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Der Weg zum Corona-Test
Sprechen über Stunden angesagt

Die Videosprechstunde gab es bei Dr. Dr. Charles Adarkwah aus Kreuztal schon vor Corona-Krise – in diesen Tagen aber wird sie besonders rege genutzt, nicht nur fürs SZ-Gespräch.
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  • Die Videosprechstunde gab es bei Dr. Dr. Charles Adarkwah aus Kreuztal schon vor Corona-Krise – in diesen Tagen aber wird sie besonders rege genutzt, nicht nur fürs SZ-Gespräch.
  • hochgeladen von Jan Schäfer (Redakteur)

js Siegen. Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Was an normalen Märztagen gehörig auf die Nerven gehen kann, ist in der momentanen Ausnahmesituation stets mit der einen großen Sorge verbunden: Habe auch ich mich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert? Oder ist es nur der Heuschnupfen, vielleicht das harmlose Zipperlein? Gewissheit ist für den Großteil der Verunsicherten nicht zu bekommen in dieser Phase – die Vorgaben, wer überhaupt getestet wird oder nicht, sind strikt.

Erste Anlaufstelle sind die niedergelassenen Mediziner. Wer Symptome verspürt, muss sich telefonisch an seinen Hausarzt wenden. Der klärt ab, ob sein Patient sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder Kontakt zu einer nachgewiesen infizierten Person hatte.

js Siegen. Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Was an normalen Märztagen gehörig auf die Nerven gehen kann, ist in der momentanen Ausnahmesituation stets mit der einen großen Sorge verbunden: Habe auch ich mich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert? Oder ist es nur der Heuschnupfen, vielleicht das harmlose Zipperlein? Gewissheit ist für den Großteil der Verunsicherten nicht zu bekommen in dieser Phase – die Vorgaben, wer überhaupt getestet wird oder nicht, sind strikt.

Erste Anlaufstelle sind die niedergelassenen Mediziner. Wer Symptome verspürt, muss sich telefonisch an seinen Hausarzt wenden. Der klärt ab, ob sein Patient sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder Kontakt zu einer nachgewiesen infizierten Person hatte. Nächste Instanz ist das Gesundheitsamt des Kreises, der den Verdachtsfall ebenfalls abklopft und eben nur dann zum Testen bittet, wenn die genannten Risiken zutreffen und entsprechende Symptome vorliegen.

Die SZ fragte nach bei einigen niedergelassenen Ärzten. Wie geht es derzeit zu in ihren Praxen? Vor Ort sei es verhältnismäßig ruhig, erklärt Dr. Michael Belz von der Gemeinschaftspraxis Hoffmann/Howe/Belz in Dreis-Tiefenbach. Die Telefonleitungen indes laufen täglich heiß, sehr viele Patienten rufen an, darunter seien auch schon einige der inzwischen nachgewiesen Infizierten gewesen, die zum Test weitervermittelt worden seien. Viele der Anrufer blieben sachlich, es gebe aber auch Beängstigte. Michael Belz hat die Zahl der Hausbesuche heruntergefahren, versucht sehr viel telefonisch zu regeln, um direkte Kontakte zu vermeiden.

Auch Dr. Stefan Hickmann (Gemeinschaftspraxis Arzt/Hickmann, Hilchenbach) berichtet von vormittags meist überlasteten Telefonen. Viele Patienten hätten Fragen oder bestellten Krankmeldungen für den Arbeitgeber – dies ist in dieser Phase auch ohne direkten Patienten-Arzt-Kontakt möglich. Bei der Weiterleitung zu den Tests hält sich auch Hickmann an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. „In der Regel sind die Leute verständnisvoll“, freut sich der Hausarzt. „Wir erleben bisher wenig Unmut.“ Teilweise bekommt das Praxisteam sogar ein Dankeschön – in Form von netten Worten, E-Mails oder Aufmerksamkeiten. Die Hauptarbeit hätten zurzeit die Mitarbeiterinnen am Telefon, die die Problemfälle herausfiltern müssten. Ansonsten habe auch seine Praxis Kontakte aufs Nötige heruntergefahren. Routine- und Vorsorgetermine wurden weitgehend abgesagt.

Ähnlich geht Dr. Dr. Charles Adarkwah von den Kreuztaler Gemeinschaftspraxen „Family Docs“ vor. Es dauert eine Weile, bis die SZ telefonisch durchkommt – auch hier sind die Leitungen stark beansprucht. „Die allgemeine Verunsicherung nimmt zu“, berichtet Adarkwah. Auch bei ihm und seinen Kollegen rufen zahlreiche Patienten an, die Sorge vor einer Infektion haben. Für das Routineprogramm bleibt auch hier kaum noch Zeit, die nicht ganz notwendigen Termine werden gestrichen; auch um so viele Menschen wie möglich aus der Praxis herauszuhalten.

„Wir müssen viel sprechen“, sagt Charles Adarkwah und nutzt auch für das SZ-Gespräch eine Kommunikationsform aus der Telemedizin, die sich in seinem Arbeitsalltag mehr und mehr durchsetzt: Die Videosprechstunde haben die „Family Docs“ schon vor der Coronavirus-Krise eingeführt, in diesen Tagen aber kommt sie häufig und hilfreich zum Einsatz.

Dr. Michael Klock, Vorsitzender des Ärztevereins Siegerland mit Praxis in Geisweid, mahnt dazu, die derzeitige Situation „in Ruhe, aber gezielt“ anzugehen. Die Empfehlungen an die Ärzteschaft seien seiner Meinung nach etwas spät gekommen. In seiner Gemeinschaftspraxis Dr. Becher und Dr. Klock habe man nun zwei Teams gebildet, die wochenweise wechseln. „Es wäre ein Drama, wenn die Praxis ganz geschlossen werden müsste.“ Viel Zeit werde nun damit verbracht, zu Corona-Anfragen zu telefonieren, obwohl die tatsächlichen Verdachtsfälle bislang die große Ausnahme seien. Dass die regulären Untersuchungen zurückgefahren würden, könne auch finanziell schwierig werden für eine Arztpraxis. Immerhin verdiene sie ihr Geld nicht am Telefon. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass die anderen Patienten untersucht würden. Auch in dieser Krise erweise sich der Ärztemangel als Problem: Ein Drittel der Hausärzte sei über 60 und gehöre damit schon fast selbst zur gefährdeten Klientel. Im Großen und Ganzen seien die Patienten sehr ruhig, meint er, auch wenn es da Ausnahmen gebe. Wichtig ist aus seiner Sicht, dass die Menschen sich nun vernünftig verhalten: Ansammlungen sollten gemieden werden. Und an „Coronapartys“ dürfe nicht einmal gedacht werden.

Dr. Martin Junker, hiesiger Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, sieht die Region relativ gut aufgestellt, die Ärzteschaft arbeite Hand in Hand, jeder leiste das Machbare. Dass nicht alle Beunruhigten getestet werden könnten, liege nicht zuletzt an begrenztem Testmaterial und der Kapazität der Labore. Das Krisenmanagement der Regierung bezeichnet Junker als miserabel. Sie habe entweder zu spät reagiert – oder aber sie hätte es auf eine schnelle Konfrontation der Bevölkerung mit dem Coronavirus ankommen lassen sollen.

Die Videosprechstunde gab es bei Dr. Dr. Charles Adarkwah aus Kreuztal schon vor Corona-Krise – in diesen Tagen aber wird sie besonders rege genutzt, nicht nur fürs SZ-Gespräch.
Das Corona-Diagnose-Zentrum in Weidenau hat sich in den ersten drei Tage nach Inbetriebnahme als effizient erwiesen. Laut Kreis sind die Testabläufe schneller als erwartet.  Fotos: Jan Schäfer
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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