Sportfr. Siegen bleibt Regionalligist!

Wie Weihnachten und Ostern an einem Tag:

Neuer Trainer Feichtenbeiner: »Ich bin überwältigt« / Lizenz-Drama um SSV Reutlingen

geo/JaK Siegen. Ein solches Tohuwabohu wie gestern Nachmittag hat die Geschäftsstelle der Siegener »Sportfreunde« nahe dem Leimbach-Stadion noch nicht erlebt: glückliche Gesichter, strahlende Männer, Fragen über Fragen, Türen auf, Türen zu. Alle wollten einfach nur wissen, ob die sich gestern nachmittag überschlagenden Ereignisse wirklich stimmten, ob die Freuden-nachrichten wirklich hieb- und stichfest waren. Anrufe kamen sogar aus Übersee. Aber bald war allen klar: jawohl die zunächst sportlich aus der Regionalliga Süd abgestiegenen Siegener »Sportfreunde« sind gerettet und werden auch in der nächsten Saison in Deutschlands dritthöchster Spielklassen antreten können!

Dieses »Fußball-Wunder« ist im Umkehrsinne die Tragik des bisherigen Zweitligisten SSV Reutlingen, dem freilich seine über Jahre »gepflegte« Misswirtschaft zum Verhängnis wurde. Um 15.30 Uhr teilte der Deutsche Fußball-Bund gestern dem Geschäftsführer der Reutlinger, Robert Hofacker, mit, dass der SSV Reutlingen die Lizenzauflagen des Deutschen Fußball-Bundes nicht fristgerecht erfüllt habe.

Danach standen die Telefone nicht mehr still. Erst eine halbe Stunde zuvor war in den Geschäftsräumen des Siegener »Sportfreunde«-Ehrenpräsidenten Manfred Utsch die Präsentation des neuen »Sportfreunde«-Trainers Michael Feichtenbeiner zu Ende gegangen (siehe Extra-Bericht). Als Feichtenbeiner, der sich danach noch die Räumlichkeiten des Leimbach-Stadions zeigen ließ, noch in Siegen von der Meldung des Reutlinger Lizenzentzuges erfuhr, war der gebürtige Stuttgarter überglücklich: »Ich bin überwältigt. Ich bin heute von einem sehr guten Verein sehr herzlich empfangen worden. Und diese Nachricht hat den Tag heute sensationell abgerundet!«

Die freudige Nachricht verbreitete sich in Windeseile. So wurde die CDU-Fraktion der Stadt Siegen während einer Sitzung im Rathaus überrascht. Fraktionsvorsitzende Ute Höpfner-Diezemann verfasste spontan ein Glückwunschschreiben an die »Sportfreunde«, das schon um 17:21 auf der SFS-Geschäftsstelle einging.

Online-Transfer halbe Stunde zu spät

Recherchen der SZ in Reutlingen erhellten im Laufe des Spätnachmittags rückblickend die Ereignisse des letzten Mittwochs, dem Abgabetermin für alle Vereine, die erstinstanzlich keine Lizenz erhalten hatten (Abgabetermin: 14 Uhr). Der SSV Reutlingen musste insgesamt Auflagen in Höhe von 1,025 Mill. e erfüllen. Dies war weitgehend gelungen, jedoch fehlten kurz vor Toresschluss noch 130000 e. Zwei Tage vor dem Abgabetermin teilte Reutlingens Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Rall der Presse mit, dass man alle Auflagen erfüllen könne. Da hatte er wohl zu hoch gepokert, denn der Teufel steckte im Detail, und dem Verein lief die Zeit davon. Da sich wohl auch nicht alle Kleinsponsoren an gemachte Zusagen hielten, konnte Geschäftsführer Hofacker erst am Mittwochmittag via Handy aus seinem Auto online die geforderten 130000 e auf eine Bank überweisen. Die entsprechende Wertberichtigung der annehmenden Bank erfolgte aber erst um 14.30 Uhr - eine halbe Stunde zu spät!

Gestern um 16.58 Uhr meldete der DFB, der für Rückfragen nicht zur Verfügung stand, die sensationellen Nachrichten offiziell: die Zweitliga-Absteiger SV Waldhof und SSV Reutlingen erhalten keine Lizenz, die sportlich abgestiegenen Vereine Kickers Stuttgart und Sportfr. Siegen bleiben in der Regionalliga! Allerdings sollten die Fans sich nicht zu früh freuen. Dem SSV Reutlingen bleibt als letztes Rechtsmittel in den nächsten 14 Tagen die Anrufung des Regionalliga-Schiedsgerichtes. Hier wird aber nur noch über etwaige Formfehler des Zulassungsbeschwerde-Ausschusses diskutiert. Das eigentliche Zulassungsverfahren ist für Reutlingen definitiv beendet. Wie die SZ erfuhr, hat der DFB dem SSV-Geschäftsführer auch klar mitgeteilt, dass man nicht mehr nachbessern müsse, das Geld sei ja da - nur eben zu spät eingezahlt.

Reutlingen bleibt nur Gnadengesuch

Somit bleibt Reutlingen - übrigens zum zweiten Male binnen weniger Wochen - nur der Weg, ein Gnadengesuch zu stellen, um somit eine Liga-Aufstockung auf 19 Vereine zu erreichen. Genau der gleiche Weg übrigens, den die Siegener »Sportfreunde« nach Rücksprache mit ihren Rechtsberatern heute vorsorglich einlegen werden für den Fall, dass »irgend etwas noch schief läuft«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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