Sportfreunden fehlen 300.000 Euro

 So geht Optimismus: Unser Bild von der Pressekonferenz der Siegener Sportfreunde im Leimbach-Stadion zeigt (v. l.): Reiner Jakobs (Sportvorstand), Serkan Dalman (Jugend-Vorstand), Roland Schöler (1. Vorsitzender), Ottmar Griffel (Trainer), Gerhard Bettermann (Vorstand Marketing), Frank Weber (2. Vorsitzender). Foto: Jost-Rainer Georg
  • So geht Optimismus: Unser Bild von der Pressekonferenz der Siegener Sportfreunde im Leimbach-Stadion zeigt (v. l.): Reiner Jakobs (Sportvorstand), Serkan Dalman (Jugend-Vorstand), Roland Schöler (1. Vorsitzender), Ottmar Griffel (Trainer), Gerhard Bettermann (Vorstand Marketing), Frank Weber (2. Vorsitzender). Foto: Jost-Rainer Georg
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geo - Der gedankliche Spagat, den die Verantwortlichen des designierten Regionalliga-Wiederaufsteigers Sportfr. Siegen am Dienstag schlugen, würden jedem Bundesliga-Turner der Siegerländer KV zur Ehre gereichen! Es war die sprachliche Kunst, einen für die Öffentlichkeit völlig unerwarteten Schiefstand der Vereinsfinanzen mit einem unerschütterlichen Optimismus zu mixen und daraus ein zukunftsfähiges „Gebräu“ zu „kreieren“. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellten sich die Verantwortlichen des Vereins der aktuellen Lage vor allem der sportlich unerwartet erfolgreichen 1. Mannschaft in der Oberliga und warfen einen Blick voraus in die nächste Saison, in der der ehemalige Zweitligist immerhin wieder in der 4. Liga mitmischen will.

Zunächst durfte Serkan Dalman über die Jugendarbeit referieren, die sich der Verein im Jahr 300.000 Euro kosten lässt. Sportvorstand Reiner Jakobs untermauerte aber in aller Deutlichkeit diesen Ansatz: „Wir haben uns alternativlos von der Professionalität verabschiedet, und es wird hier auf Jahre hinaus nichts anderes mehr möglich sein.“ Zum Jugendetat gehört ein Stab von rund 50 (meist lizenzierten) Trainern, Betreuern, Fahrdiensten und ein Teil der Geschäftsstelle. Neu wird in der kommenden Saison bekanntlich eine U 21 sein, die in der A-Kreisliga spielen wird (SZ berichtete). Vorsichtigen Schätzungen zufolge wird diese Maßnahme 50 000 bis 60 000 Euro kosten. Zwar will aktuell nur ein Spieler aus der A-Jugend in der A-Kreisliga spielen, dennoch will man diese „2. Mannschaft“ als Sprungbrett später auch wieder für eigene Talente nutzen.

Im weiteren Verlauf der Vereinsdarstellung kam man dann allmählich zur Sache. Mit einer breit angelegten Aktion will man die „Region in die Verantwortung“ nehmen. Vereinsvorsitzender Roland Schöler nannte zwei Schlagworte, die nun auch nicht ganz neu waren: „Es muss ein Ruck durch die Region gehen. Die Region muss zeigen, dass sie Fußball in Siegen haben will.“ Wer nun gedacht hatte, die offene Aktion ziele auf die nächste Saison, wurde von Marketing-Vorstand Gerhard Bettermann sanft eingebremst: „Unser Fokus liegt auf der Jugend, aber uns fehlt jetzt noch Geld.“ Auf Nachfragen wurde man dann deutlicher: Zum Gesamtetat, der trotz Halbierung des Budgets für die 1. Mannschaft irgendwie immer noch bei 1,1 Millionen Euro liegt, fehlen aktuell noch 300 000 Euro!

Doch es droht keine Insolvenz, zumal keine GmbH mehr dahinter steht, und es ja auch noch einen Wirtschaftsrat gibt. Mentor Hajdari, Geschäftsführer von Mercedes Bald in Siegen, brachte es weitgehend auf den Punkt: „Der Wirtschaftsrat wird 60 Prozent des Fehlbetrags übernehmen, wenn die Region andersherum mitzieht.“ Somit bliebe dann nur noch ein Fehlbetrag von 120 000 Euro. Hajdari im Klartext weiter: „Egal, ob wir der Oberliga oder Regionalliga spielen – wir werden den Weg der wirtschaftlichen Vernunft nicht mehr verlassen.“

Und zum erstaunlichen Optimismus seiner Mitstreiter, dass die Region genau hier mitziehen werde, ergänzte der selbst erfolgreiche Fußball-Torjäger: „Wir hatten eine schwierige Saison nach dem Abstieg aus der Regionalliga. Da standen wir ohne Spieler und Trainer da, und es waren auch nicht mehr viele, die uns Mut gemacht haben. Viele prophezeiten uns sogar, dass wir durchgereicht würden. Aber in den letzten Wochen und Monaten hat sich das Bild deutlich gewandelt, ist die Stimmung völlig umgekehrt. Das wissen wir aus vielen Gesprächen.“

Womit man irgendwie doch bei der Zukunft angelangt wäre, die für die Sportfreunde höchstwahrscheinlich in der Regionalliga West weiter geht. Auch dazu gab es erste klare Bekenntnisse: 1. Der Etat bleibt unverändert. 2. Es bleibt beim Training abends, meist viermal die Woche. 3. Zitat: „Wir wollen hochgehen, werden aber so weiter arbeiten wie bisher.“ Ein großes Lob zollten alle Beteiligten in diesem Zusammenhang Trainer Ottmar Griffel, der in dieser Saison Beachtliches geleistet habe. Vermutlich ist sogar dieser unerwartete Erfolg auch ein wesentlicher Punkt, weshalb plötzlich viel Geld in der Kasse fehlt. Denn die Spielerprämien für bislang 61 Punkte reißen ein „fettes“ Loch und waren selbst von kühnen Optimisten so nicht erwartet worden.

Was das künftig spielende Personal angeht, so berichtete Reiner Jakobs von aktuell zehn Spielern, die für die kommende Spielzeit bereits unter Vertrag stünden. Neben Keeper Dominik Poremba, Kapitän Mark Zeh und Julian Jakobs, seinem Sohn, seien dies Christopher Thies, Serkan Dalman, Marco Rente, Luigi Valido sowie aktuell und damit neu Björn Jost und Jakub Jarecki. Außerdem besitze Abdelhamid Sabiri im Falle des Regionalliga-Aufstiegs einen gültigen Vertrag für die kommende Spielzeit. Den Verein verlassen wird Marco Komenda, der sich der U 23 Borussia Mönchengladbachs anschließen wird (SZ berichtete). Man werde, so Reiner Jakobs, zunächst mit 18 Feldspielern und zwei Torhütern im Kader planen. Mit einigen weiteren Spielern des eigenen Kaders stehe man noch in Gesprächen.

Zu möglichen Verstärkungen meinte Jakobs ironisch: „Uns werden täglich 198 Spieler aus ganz Europa angeboten. Da muss man sicher auch ein bisschen Glück haben. Aber zum Probetraining werden wir im Moment keinen einladen.“ Wie die SZ in diesem Zusammenhang jüngst erfuhr, stehen die Sportfreunde seit Wochen auch in engem Kontakt zu mehreren Spielern des TuS Erndtebrück, unter anderem zu Angreifer Robin Schmidt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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