Spielerrevolte „kippte” Trainer Peter

Sportliche Gründe nur vorgeschoben:

Auch Co-Trainer Noll musste gehen – Interimslösung durch mehrere Spieler – Spaltung quer durchs Team

sz Siegen. Die Siegener „Sportfreunde” starten trainerlos in die Rückrunde der Regionalliga Süd. Nach der in der Nacht von Montag auf Dienstag beschlossenen Trennung von Trainer Ingo Peter (siehe SZ von gestern) wird bis zur Winterpause der fünfköpfige Spielerrat mit „Kapitän” Zorislav Jonjic die Geschicke leiten (siehe Extra-Bericht).

Nach wie vor im Dunkeln blieben auf der gestrigen Pressekonferenz die wahren Gründe für die Trennung vom Dortmunder Fußball-Lehrer, die im übrigen morgen im Hause Utsch in einem persönlichen Gespräch auch rechtlich vollzogen werden soll (Abfindung). Der Verein nannte zunächst sportliche Gründe, die sich bekanntermaßen am schlechten Tabellenplatz ablesen ließen. Dies war jedoch nur vordergründig, da Präsident Manfred Utsch am Montag vor versammelter Presse von einem klaren Vertrauensbruch zwischen ihm und Trainer Peter gesprochen hatte. Daran war und ist nicht zu rütteln. Die Vereinsversion, auf die im Laufes des Tages der gesamte Vorstand einschwenkte, liest sich nun so, dass sich mehrere Spieler massiv über den Trainer und dessen rüden Umgangston beschwert hätten. Utsch am Nachmittag zur SZ: „Ingo Peter hat in einem Heimspiel sich der Tribüne zugewandt und dort die Zuschauer mit einem Kraftausdruck massiv beleidigt. Dafür hätte er eine Abmahnung verdient gehabt. Ich habe damals jedoch davon abgesehen, weil er sich bei mir in aller Form für sein Verhalten entschuldigt hat. Nun aber sind Spieler zu mir gekommen und haben das rüde Verhalten des Trainers ihnen gegenüber in ähnlicher Weise beklagt. Ich habe den Spielern gesagt, dass ich enttäuscht sei, dass sie nicht schon viel früher zu mir gekommen seien. Für mich habe ich dann natürlich meine Konsequenzen gezogen.”

Utsch sprach von „Nachforschungen”

Im Raume steht jedoch auch die vermeintliche „Schmiergeldaffäre”, über die ein Radiosender gestern berichtete. Es gibt Hinweise darauf, dass Spieler in der letzten Woche auch dies zum Thema machten und zumindest den Sinneswandel des Präsidenten damit verstärkten, wenngleich es dafür keine Beweise gibt (siehe dazu ebenfalls nebenstehenden Extra-Bericht). Immerhin soll Utsch aber „eigene Nachforschungen” angekündigt haben, wie die SZ erfuhr. Bereits gestern meldeten sich Sponsoren, die sich vom Verein distanzieren wollen, wenn die Gerüchte nicht aus der Welt geschafft würden.

Im Laufe des Tages musste gestern auch Co-Trainer Gerhard „Fanja” Noll seine Koffer packen, der bei den „Sportfreunden” noch einen Vertrag bis Juni 2001 hatte. „Ich kann das alles noch gar nicht verstehen und begreifen. Das muss ich erst einmal verdauen. Ich habe in meinem Leben schon viele Tiefschläge erlebt, aber das ist nach einem privaten Tiefschlag der bisher härteste. Ich bin sehr traurig. Rolf Bleck hat mit gesagt, dass ich hier 100-prozentige Arbeit abgeliefert habe. Dass ich als Co-Trainer immer hinter meinem Chef gestanden habe, betrachte ich als normal, denn das gehört sich für einen Vorarbeiter.” Besonders traurig war Noll, dass er in Zukunft nicht mehr mit den jungen „Sportfreunde”-Spielern zusammenarbeiten könne. „Das ist sehr schade für Spieler wie Tilman Waegner, Rainer Willmann, Martin Willmann, Petr Janecko, Admir Radoncic oder Timo Schlabach. Die Ausbildung dieser Akteure, die mir nun einfach weggenommen werden, hat den Verein einiges an Geld gespart”, meinte ein recht frustriert wirkender Gerhard Noll. Manfred Utsch erklärte lapidar, dass die Spieler, die bei ihm vorsprachen und somit die Spielerrevolte anzettelten, den Co-Trainer „zu nahe an Ingo Peter” wähnten und kein Vertrauen mehr zu Noll gehabt hätten.

Spieler verhängten „Maulkorb”

Dennoch war das Vorgehen der rebellierenden Spieler nicht umfassend organisiert, denn längst nicht alle Akteure wussten davon. Einige erfuhren erst gestern via SZ vom Vorspreschen ihrer Kameraden und reagierten entsprechend betroffen. Außerdem waren im Laufe des gestrigen Tages Spieler „umgefallen”, als sie sich der Tragweite ihrer Schritte bewusst geworden waren. Man habe das nicht so gemeint, hieß es wohl vereinzelt, wie die SZ erfuhr. Ein von Spielführer Zorislav Jonjic in Absprache mit seinen Spielerratskollegen am Nachmittag verhängter „Maulkorb” für die Mannschaft verhinderte dann zumindest bis zum Abend das Bekanntwerden weiterer pikanter Details. Heftig diskutiert wurde derweil gestern Abend auf einer Sitzung des erweiterten Vorstandes. Der engere Führungszirkel hat die Spieler für heute Mittag nach dem ersten „Ohne-Peter-Training” zu einem Mittagessen in den „Sportfreunde”-Treff eingeladen, um im Hinblick auf das KSC-Spiel am Samstag motivationsfördernd zu wirken.

geo

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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