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Vorbild Tulpenauktionen
Stadt Siegen lässt Fundsachen versteigern

Das gibt es nur im Gesamtpaket: 38 Schirme und fünf Gehhilfen. Startpreis bei der Siegener Fundsachen-Versteigerung: 45 Euro.
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  • Das gibt es nur im Gesamtpaket: 38 Schirme und fünf Gehhilfen. Startpreis bei der Siegener Fundsachen-Versteigerung: 45 Euro.
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ihm Siegen. „Jetzt muss ich deine Schmerzgrenze wissen“, sagt Horst Lichter mit strengem Augenaufschlag, wenn bei „Bares für Rares“ mal wieder Wunschpreis und Expertenwirklichkeit allzu weit auseinander liegen. Die „Schmerzgrenze“ ist im Fernsehen ein Mindestpreis, den der Verkäufer gerade noch akzeptieren würde. Bei der Fundsachenversteigerung der Stadt Siegen ist es genau anders herum: Die Schmerzgrenze ist der höchste Preis, den man zu zahlen bereit ist. Denn die Fundsachen werden sozusagen „rückwärts“ versteigert. Wie bei den Tulpenauktionen in Holland sinkt der Preis im Minutentakt. Wer im richtigen Moment auf „Artikel kaufen“ klickt, hat das gute Stück ergattert.
Einmal im Jahr kommen Fahrräder, Ringe, Handys und Schirme unter den virtuellen Hammer.

ihm Siegen. „Jetzt muss ich deine Schmerzgrenze wissen“, sagt Horst Lichter mit strengem Augenaufschlag, wenn bei „Bares für Rares“ mal wieder Wunschpreis und Expertenwirklichkeit allzu weit auseinander liegen. Die „Schmerzgrenze“ ist im Fernsehen ein Mindestpreis, den der Verkäufer gerade noch akzeptieren würde. Bei der Fundsachenversteigerung der Stadt Siegen ist es genau anders herum: Die Schmerzgrenze ist der höchste Preis, den man zu zahlen bereit ist. Denn die Fundsachen werden sozusagen „rückwärts“ versteigert. Wie bei den Tulpenauktionen in Holland sinkt der Preis im Minutentakt. Wer im richtigen Moment auf „Artikel kaufen“ klickt, hat das gute Stück ergattert.
Einmal im Jahr kommen Fahrräder, Ringe, Handys und Schirme unter den virtuellen Hammer. Was im Fundbüro des Siegener Ordnungsamts abgegeben wird, wartet ein halbes Jahr auf seinen rechtmäßigen Eigentümer. Danach geht es in die Auktion.

120 Fundsachen der Stadt Siegen unterm Hammer

Jetzt ist es wieder so weit: Seit vergangenem Donnerstag sind rund 120 Stücke aufgerufen. Eine Softwarefirma aus Schüttdorf organisiert die Siegener und viele andere kommunale Versteigerungen über die Seite sonderauktionen.net.
Neben der langen Reihe von Fahrrädern und einer Menge Smartphones gibt es Schirme, Uhren und Modeschmuck im Konvolut. Wer braucht wohl 38 Schirme und fünf Gehhilfen? Oder sechs Sonnen- und 68 Lesebrillen? Gehen solche Posten an Altenheime oder Krankenhäuser? Oder an Wiederverkäufer auf Ebay? Das Schirmsammelsurium startet bei 45 Euro, der Mindestpreis beträgt nur 1 Euro. Die Brillen kann man sich ebenfalls für 1 Euro schnappen, wenn niemand zuvor mehr bietet.

Goldring im Visier der SZ-Redaktion

Die SZ-Redaktion interessiert sich für zwei andere Artikel: eine schwarze Kompaktkamera und einen altmodisch aussehenden Goldring.

Unscharf von der Auktionsfirma fotografiert, aber Gold wert: der Ring, auf den es die redaktionelle Bieterin „Schnappschildkröte“ abgesehen hat.
  • Unscharf von der Auktionsfirma fotografiert, aber Gold wert: der Ring, auf den es die redaktionelle Bieterin „Schnappschildkröte“ abgesehen hat.
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Bevor es losgeht, muss man sich – kostenlos – anmelden. Unter dem Pseudonym „Schnappschildkröte“ stehen nun die beiden Fundsachen unter Beobachtung. Die Informationen über die Gegenstände sind übrigens mager. Über die Kamera heißt es nur, dass die Anschalttaste funktioniert, mehr ist nicht getestet worden. Und der Ring besteht aus 585er Gold und wiegt 6,5 Gramm. Der große Stein, mit dem er besetzt ist, wird in den Informationen gar nicht erwähnt, das unscharfe Foto bringt keinen Aufschluss. Da auch hier fragen nichts kostet, will Schnappschildkröte Näheres wissen: „Wie alt ist der Ring, und um was für einen Stein handelt es sich?“ Die Antwort kommt per Mail: „Das Alter des Rings lässt sich nicht ermitteln, da es sich um eine Fundsache handelt. Um welche Art von Stein es sich handelt, können wir ebenfalls nicht beurteilen. Wir überprüfen lediglich, ob es sich um Diamanten handelt oder nicht.“

Nach einem Tag ist noch alles offen

Der reine Goldpreis für den Ring würde etwa 300 Euro betragen. Das Startgebot liegt bei 420 Euro. Der festgelegte Mindestpreis: 170 Euro. Die Kamera beginnt bei 200 Euro, das Mindestgebot ist 1 Euro. Seit Donnerstag 19 Uhr stehen die beiden Objekte der Begierde unter Beobachtung. Alle paar Stunden der Blick auf die Internetseite: Hat schon jemand zugeschlagen? Gibt es bereits Gebote? Schnappschildkröte ist jedenfalls nicht allein. Die Kamera beobachten 37 Bieter, und einer hat sich bereits aus der Deckung gewagt: 55 Euro. Das bedeutet, wenn der Preis auf 55 Euro gefallen ist, bekommt er den Zuschlag. Es sei denn, ein anderer bietet in letzter Sekunde mehr.
Für den Ring interessieren sich 22 Beobachter. Einer von ihnen hat den Mindestpreis von 170 Euro geboten. Verkauft wird das gute Stück also auf jeden Fall.
Die Auktion läuft maximal zehn Tage. Der Preis sinkt je nach Artikel unterschiedlich schnell. Bei der Kamera alle 45 Sekunden um einen Cent, beim Ring alle 35 Sekunden.
Nach einem Tag ist noch alles offen. Erst eine Handvoll Artikel ist schon verkauft. Die Rallye wird wohl erst richtig losgehen, wenn der Mindestpreis in Sicht kommt. Die Stadtverwaltung kann jedenfalls entspannt zuschauen: Bei den Auktionen gehen regelmäßig fast alle Fundsachen über den Tresen. Die Online-Firma bekommt eine Provision, der Rest des Geldes fließt in die Stadtkasse.

Das gibt es nur im Gesamtpaket: 38 Schirme und fünf Gehhilfen. Startpreis bei der Siegener Fundsachen-Versteigerung: 45 Euro.
Unscharf von der Auktionsfirma fotografiert, aber Gold wert: der Ring, auf den es die redaktionelle Bieterin „Schnappschildkröte“ abgesehen hat.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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