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Weltvegantag
Starker Trend zum Veganismus

Es gibt gegenwärtig einen starken Trend zum Veganismus.
Die SZ hat mit Gastronomie, Einzelhandel, einem Experten und einem Veganer über Nachfrage, Mythen und Motive gesprochen.
  • Es gibt gegenwärtig einen starken Trend zum Veganismus.
    Die SZ hat mit Gastronomie, Einzelhandel, einem Experten und einem Veganer über Nachfrage, Mythen und Motive gesprochen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ap Siegen. Veganer stellen längst keine Subkultur oder Randgruppe mehr dar. Auf den Straßen demonstrieren sie gegen das Tierleid in zahlreichen Masthöfen und Schlachtanlagen, auf ihren Tellern landet alles außer tierische Produkte: keine Wurst, keine Eier, kein Käse und kein Honig.
Auch zahlreiche prominente Persönlichkeiten wie Leonardo DiCaprio, Bill Clinton oder Nena bekennen sich öffentlich zu einer rein pflanzlichen Lebensweise. In den Supermarktregalen werden massenweise (Ersatz-)Produkte angeboten – vom veganen Reibekäse übers fleischfreie Burger-Patty bis hin zu Milch aus Soja, Hafer oder Mandel.
Der Vegan-Trend ist heutzutage einfach nicht mehr wegzudenken. Er verändert sowohl unsere Wirtschaft als auch unsere Gesellschaft tiefgreifend und nachhaltig.

ap Siegen. Veganer stellen längst keine Subkultur oder Randgruppe mehr dar. Auf den Straßen demonstrieren sie gegen das Tierleid in zahlreichen Masthöfen und Schlachtanlagen, auf ihren Tellern landet alles außer tierische Produkte: keine Wurst, keine Eier, kein Käse und kein Honig.
Auch zahlreiche prominente Persönlichkeiten wie Leonardo DiCaprio, Bill Clinton oder Nena bekennen sich öffentlich zu einer rein pflanzlichen Lebensweise. In den Supermarktregalen werden massenweise (Ersatz-)Produkte angeboten – vom veganen Reibekäse übers fleischfreie Burger-Patty bis hin zu Milch aus Soja, Hafer oder Mandel.
Der Vegan-Trend ist heutzutage einfach nicht mehr wegzudenken. Er verändert sowohl unsere Wirtschaft als auch unsere Gesellschaft tiefgreifend und nachhaltig. Das Bewusstsein für die individuelle Gesundheit sowie die ethischen Aspekte und die ökologischen Folgen des Fleischkonsums wird immer stärker. Doch wieso verzehren wir nach wie vor solche enormen Mengen an Wurst, Geflügel, Kuhmilch und Co.? Wieso unterstützen wir Tag für Tag das, was einige Menschen als Raubbau an der Natur und der Tierwelt bezeichnen?
Diese Fragen lassen sich nicht so einfach beantworten. Aus welchen Gründen aber manche, wie auch Ulrich Bender aus Langenholdinghausen, seit vielen Jahren vegan leben und ob an den Ammenmärchen und Mythen rund um die tierleidfreie Ernährungsform etwas dran ist, hat die SZ anlässlich des Weltvegantages erfragt.

Für Ulrich Bender war die Umstellung ganz einfach

Ulrich Bender ist 66 Jahre alt und mit dem klassischen Sonntagsbraten aufgewachsen. Seine Ernährungskultur hat sich jedoch durch ein Schlüsselerlebnis von heute auf morgen komplett gewandelt.
Es war ein gewöhnlicher Tag vor 15 Jahren. Zu Essen gab es ein deftiges Schnitzel, nichts ungewöhnliches. Während Bender mit der linken Hand aß, kraulte seine rechte den Familienhund. „In dem Moment bemerkte ich, dass meine Hände etwas völlig Gegensätzliches machen“, erinnert er sich. Den Hund sanft streicheln und dabei ein Schwein essen? Das passte für Ulrich Bender plötzlich nicht mehr zusammen. „Ich habe mich selbst bei meiner Doppelmoral erwischt“, gibt er zu. „Da hat es einfach Klick gemacht in meinem Kopf.“ Ein wenig Angst vor der Umstellung habe er anfangs schongehabt, aber er beteuert: „Es war wirklich ganz einfach.“ Durch den Verzicht auf tierische Produkte habe sich vom einen auf den anderen Tag für ihn ein „Kosmos der Vielfalt“ erschlossen, von dem der Langenholdinghausener noch heute schwärmt. „Das Einzige, was ich an meiner Entscheidung wirklich bereue, ist, dass ich erst so spät Veganer geworden bin.“

Für Bender ist Veganismus mehr als nur (s)eine individuelle Entscheidung. „Unser Umgang mit den Tieren ist ein kardinaler Fehler und der Grund für den Klimakollaps und all die Pandemien“, sagt er besorgt, „oder haben Sie schon mal von Spargelwahnsinn oder Grünkohlgrippe gehört?“ Zu dieser Einsicht müsse aber jeder selbst kommen, findet er.
Die Hoffnung, dass sich auch bei seinen Mitmenschen irgendwann ein Schalter umlegt, habe er nie aufgegeben. Deshalb macht der Veganer aus Überzeugung mit seiner Kunst auf die Rechte der Tiere aufmerksam. Er publiziert Texte und Malereien, hat sogar ein Buch mit „Geschichten vom täglichen Vegansein“ veröffentlicht. „Meine Umstellung auf die vegane Lebenshaltung war nicht nur eine kulinarische und gesundheitliche Bereicherung. Ich habe meine Umstellung auch sehr intensiv als Befreiung erlebt“, resümiert er.

Ernährungsexperte Markus Keller klärt auf

Dr. Markus Keller ist einer der führenden wissenschaftlichen Experten im Bereich der fleischfreien Ernährung und wurde 2018 zum ersten Professor für vegane Ernährung berufen. Aktuell leitet er das Institut für alternative und nachhaltige Ernährung. Er widerlegt drei Mythen:

  • Mythos 1: Menschen sind von Natur aus Fleischfresser.

Von Natur aus würden wir auch nicht Auto fahren oder in einer Wohnung leben. Wir würden den ganzen Tag umherziehen, Wurzeln, Nüsse, Beeren und Aas sammeln und ab und zu auch Tiere jagen. Der Mensch hat in seiner Entwicklungsgeschichte immer das konsumiert, was seine Umwelt ihm angeboten hat. Er ist daher weder ein reiner Fleisch- noch ein Pflanzenfresser, sondern ein Allesesser. Außerdem hat das, was wir vor Hunderttausenden von Jahren gemacht haben, nichts mit den heutigen zivilisatorischen Gegebenheiten zu tun.

  • Mythos 2: Eine rein pflanzliche Ernährung macht krank.

Im Gegenteil: Veganer sind im Schnitt schlanker als Fleischesser und haben seltener Übergewicht. Dazu trägt die niedrigere Energiedichte der veganen Kost bei. Gleichzeitig enthält sie mehr Antioxidantien, Folsäure, Magnesium und Ballaststoffe, aber weniger Fett, vor allem weniger gesättigte Fettsäuren und kein Cholesterin. Der höhere Konsum gesundheitsfördernder pflanzlicher Lebensmittel führt außerdem dazu, dass Veganer seltener an Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und einzelnen Krebsarten erkranken als die fleischessende Bevölkerung. Aber es muss auf die Zufuhr kritischer Nährstoffe geachtet werden.

  • Mythos 3: Wer Tofu isst, zerstört Regenwald.

Über 90 Prozent der Sojabohnen gehen in die Tierfütterung. Nur ein kleiner Teil wird für Tofu, Tempeh oder Sojamilch weiterverarbeitet. Ein Kilogramm Geflügeldöner „enthält“ so pro Kilo fast fünfmal somit viel Soja wie ein Kilogramm fleischfreier Sojaburger. Jeder Fleischesser konsumiert also (indirekt) mehr Soja als ein Veganer. Hinzu kommt, dass Sojabohnen für deutschen Bio-Tofu inzwischen (fast) ausschließlich regional angebaut werden.

Rewe bemerkt deutliche Veränderung

„Grundsätzlich werden vegane Produkte immer mehr ein Thema“, so die Erfahrung des Inhabers Benni Mockenhaupt. „An dem Kaufverhalten unserer Kunden merkt man deutlich, dass der Trend hin zu einem gesunden Lebensstil geht“, das habe er in den vergangenen zwei Jahren deutlich beobachten können. Mittlerweile griffen viele nach fleischfreien Alternativprodukten namhafter Hersteller, um etwas Neues auszuprobieren. „Dass wir dafür einen festen Bereich haben, zeigt ja schon, wie gefragt die Ersatzprodukte bei uns sind“, so Mockenhaupt. Am besten liefen Sojagranulat, Veggy-Hack und Milchalternativen.

Gäste im Makrönchen von der fleischfreien Karte positiv überrascht

„Unsere vegetarischen und veganen Gerichte werden sehr gut angenommen“, sagt Christin Meyer. In dem Restaurant in der Siegener Oberstadt stehen selbstgemachte saisonale Speisen auf der Karte, es werden aber auch ausgefallene Kreationen wie ein Rote-Beete-Salat mit veganen Filetstreifen und Meerrettichsoße oder klassische Gerichte ohne Fleisch (z. B. ein Linseneintopf) angeboten. „Die Gäste sind von der fleischfreien Küche immer positiv überrascht – und das durch alle Altersklassen hinweg“, erklärt Meyer. Besonders beliebt sei der orientalische Teller mit Falafel, Gemüse-Wraps und Sesam-Soße.

Bei Picknicker fragen immer mehr Kunden nach Alternativen zur Milch

„Es fragen immer mehr Kunden nach Milchalternativen“, erzählt Silvia Rakic. „Ich habe den Eindruck, die Menschen setzen sich mittlerweile sehr bewusst damit auseinander, was die Milchindustrie mit unseren Tieren macht und wie sich der Konsum auf den Körper auswirkt“, sagt die Angestellte. Aber auch Nicht-Veganer würden gezielt nach den pflanzlichen Alternativen fragen. Denn auch geschmacklich komme die Pflanzenmilch bei allen Gästen sehr gut an. „Damit schmeckt der Kaffee gleich ganz anders“, erklärt Rakic. „Und wer freut sich hier bei uns im verregneten Siegerland nicht mal über eine exotische Kokosnote im Kaffee?“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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