Spielt »Dr. Jekyll« gegen Offenbach?

Die zwei Gesichter der Sportfr. Siegen:

Heimischer Regionalligist will Heimstärke unterstreichen / Unverständnis über Sitzblockade

JaK Siegen. Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit, als der Deutsch-Lehrer Ihnen die beiden Identitäten des Dr. Jekyll näher bringen wollte? Unter gewissen Umständen mutierte der Mediziner zu Mr. Hyde und brachte so sein grauenvolles Gesicht zum Ausdruck. Wenn die Lehrer ihren Schülern diesen Klassiker von Robert Louis Stevenson heutzutage näher bringen wollen, wäre es durchaus angebracht, Parallelen zum heimischen Fußball-Regionalligisten Sportfr. Siegen zu ziehen. Denn auch der tritt bekanntermaßen mit zwei Gesichtern auf. Daheim glänzen die Kicker von Coach Michael Feichtenbeiner und spielen ihre Gegner – wie zuletzt die Stuttgarter Kickers – an die Wand, in der Fremde jedoch verlieren die Siegerländer praktisch in Serie und können nicht an die Leistungen anknüpfen, die sie vor eigenem Publikum bringen. So sehr die Fans sich auch wünschen, dass diese Serie reißt und dass auswärts endlich der Knoten platzt: Morgen um 15 Uhr geht es erstmal gegen die Kickers Offenbach – und da wäre eine Fortsetzung der Serie ––zumindest was die Heimspiele betrifft – durchaus wünschenswert.

»Wir wollen hoffen, dass die Spieler die Blockade aus Kaiserslautern lösen«, setzt Feichtenbeiner auf die psychische Regenerationsfähigkeit seiner Spieler. Gut drauf sein müssen die »Sportfreunde« allemal. Die Kickers stehen im Moment zwar alles andere als gut da und haben sich auch andere Ziele gesetzt, als den 14. Platz, den sie im Moment inne haben, doch spätestens nach dem 0:4 am vergangenen Freitag gegen den Liga-Primus Bayern München/A. sind die »Halb-Profis« vom Bieberer Berg in Siegen zum Siegen verdammt.

»Offenbach ist auswärts stärker«

»Die sind auch noch nicht eingespielt«, stellt Michael Feichtenbeiner fest, der sich das Offenbacher Debakel gegen die Bajuwaren vor Ort zu Gemüte führte. »Trotzdem wird das ein hartes Stück Arbeit. Offenbach ist auswärts stärker, als zu Hause«, weist der Übungsleiter auf die Statistik hin und führt dies darauf zurück, dass die Hessen in der Heimat unter so einem hohen Druck stehen, dass es sich auswärts einfach leichter spielen lässt. Wann in Offenbach die nächste »Bombe« hoch geht, ist bei den derzeitigen Resultaten nur eine Frage der Zeit. Schließlich hat der Traditionsverein vor der Saison zu Hauf erfahrene Spieler gekauft, die aber fast ausnahmslos nicht so eingeschlagen sind, wie sich die sportliche Leitung das vorgestellt hat. Bekanntlich ist ja immer der Trainer das schwächste Glied in der Kette. Darum musste Ramon Berndroth, der die Offenbacher seit dem Jahr 2000 trainiert hatte, vor dem DFB-Pokal-Derby gegen die Frankfurter Eintracht gehen. Nun versucht Lars Schmidt die Geschicke der Mannschaft zu leiten. Der Ex-Profi war vorher lediglich als Sportlicher Leiter tätig und muss jetzt als »Mann fürs Ganze« beweisen, dass die Einkaufspolitik der Kickers doch nicht falsch war.

Aber nicht nur aus Reihen der Fans regt sich Widerstand. Auch einige Spieler, dessen ist sich Schmidt offenbar sicher, spielen gegen die Kickers Offenbach. Darum könnte schon in Siegen eine veränderte Offenbacher Mannschaft auf dem Rasen des Leimbach-Stadions stehen. Immerhin hat Schmidt angekündigt, die Spieler, die nicht mitziehen, auf die Tribüne zu verbannen. Erster Kandidat hierfür ist Christian Knappmann, der sich nach seiner Auswechslung gegen Bayern nach dem Duschen auf die Tribüne setzte. »Kleine Attentate im Kollektiv«, nennt Schmidt diese Art einiger Spieler. Nun droht er einigen sogar mit Vertragsauflösung. »Einige müssen sich ändern, sonst werden sie verändert. Bevor ich die Flügel hängen lasse, müssen einige gehen«, erklärte Schmidt gestern wutentbrannt.

An einem solchen Punkt ist Schmidts Pendant Michael Feichtenbeiner noch lange nicht angekommen. Immerhin stimmt ja zumindest zu Hause die Leistung. Und ganz so schlimm, wie einige Fans das Spiel bei Amateuren des 1. FC Kaierslautern gesehen haben, will der Siegener Trainer den Auswärtsauftritt auf dem Betzenberg auch nicht hingestellt wissen: »Ich habe das Gefühl, dass das mit dem Sitzstreik momentan in Mode kommt und dass sich das einige von den Dortmunder Anhängern abgeguckt haben. Dass wir gerne mehr wollen, als den momentanen Tabellenplatz, ist klar, aber man muss doch auch mal realistisch bleiben! Dass die Fans nach so einem Spiel unzufrieden sind, ist mir klar, aber diese Aktion war unverhältnismäßig.«

Beschwichtigende Worte findet der Sportliche Leiter Rolf Bleck zu diesem Vorfall in der Pfalz: »Wenn die Fans sauer sind, kann ich das in gewisser Weise verstehen. Da sind Leute bei Auswärtsspielen dabei, die das Geld für solche Fahrten eigentlich gar nicht haben. Da war es nicht in Ordnung, dass die Mannschaft sich nicht zumindest von ihnen verabschiedet hat. Überbewerten würde ich das nicht, aber wir werden darüber sicher mit dem Team sprechen.«

Toborg nach Sperre wieder dabei

Wie das Team am morgigen Tag aussehen wird, ist noch nicht ganz klar. Fest steht aber, dass Timo Schlabach noch ausfallen wird und Fragezeichen hinter den Einsätzen von Jens Truckenbrod und Eric Lukin stehen. Im Kader ist auf jeden Fall wieder Lars Toborg, der seine Sperre verbüßt hat. Doch egal, wer am Tag der Deutschen Einheit aufläuft: Die Hoffnung auf einen erneuten (Heim-)Auftritt von Dr. Jekyll bleibt …

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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