Weltpremiere im Jung-Stilling-Krankenhaus
Spezialprothese implantiert

Eine "Prothese von der Stande rettet Leben". Dem Jung-Stilling-Krankenhaus ist jetzt eine echte Weltpremiere geglückt.
3Bilder
  • Eine "Prothese von der Stande rettet Leben". Dem Jung-Stilling-Krankenhaus ist jetzt eine echte Weltpremiere geglückt.
  • Foto: Diakonie in Südwestfalen gGmbH
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Siegen. Die Weltpremiere im Hybrid-OP des Diakonie-Klinikums Jung-Stilling ist geglückt. Gefäßchirurg Dr. Ahmed Koshty hat erstmals einem Patienten mit einem Aorten-Aneurysma zwischen Brustkorb und Bauchraum eine neuartige Spezialprothese implantiert.
Das Besondere an dem Ersatzstück, das die Firma Jotec aus Hechingen (Baden-Württemberg) mit dem medizinischen Know-how des Siegener Chefarztes entwickelt hatte: Sie ist so konzipiert, dass sie bei fast allen Patienten passt. Der 47-Jährige ist überzeugt: „Diese Prothese, wird weltweit vielen Menschen das Leben retten. Ihr Vorteil ist die Flexibilität.“

Idee im Jahr 2014 geboren

Über vier Seitenarme versorgt die Hauptschlagader zwischen Brust- und Bauchraum die Organe Leber/Milz, Darm und beide Nieren. Weist die größte Arterie dort eine Aussackung (Aneurysma) auf, droht sie zu reißen – und der Betroffene innerlich zu verbluten. Da sich die Seitenarme bei jedem Menschen unterscheiden, mussten bisher nach aufwendigen Messungen individuelle Prothesen angefertigt werden. Das dauerte seine Zeit, oftmals mehrere Wochen. Nicht selten verstarb der Patient in dieser Zeitspanne.
2014 gebar Dr. Ahmed Koshty die Idee einer „Prothese von der Stange“ – also eine, die möglichst zu jedem Menschen passt und die in Kliniken vorgehalten werden kann. Zusammen mit der baden-württembergischen Firma fertigte er Zeichnungen und Entwürfe an, sprach mit der Industrie, animierte die Implantation an Silikonmodellen.

Weltpremiere: Dr. Koshty setzt bei Patienten mit Aneurysmen zwischen Brustkorb und Bauchraum Spezialteil ein.
  • Weltpremiere: Dr. Koshty setzt bei Patienten mit Aneurysmen zwischen Brustkorb und Bauchraum Spezialteil ein.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Das Ergebnis nach sechsjähriger Entwicklungszeit: eine Prothese mit vier innenliegenden Seitenarmen. Bisher waren diese sogenannten Branches für jeden Patienten passgenau außen angebracht. Die durchschnittliche OP-Dauer betrug rund acht Stunden, verbunden mit all den Risiken, die es in einer solchen Zeit gibt.

OP-Dauer und Risiken deutlich reduziert

Bei der „E-nside“, so der Name der neuen Prothese, liegen die Branches indes innen. Befestigt und zusammengefaltet auf einem langen, dünnen Stab (Katheter), wird sie durch die Leiste punktiert und an die Stelle geschoben, wo sie verbleiben soll, und dann per Knopfdruck gelöst. Sie besteht aus Polyester und Nitronol. Letzteres ist ein Metall und besitzt die Eigenschaft, sich bei Körpertemperatur zu entfalten. Der Chirurg setzt mehrere Stents (Gefäßstützen) und Bridges (Brücken) auf die Gefäße zu den Organen und schiebt die Brücken millimetergenau in den für jedes Gefäß vorgesehenen Branch der Hauptprothese. Nebeneffekt: Die OP-Dauer und damit auch die Risiken für den Patienten reduzieren sich um 75 Prozent auf rund zwei Stunden. Durch die Verringerung der OP-Zeit reduziert sich auch die Menge an Bestrahlung und Kontrastmittel und führt zu weniger möglichen Komplikationen.
Die Prothese vereint Materialien, die es bereits auf dem Markt gibt und die erprobt sind, sie wird per Hand unter dem Mikroskop genäht und kostet pro Stück rund 25 000 Euro. „Mein Ziel ist“, so Dr. Koshty, die Implantation so einfach zu machen, dass jeder Gefäßchirurg dazu in der Lage ist.“

Große Expertise des Chefarztes

Im Mai erhielt die Prothese die europäische CE-Zertifizierung. Nun steht sie für eine begrenzte Anzahl von Kliniken als „Limited Market Release“ (begrenzte Marktfreigabe) zur Verfügung.
„Es macht uns natürlich stolz, dass der Hersteller uns für die Weltpremiere ausgesucht hat“, unterstreicht Diakonie-Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer. Neben der im „Stilling“ vorhandenen Top-Technik im Hybrid-OP gründet dieser Umstand aber hauptsächlich auf die Expertise des Chefarztes. Zum einen entwickelte er „E-nside“ mit, zum anderen gilt er in der Aortenchirurgie als einer der besten seines Faches. Premieren-Patient war ein 61-Jähriger aus dem Westerwald.
Er trug ein Aorten-Aneurysma mit einem Durchmesser von 7,7 Zentimetern in sich. Normal sind an dieser Stelle etwa 1,5 Zentimeter. Die Arterie wurde lokalisiert, der 1,70 Meter lange Katheter eingeführt. Nach anderthalb Stunden war die 27 Zentimeter lange Prothese korrekt platziert. Danach wurden nach und nach die vier zuvor mit Stents versehenen Gefäßübergänge aufgespürt und mit den jeweiligen Seitenarmen im Inneren der Prothese verbunden und fixiert. „Völlig reibungslos“, zog Dr. Ahmed Koshty am Tag nach der OP ein erstes Fazit. Bereits 16 Stunden nach dem Eingriff konnte der Patient von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt werden – und „in sechs Tagen wird er nach Hause gehen“, so der Chefarzt.

"Die ersten, die das gemacht haben, waren wir"

Am Tag der Weltpremiere erfolgte der gleiche Eingriff auch noch bei einem 79-jährigen Siegener – ebenfalls problemlos. Doch Ahmed Koshty weiß: „In der Aortenchirurgie geht es oft um Leben und Tod, Eingriffe sind immer mit einem Risiko behaftet. Doch das ist für viele Patienten nun deutlich geringer – und ihnen kann jetzt dank der neuen Prothese auf der ganzen Welt in mehr als 90 Prozent aller Fälle ohne Wartezeit direkt geholfen werden. Und die ersten, die das gemacht haben, waren wir.“

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Pizzeria da Pino in Geisweid wird 30 Jahre alt. Das Team freut sich über und mit seinen Gästen.
3 Bilder

Einladung an Gäste und Freunde nach Geisweid
Pizzeria da Pino feiert Geburtstag

In diesem Jahr wird die Pizzeria da Pino an der Röntgenstraße 9 in Geisweid 30 Jahre alt. Dieses Ereignis möchte das Team um Inhaber Giuseppe Giannetti und seine Ehefrau Maria am Sonntag, 19. September, ab 11.30 Uhr mit allen Kunden und Freunden, Partnern und Bekannten gemeinsam feiern. Einladung zum Sekt bei der Pizzeria da Pino„Wir sind einfach froh und dankbar, dass unsere Kunden und ihre Kinder und Enkelkinder uns so lange die Treue gehalten haben und immer noch halten. Daher ist unsere...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen