Prozess um sexuellen Missbrauch
Spuren im Wohnmobil des Angeklagten

Einem 64-Jährigen wird vorgeworfen, zwei seiner Nichten missbraucht zu haben. Am Mittwoch sagten unter anderem der ermittelnde Polizeibeamte sowie die Lebensgefährtin des Angeklagten aus.
  • Einem 64-Jährigen wird vorgeworfen, zwei seiner Nichten missbraucht zu haben. Am Mittwoch sagten unter anderem der ermittelnde Polizeibeamte sowie die Lebensgefährtin des Angeklagten aus.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Siegen/Bad Laasphe. So etwas habe er noch nie gesehen, das ganze Wohnmobil sei ein einziger Spurenträger gewesen. Der Polizeibeamte, der am Mittwoch vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Siegen aussagte, hatte im Oktober 2018 den Wagen des Mannes untersucht, der zwei seiner Nichten zwischen 1999 und 2010 sexuell missbraucht haben soll – unter anderem im Urlaub, in Bad Laasphe und im Wohnmobil des Angeklagten.

Der Innenraum hat "geleuchtet"

Ein Bild hat sich dem 43-Jährigen offenbar gut eingeprägt: Bei der serologischen Untersuchung, bei der mithilfe von Schwarzlicht auch Ejakulatspuren festgestellt werden können, habe der gesamte Innenraum „geleuchtet“, sogar die Decke, die Töpfe und sämtliche Griffe.

40.000 Bilder sichergestellt

Im Rahmen der Durchsuchung des Wohnwagens sei auch das Tablet des heute 64-Jährigen sichergestellt worden. Der Inhalt sei eigentlich unverfänglich gewesen, wobei es ihm doch „eigenartig“ vorgekommen sei, dass der Angeklagte 40 000 Bilder gespeichert hatte, unter anderem Werbeanzeigen von Kindern in Badeanzügen und Urlaubsbilder von eben den zwei Nichten, die ihn nun belasten. Auch erinnerte sich der Polizeibeamte an Begriffe wie „Teenie in Bikini“, die der 64-jährige Schauspieler in eine Suchmaschine eingegeben hatte.
Diese Ergebnisse interessierten Verteidiger Dirk Löber wenig, er wollte mehr über die Umstände der Vernehmung der beiden jungen Frauen und ihrer Mutter – der Schwester des Angeklagten – erfahren.  

Festnahme in Hamburg

Jeder sei einzeln vernommen worden, so der Polizeibeamte. Und im Rahmen der gemeinsamen Vorgespräche seien keine Details bezüglich der Anschuldigungen besprochen worden. Mehrere Male habe er mit der Mutter telefoniert, unter anderem habe sich der Beamte Hinweise auf den Aufenthaltsort des Angeklagten erhofft: Anhand eines Briefes aus Hamburg habe er diesen letztendlich auch herausgefunden, sodass der 64-Jährige dort am 15. Oktober 2018 festgenommen werden konnte.

"Absurde" Anschuldigungen

Die jetzige Lebensgefährtin des Schauspielers habe von einem Freund aus Hamburg von der Inhaftierung erfahren, berichtete sie. Sie und ihre drei Kinder seien schockiert gewesen, „wir finden das absurd“, sagte sie am Mittwoch. Ihr sei gleich der Gedanke gekommen, dass der Erbstreit etwas damit zu tun habe.
Sowohl Staatsanwältin Katharina Burchert als auch Verteidiger Löber hakten nach, wann genau der Angeklagte bei der Familie in der Nähe von Fulda gewohnt habe, wohl um die Daten mit den Aussagen der Mutter und der zwei betroffenen Töchter aus Bad Laasphe zu vergleichen.

Monatelang bei der Partnerin

In Spanien habe die heutige Lebensgefährtin den 64-Jährigen Ende 2004 kennengelernt. Vor allem in den ersten drei bis vier Jahren der Beziehung habe der Angeklagte oft über Monate hinweg bei ihr gewohnt. Sie sprach von gemeinsamen Urlauben, Geburtstagen, Schulfesten. Anfang 2006 und 2007 sei er eine Zeit lang nach München gegangen, um Yoga zu trainieren. Heute sei er aufgrund seiner Arbeit als Schauspieler oft in Hamburg.

Probleme mit dem Schwager

Bezüglich der Beziehung zu seiner Verwandtschaft habe der Angeklagte erzählt, dass er seiner Schwester zeitweise mit den Kindern geholfen habe, als sie selbst krank war. Probleme habe er wohl mit dem inzwischen verstorbenen Schwager, also dem Vater der Mädchen, gehabt; „der schien ein Schlägertyp zu sein“, so die 52-Jährige. Außerdem habe ihr Lebensgefährte berichtet, dass er den Schwager erwischt habe, wie dieser im Keller gegenüber einem der Mädchen sexuell übergriffig geworden sei.

"Wie ein Vater"

In ihrer eigenen Familie sei der Angeklagte „eine große Bereicherung“, so die Zeugin. Für die Kinder sei er wie ein Vater, was der 24-jährige Sohn und die 21-jährige Tochter bestätigten. Das Vertrauensverhältnis sei sehr stark.
Auch der Freund, der der Lebensgefährtin im Oktober von der Inhaftierung berichtet hatte, wusste von Schwierigkeiten mit dem Schwager, kannte aber keine Einzelheiten. Von Erbstreitigkeiten habe der 64-Jährige ebenfalls erzählt; „die Sache kann ich aber nicht richtig einschätzen“. Mit der Partnerin des Angeklagten habe er zum ersten Mal nach der Festnahme gesprochen. Er als Vater habe sich natürlich um seine Tochter gesorgt und wollte auch die 52-jährige Mutter über die Anschuldigungen informiert wissen. Beide hätten ihre Kinder direkt oder indirekt befragt, doch keines habe von sexuellen Übergriffen berichtet.

Zweite Nichte sagt am Donnerstag aus

Am Donnerstag wird die zweite Nichte aussagen. Simone Göckus, Vertreterin der Nebenklage, kündigte bereits an, dass sie den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragen werde.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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