„Städtebauliche und soziale Bedeutung“

Zur recht familiären offiziellen Eröffnung des „Lebendigen Hauses“ hatten der gleichnamige Verein und die Bewohner des Hauses am Wochenende eingeladen.  Foto : pebe
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pebe Siegen. Ambitioniert, bereichernd, zukunftsweisend – viel Lob gab es für den Verein „Lebendiges Haus“ und sein Wohnprojekt im früheren Christofferhaus an der Melanchthonstraße am Häusling. Dort leben 28 Erwachsene und 13 Kinder in einer Wohnanlage mit 21 Wohnungen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Das Besondere: Mehrere Generationen machen das 60 Meter lange Gebäude miteinander und in gegenseitiger Hilfeleistung lebendig (die SZ berichtete mehrfach). Möglich wurde diese Wohnform durch die Gründung einer eigenen Wohngenossenschaft, in die die Bewohner Anteile einbezahlen und an die Miete entrichtet wird. Am Samstag luden Vereinund Bewohner zur Einweihung des Hauses ein.

„Alle fühlen sich in die Aufgaben eingebunden“, erklärte Thomas Lahme, Bewohner und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Wohngenossenschaft, gegenüber der SZ. Neben den normalen individuellen Lebensvollzügen gebe es Termine für Gemeinschaftsaufgaben, regelmäßige Hausbesprechungen und einmal im Monat ein „Haustreffen“ für alle Bewohner. Sogar eine Kindergartengruppe gibt es im Haus. Auch ein soziales Eigenleben sei im Entstehen begriffen, so Lahme, es bilde sich ein Literaturkreis, Film- und Spielabende würden angeboten und angenommen. Wichtig sei, dass sich bei den Hilfeleistungen alle aufeinander verlassen könnten.

Eine „gelungene Projektidee“ nannte Siegens stellv. Bürgermeister Jens Kamieth das anthroposophisch inspirierte „Lebendige Haus“. Es sei „von städtebaulicher und sozialer Bedeutung“. Die Stadt unterstütze die Idee in einem Fall ganz konkret, indem das Sozialamt den Genossenschaftsanteil einer Bewohnerin übernommen habe. Lisa Hugger, von Anfang an als Projektleiterin dabei, bezeichnete die Wohnform als „einen wichtigen Baustein in der immer größer werdenden Bewegung von Menschen, die selbstbestimmt und miteinander leben wollen“.

Lob kam Horst Löwenberg, Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Kreis. Die Wohnform, von „Pioniergeist“ getragen, sei ein „sehr innovativer Ansatz für die Kommune“, die zugleich eine neue Antwort auf die Herausforderungen der Moderne versuche. Geografische, soziale und politische Mobilität führten mittlerweile zur Lockerung gesellschaftlicher Bindungen.

In dieser Situation stelle das „Lebendige Haus“ der bisherigen Familie das Konzept der „ideellen Familie“ gegenüber, deren verbindende Elemente die gemeinsame Interessenlage und ein gemeinsamer Wertekanon seien. Die genossenschaftliche Organisation nannte Löwenberg „geradezu revolutionär“. Allerdings wies er auch darauf hin, dass es nötig sein werde, durch Übernahme genossenschaftlicher Anteile auch für junge Menschen einen Anreiz zu schaffen, sich dem Projekt anzuschließen.Christoph Jaenicke, Vorstandsmitglied des unterstützenden Sozialwerks der anthroposophischen Christengemeinschaft und für den Umbau des Hauses verantwortlicher Architekt, erinnerte noch einmal an die Entstehung der Idee und des Hauses, vom ursprünglichen Abrissgedanken über die Anfänge der Planungen ab 2003 und die Zwischennutzung als Studentenwohnheim bis hin zum Umbau ab 2004.Auch Jaenicke betonte, dass es wichtig sei, „neue Wohnformen zu finden“, denn der Grad der Vereinzelung in der Gesellschaft nehme zu. Dies sei auch mit Blick auf die zunehmende Zahl alter Menschen zu reflektieren. Hier biete das „Lebendige Haus“ eine „beispielhafte Situation: Junge Menschen müssen Rücksichtnahme üben. Dadurch wird eine andere Integration der Alten möglich.“ In der Projektentwicklung sah Jaenicke die Arbeit mit einer „sozialen Dreigliederung“: In der Freiheit werde die Gestaltung des gemeinsamen Zieles möglich, Gleichheit könne durch die geeignete Rechtsform hergestellt werden, und die Brüderlichkeit zeige sich in Wegen der gemeinsamen Finanzierung.Nach dem „offiziellen“ Teil hatten Gäste und Bewohner Zeit genug, bei Spiel, Musik und Unterhaltung miteinander bei ins Gespräch zu kommen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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