Staatsanwalt sollte vor die Tür

Verteidigerantrag blieb erfolglos / 46. Tag »Rotlichtprozess«

pebe Siegen. Wenn es rund geht in der Mathematik, dann hat das u.a. mit der zahl Pi zu tun. Die ist eine mathematische Konstante und zudem faszinierend. »Irgendwie« fast das genaue Gegenteil der Zahl Pi stellt der Siegener »Rotlichtprozess« dar: Der geht nicht rund, und faszinierend ist er meist nur für die Juristen. Allerdings gibt es eine wichtige Ähnlichkeit: Der Prozess ist auch eine Konstante, nämlich in der Terminflut des Landgerichts. Gestern, am 46. Verhandlungstag, beschäftigten sich die Beteiligten mit zwei Zeugenaussagen.

Zeuge 1: ein heute 35-jähriger Mann, der schon am 11. Verhandlungstag vernommen worden war. Der unterhielt zu Zeiten der Autobombe vor dem Siegener Parkhotel Kontakte ins Rotlichtmilieu. Fragen hatte der Rechtsanwalt des mitangeklagten Hauptkommissars, Dr. Jürgen Fischer (Frankfurt).

Der Zeuge bestätigte seine früheren Kontakte. Von dem Angeklagten Peter K. sei er einmal um »Zwischenlagerung« einer Tasche mit Zündkapseln und Munition gebeten worden, weil K. »Besuch« von der Mordkommission erwartete. K. habe gesagt, die Tasche gehöre dem Angeklagten Volker F. Später wollte Fischer Genaueres über die Umstände der ersten Vernehmungen des 34-Jährigen 1999 durch die Polizei wissen. Insbesondere interessierten den Anwalt die Aussagen über seinen Mandanten. Aber an Genaueres konnte sich der Zeuge nicht erinnern.

Nach der Vernehmung beantragte Fischer, Staatsanwalt Manfred Lischeck als Zeugen zu vernehmen. Lischeck solle sich zu jenem Zeugen äußern, der an den vorigen Verhandlungtagen für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. U.a. solle er berichten, wann und unter welchen Umständen er das Ankündigungsschreiben des Zeugen aus der JVA Köln erhalten habe und ob er sich dafür eingesetzt habe, den 53-Jährigen mit dem ebenfalls in Köln einsitzenden Harry S. zusammenzubringen. Dies werde zeigen, so der Frankfurter Advokat maliziös, dass Lischeck um jeden Preis einen Aufklärungserfolg behaupten wollte. Derart »entfesselt« sei auch gegen seinen Mandanten ermittelt worden. Zeuge 2: Ein Kriminalhauptkommissar, der im Prozess schon ausgesagt hat und für die Verteidiger ein »rotes Tuch« zu sein scheint. Vor seiner Vernehmung hatte Fischer beantragt, Lischeck durch dessen Vorgesetzten von der Vernehmung ausschließen zu lassen. Der Kammervorsitzende Wolfgang Münker teilte später mit, er habe der Behördenleitung Fischers Ansinnen vorgetragen. Aber der Behördenleiter habe nichts unternommen, Lischeck werde also bleiben. Kommentar Fischers: »Schulterschluss« und »brecherartiger Stil«.

Der Hauptkommissar berichtete über die Umstände der Vernehmung des 53-jährigen Detektivs, über dessen Kontakte zu Harry S. und sein vergeblichen Versuche, aus seinem Wissen Profit für seine eigene Situation zu schlagen. Die Vernehmung wird am kommenden Montag (47. Verhandlungstag ) fortgesetzt.

Übrigens: Die Zahl Pi, eine unendliche, nichtperiodische Dezimalzahl, wurde bislang auf mehrere Millionen Stellen genau ausgerechnet. Auf so viele Verhandlungstage wird es der Rotlichtprozess aber wohl kaum bringen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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