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Wo lebt es sich besser?
Stadt - Land - Flucht

Wo lebt es sich besser, auf dem Land oder in der Großstadt? Die Expertin sagt: Es kommt auf die Rahmenbedingungen an.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ap Siegen. Viele (junge) Menschen aus der Region ziehtes in größere Städte. Doch was treibt sie eigentlich aus ihren Heimatorten – und führt sie manchmal auch wieder in vertraute (Dorf-)Strukturen zurück? Die SZ hat eine Expertin zur aktuellen Entwicklung und zu Potenzialen in ländlichen Regionen befragt und mit zwei Freundinnen über ihre Eindrücke und Erlebnisse gesprochen.
Dr. Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur ist Expertin für regionale Entwicklung. Zieht es junge Leute vermehrt in die Städte oder „flüchten“ einige in die Dörfer (zurück)? Welche Auswirkungen hat das auf dörfliche Strukturen? Und welche Vorzüge oder Nachteile bieten die unterschiedlichen Wohnräume?
Enge soziale Netze vs.

ap Siegen. Viele (junge) Menschen aus der Region ziehtes in größere Städte. Doch was treibt sie eigentlich aus ihren Heimatorten – und führt sie manchmal auch wieder in vertraute (Dorf-)Strukturen zurück? Die SZ hat eine Expertin zur aktuellen Entwicklung und zu Potenzialen in ländlichen Regionen befragt und mit zwei Freundinnen über ihre Eindrücke und Erlebnisse gesprochen.
Dr. Stephanie Arens von der Südwestfalen Agentur ist Expertin für regionale Entwicklung. Zieht es junge Leute vermehrt in die Städte oder „flüchten“ einige in die Dörfer (zurück)? Welche Auswirkungen hat das auf dörfliche Strukturen? Und welche Vorzüge oder Nachteile bieten die unterschiedlichen Wohnräume?

Enge soziale Netze vs. Neues kennenlernen

"Viele junge Menschen verlassen die Region und ziehen in eine größere Stadt. Doch die Pandemie hat auch Vorzüge unserer Dörfer offenbart: Statt im achten Stock zu wohnen, tut es gut, in zwei Minuten zum Durchatmen im Wald zu sein. Aber: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Große Städte bieten mehr Möglichkeiten, um Neues kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Viele vermissen bedarfsgerechte Mobilitätsangebote. Die Folgen des Abwanderns sind bekannt: Fehlen junge Menschen, fehlt der Nachwuchs. Was Dörfer im Vergleich zu Städten bieten, sind enge soziale Netze. Über das Ehrenamt und das Vereinsleben werden gesamtgesellschaftliche Aufgaben übernommen, man kann aktiv an der Zukunft mitarbeiten und sieht, was man geschaffen hat. Das ist im besten Sinne nachhaltig und selbstwirksam – zwei Aspekte, die gerade bei jungen Menschen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Aber: Zukünftig müssen Dörfer für sich Chancen in der digitalen Transformation erkennen und Herausforderungen mithilfe von digitalen Möglichkeiten lösen."

Wald vor der Tür

Der Beton, die Schnelllebigkeit und die Anonymität führten Ann-Kathrin Mehlberg aus Bonn zurück ins Siegerland. „Hier muss ich nicht zwischen all den hohen Gebäuden und Mauern erst einmal den Ausweg ins Grüne finden. Der Wald liegt nämlich direkt vor meiner Tür“, sagt die Siegener Studentin mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht und fügt noch hinzu: „Hier habe ich aber nicht nur die schöne Natur, sondern auch meine Liebsten ganz nah um mich herum.“ Das Grüne und Familiäre habe die Stadt ihr nie geben können. Sowohl die Einführungssemester ihres Rechtswissenschaften-Studiums als auch der städtische Lebensstil waren der 24-Jährigen schlichtweg zu „menschenfern“. „In der Stadt grüßt man sich nicht einmal. Jeder läuft einfach aneinander vorbei“, erzählt Ann-Kathrin, „aber im Dorf, da kennt man seinen Nachbarn noch beim Namen.“ Man rücke deutlich näher zusammen – sei es über die Familie oder Freunde, mit denen man seit Kindheitstagen durch dick und dünn gegangen ist, oder über Vereine, wie den örtlichen Tennisverein, dem Ann-Kathrin seit nunmehr zwölf Jahren angehört. Um zumindest für ein paar Tage das zu erleben, was sie in der Stadt vergeblich suchte – Ruhe, Entschleunigung, Zusammenhalt und Vertrautheit – „flüchtete“ die Studentin fast jedes Wochenende aus dem städtischen Treiben ins beschauliche Kreuztal-Eichen – und kehrte nach nur zwei Semestern zurück nach Siegen. Rückblickend sagt Ann-Kathrin: „Es war nicht alles schlecht in der Stadt. Die Rheinländer waren wirklich herzlich, und auch die Altstadt hat mir von der Architektur und vom Flair wirklich gut gefallen. Aber letzten Endes wird es mich immer wieder in (m)ein Dorf ziehen, davon bin ich absolut überzeugt.“

Höhere Lebensqualität

Lisa Julie Kodsi ist in Siegen geboren und aufgewachsen. Schon während ihrer Jugendzeit hatte die 24-Jährige immer wieder das Verlangen, auszubrechen und etwas Neues zu erleben. Vor etwa einem Jahr dann die schicksalhafte Fügung: Ein Werksstudentenjobangebot in einer hippen Social-Media-Agentur, das sie hierzulande schon länger vergeblich suchte, sowie ein Wohnungsangebot zum Schnäppchenpreis führten Lisa Julie knapp 100 Kilometer entlang der Sieg in die Domstadt am Rhein. Nach mittlerweile zwölf Monaten in der 1,1-Millionen-Einwohner-Stadt zieht sie Bilanz und findet: „In Köln ist die Lebensqualität deutlich höher.“ Das liege insbesondere an den vielfältigen Freizeitangeboten. In Siegen hingegen gebe es nur wenige Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, findet die Bachelorstudentin. Coole Cafés, Restaurants oder Jobs in der Medienbranche seien in der Krönchenstadt sehr begrenzt. „Vom öffentlichen Nahverkehr will ich erst gar nicht anfangen“, schmunzelt Lisa. In Köln sei das alles ganz anders: Gute Anbindungen, aufregende „Spots“ und neue Menschen warten an jeder Ecke auf sie. Verstellen oder verbiegen lassen müsse man sich dort für nichts und niemanden, betont sie. „Egal was ich anziehe oder wie ich aussehe – keiner tuschelt hinter meinem Rücken. Auf dem Dorf war das immer ganz anders“, erinnert sich die Wahlrheinländerin und liefert auch gleich eine Erklärung mit: „In der Stadt kommt man mit so vielen unterschiedlichen Kulturen und Lebensformen in Berührung. Dadurch sind die Menschen einfach viel offener und gehen toleranter miteinander um als auf dem Land.“ Und es gibt noch etwas, das die 24-Jährige erst in der Stadt für sich entdeckt hat: „Ich liebe es, mal eben mit dem Fahrrad Brötchen holen zu können. In Siegen kommt man ohne E-Bike nicht weit.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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