SZ

"Antuung" als "Kunstaktion"
Staatsschutz ermittelt nach Baumfällung in Siegen

Durch die „rituelle Vernichtung des Kostbaren“ wollen die Aktivisten ein Zeichen setzen. Um einen „Bezug zum Größeren“ herzustellen. Das Opfer: dieser Baum.
  • Durch die „rituelle Vernichtung des Kostbaren“ wollen die Aktivisten ein Zeichen setzen. Um einen „Bezug zum Größeren“ herzustellen. Das Opfer: dieser Baum.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

nja Siegen. Die anrührenden und harmonischen Klänge von Geige und Cello werden jäh „kreischend“ übertönt, als die Motorsäge angeworfen wird und ein Mann unter deutlich vernehmbarem Jubel einem Bäumchen, das erst noch ein stattlicher Baum werden wollte, zu Leibe rückt. Stamm und Krone fallen am Freitag gegen 19.30 Uhr auf die Stufen an Siegens „neuem“ Ufer: Eine angeblich „spontane Baumopferung“ ist vollzogen. Ein Video hat Ausschnitte festgehalten. Diese „Kunstaktion“ unter Federführung einer Siegener Studentin hat Folgen – nicht nur für den Baum. Die Stadt Siegen hat Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt – und da es sich ganz offensichtlich um ein politisch motiviertes „Happening“ handelt, wurde der Staatsschutz eingeschaltet.

nja Siegen. Die anrührenden und harmonischen Klänge von Geige und Cello werden jäh „kreischend“ übertönt, als die Motorsäge angeworfen wird und ein Mann unter deutlich vernehmbarem Jubel einem Bäumchen, das erst noch ein stattlicher Baum werden wollte, zu Leibe rückt. Stamm und Krone fallen am Freitag gegen 19.30 Uhr auf die Stufen an Siegens „neuem“ Ufer: Eine angeblich „spontane Baumopferung“ ist vollzogen. Ein Video hat Ausschnitte festgehalten. Diese „Kunstaktion“ unter Federführung einer Siegener Studentin hat Folgen – nicht nur für den Baum. Die Stadt Siegen hat Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt – und da es sich ganz offensichtlich um ein politisch motiviertes „Happening“ handelt, wurde der Staatsschutz eingeschaltet.

Steffen Mues: Deutliche Kritik und Zweifel an "spontaner Aktion"

Als „Antuung“ hatte die Kunststudentin Lena Hugger, die bald an die Düsseldorfer Kunstakademie wechseln möchte, ihre Aktion in der SZ angekündigt. Siegens Bürgermeister Steffen Mues ist fassungslos angesichts der zerstörerischen Aktion unter dem Deckmantel der Kultur: „Spontan kann die Aktion ja nicht gewesen sein, wenn man eine Motorsäge dabei hatte.“
Die Polizei spricht von zwei Tatverdächtigen: einer 24-jährigen Frau und einem 29-jährigen Mann. Die Aktion sei als „Stadtführung“ angemeldet gewesen. Rund 20 Teilnehmer waren demzufolge mit von der Partie. Laut SZ-Informationen startete die Demo am Schleifmühlchen. Die Motorsäge wurde dann am Siegufer gezückt: Von einer „Baum-Opferung“ sei die Rede gewesen, bestätigt auch die Polizei. Die Aktivisten hätten auf den Missstand im Wald aufmerksam machen wollen, so Stefan Pusch, Sprecher der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Rodungen scheinen das Thema zu sein.

Danke für gar nichts

Fällung eines Baumes kam überraschend

Im Vorfeld des Events hatten die Veranstalter schon angekündigt, man müsse „auf abrupte Konvulsionen und Ausbrüche vorbereitet sein“. Geplant war ein prozessionsartiger Umzug durch Siegen. Die „Antuung“ solle „durch Mitmachen entstehen und durchlebt werden“, hatte Organisatorin Lena Hugger der SZ vorab verraten. Dass ein Baum mitten in der Stadt, am frühen Sommerabend und somit erwartungsgemäß unter den Augen vieler Passanten gefällt werden sollte – das kam überraschend.
Im Internet kursieren nun Fotos eines Flugblatts, das ganz offensichtlich in Zusammenhang mit der Siegener Aktion steht: „Diesen Baum werden wir uns feierlich nehmen, denn der Baumstumpf ist auch eine klaffende Wunde in allen Menschen“, ist darauf zu lesen. Es sei der Tag gekommen, an dem die fortschreitende Rationalisierung den Menschen in einen Zustand der Alternativlosigkeit versetzt habe. Der Mensch müsse aufhören, sich als „ein der Natur übergeordnetes Wesen zu begreifen“. Pandemie und Flutkatastrophen zeigten „nun auch dem westlichen Menschen einen Gegenentwurf der Natur als Feindin“. Man brauche eine neue Form der Bewusstwerdung. Man müsse den Menschen als erstes „die Bäume nehmen, die wir uns in die Architekturentwürfe unserer neuen Städte gezeichnet haben, um unser Gewissen auf dem Weg zur Arbeit ein wenig ruhig zu stellen“.
Durch „die Ermittlung des Kostbaren und seine gleichzeitige rituelle Vernichtung können wir wieder einen Bezug zum Größeren herstellen“. Ein Siegener „Manifest“ der besonderen Art. Der bekannte Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ ist nun jedenfalls um eine Klangfarbe reicher.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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