genehmigungsabteilung der Spedition STL auf der Kalteiche einen Posten zu vergeben hatte, wechselte Hartmann hinter den Schreibtisch. Kaum drei Jahre sind seitdem vergangen, und dennoch hat sich seine Arbeit in dieser überschaubaren Zeit massiv verändert – immer weitere Anforderungen kamen hinzu, die Abteilung musste personell aufgestockt werden. Dabei geht es doch nach wie vor um das Gleiche: Genehmigungen für Schwertransporte zu beantragen.

js Siegen/Haiger. Frank Hartmann brauchte eines Tages eine Veränderung, tauschte das Steuer des Sattelzugs gegen den auf den ersten Blick bequemen Sessel im Büro. Die stressigen Zeiten im Führerhaus, die langen Fahrten, die nicht gerade geregelten Arbeitszeiten – all das war irgendwann einmal genug. Als sein Chef in der Genehmigungsabteilung der Spedition STL auf der Kalteiche einen Posten zu vergeben hatte, wechselte Hartmann hinter den Schreibtisch. Kaum drei Jahre sind seitdem vergangen, und dennoch hat sich seine Arbeit in dieser überschaubaren Zeit massiv verändert – immer weitere Anforderungen kamen hinzu, die Abteilung musste personell aufgestockt werden. Dabei geht es doch nach wie vor um das Gleiche: Genehmigungen für Schwertransporte zu beantragen.

Föderalismus erschwert den Transport

Das ist keine leichte Aufgabe. Nicht nur, dass die Spedition dafür sorgen muss, dass ihre Kunden in der Industrie ihre schwergewichtigen Produkte pünktlich von A nach B bewegt bekommen, mit dem richtigen Fahrzeug, dem nötigen Personal und der vorgeschriebenen Begleitung. Bei der Antragstellung zeigen sich Bürokratie und Föderalismus der Bundesrepublik von ihren anstrengenden Seiten. Wenn ein Transport bestimmte Längen-, Höhen- und Gewichtsgrenzen überschreitet, wird es knifflig. Dann muss die richtige Streckenführung gefunden werden, Abschnitt für Abschnitt. Zahlreiche Grenzen gilt es dabei zu überwinden – zwischen Kreisen, Regierungsbezirken, Bundesländern und darüber hinaus auch immer wieder nationale Grenzen. Auf dem Weg vom Start zum Ziel ist eine große Zahl von Behörden mit im Boot. In Extremfällen müssen schon mal 40 Stellen „grünes Licht“ geben.

Genehmigung von Fahrten dauert viele Stunden

Nicht nur Baustellen oder ein plötzlicher Abzug begleitender Polizeibeamter erschweren die Planung; auch örtlich unterschiedliche Regelungen oder neu hinzukommende Vorgaben bereiten Frank Hartmann und seinen Kollegen Mehrarbeit. Schon jetzt gehe für Genehmigungsanträge für kompliziertere Touren schon einmal ein ganzer Tag drauf. Im europäischen Ausland sei das Verfahren meist deutlich einfacher.
Eine Novelle der Straßenverkehrsordnung droht zum Jahreswechsel zusätzliche Belastungen mit sich zu bringen. Während bislang die Genehmigungsverfahren der Transporte über eine bestimmte Behörde laufen – im Falle von STL ist das der Kreis Soest –, soll das künftig nur bei den Verwaltungen möglich sein, in deren Zuständigkeitsbereich Start oder Ziel des Schwertransports liegen. Darüber hinaus soll eine neue Gebührenordnung dafür sorgen, dass in allen Behörden nach einheitlichen Maßstäben abgerechnet wird.

Neuerung der Straßenverkehrsordnung

Das klingt zunächst einmal fair und nachvollziehbar, birgt aber aus Sicht der Speditionen ein weiteres Problem. Bislang habe es feste Ansprechpartner gegeben, bei denen auch die benötigten Unterlagen über die Fahrzeugflotte hinterlegt seien, erklärt STL-Vorstand Jörg Reichmann. Demnächst müssten zunächst Tausende von Seiten zur Prüfung bei den jeweiligen Stellen vorgelegt werden. Dadurch seien komplexe Einzelfallgenehmigungen nötig, die so manche Behörde schnell ans Ende der Leistungsfähigkeit bringen. Niemand könne vorhersehen, wie sich die Antragsströme verteilten.

Änderung wird Geld und Arbeitsplätze kosten

Die Ämter könnten gar nicht personell planen und sich vorbereiten. Fest steht für Reichmann: „Das kostet uns wieder zusätzlich Zeit.“ Dass zudem die vereinheitlichten Kosten das Vierfache der bisherigen ausmachten, verschärfe die Situation noch. Am Ende werde es teurer für die Kunden aus der Industrie und unterm Strich auch für den Verbraucher. Der Wirtschaftsstandort Deutschland gerate in einen weiteren Wettbewerbstnachteil. „Das wird Geld und Arbeitsplätze kosten.“
Bei einem fachlichen Austausch mit der IHK Siegen formulierten die Spediteure jetzt den Wunsch, die neue Gebührenordnung um mindestens ein halbes Jahr zu verschieben. Noch immer gelte es schließlich auch für die Logistikbranche, die Folgen der Corona-Krise zu durchstehen.
Frank Hartmann und seinen Kollegen bleibt nur eins: Sie müssen weitermachen, auch unter neuen Vorzeichen. Nachvollziehen können sie diese nicht: „Das bremst die Speditionen und mit ihnen auch die Industrie aus.“

Außergewöhnliche Transporte benötigen außergewöhnlich viel Vorbereitung – unter immer weitere Auflagen.
Routenplanung schwer gemacht: Frank Hartmann (r.) und seine Kollegen wird es zunehmend erschwert, Schwertransporte zu beantragen.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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