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Kommunalwahl (mit Kommentar)
Steffen Mues in Siegen souverän wiedergewählt

Steffen Mues (CDU) bleibt Bürgermeister im Oberzentrum Siegen.

mir Siegen. Steffen Mues ist ein Mann mit Augenmaß. Selbst gegen 20 Uhr mochte er seinen nie gefährdeten Wahlsieg bewerten. Einziger Kurz-Kommentar: „Es sieht gut aus für mich.“ Schon zu der Zeit führt er unangefochten vor den vier übrigen Bürgermeister-Kandidaten, in keinem Bezirk landet er unter 55 Prozent.
Gegen 21 Uhr gibt es in den Reihen der CDU kein Halten mehr, die Fraktionsspitze um Rüdiger Heupel gratuliert dem alten und neuen Bürgermeister der Stadt Siegen mit einem Blumenstrauß. Zu dem Zeitpunkt ist auch Mues’ Familie längst präsent, alle strahlen unter ihren Masken um die Wette. Nur nach außen kommt keine richtige Euphorie auf, gestandene Unionspolitiker analysieren die Lage recht sachlich.

mir Siegen. Steffen Mues ist ein Mann mit Augenmaß. Selbst gegen 20 Uhr mochte er seinen nie gefährdeten Wahlsieg bewerten. Einziger Kurz-Kommentar: „Es sieht gut aus für mich.“ Schon zu der Zeit führt er unangefochten vor den vier übrigen Bürgermeister-Kandidaten, in keinem Bezirk landet er unter 55 Prozent.
Gegen 21 Uhr gibt es in den Reihen der CDU kein Halten mehr, die Fraktionsspitze um Rüdiger Heupel gratuliert dem alten und neuen Bürgermeister der Stadt Siegen mit einem Blumenstrauß. Zu dem Zeitpunkt ist auch Mues’ Familie längst präsent, alle strahlen unter ihren Masken um die Wette. Nur nach außen kommt keine richtige Euphorie auf, gestandene Unionspolitiker analysieren die Lage recht sachlich.
Erst als 105 von 107 Bezirken in Siegen ausgezählt sind, zieht Steffen Mues ein Fazit: „Von Anfang an hatte ich bei der Bürgermeisterwahl die Ahnung, dass es eng werden würde bis hin zu einer Stichwahl.“ Das nennt man Understatement. Erst in einem zweiten Atemzug gesteht Steffen Mues ein, dass die Wiederwahl mit 55 plus x eine „tolle Bestätigung meiner Arbeit in den vergangenen Jahren gewesen ist“. Die Pandemie rund um Corona habe das Resultat nicht sonderlich beeinflusst. Andererseits will er auch nicht ausschließen, dass er als Manager der Krise eine gute Figur gemacht und die Menschen das honoriert haben. „Aber nicht allein Corona ist entscheidend gewesen, die Wähler sehen die Dinge anders.“

Jamaika-Koalition in Siegen ist geplatzt

Im Wahlkampf hat er seinen eigenen Worten zufolge viel Zuspruch erhalten. Erstaunlicherweise ohne viel Kritik. Beschwerden habe es gegeben, zu 70 Prozent bezogen auf die Themen Verkehr, Mobilität, Rad- und Autofahren.

Kommentar: Der Favorit siegt Dass Steffen Mues aus dem Amt heraus erneut einen überzeugenden Sieg bei der Bürgermeisterwahl in der kleinen, grünen Großstadt einfahren würde, haben viele Siegener erwartet. Er hat viele große Projekte nicht nur angestoßen, er hat sie vollendet. Siehe Siegufer. Die Idee stammt von anderen, unter anderem von den Grünen um ihren Fraktionschef und BM-Mitbewerber Michael Groß. Letzterer hat damit keine Pluspunkte einsammeln können, wohl aber der Praktiker Mues. In vielen, vielen Baustellenrundgängen hat er die Menschen von seinem Tun überzeugt. Blickt man zurück auf die vergangenen Jahre, so fällt dem Beobachter kein Skandälchen auf, nirgends hat sich Mues schwach oder zögernd gezeigt, eine klare Kante gegen Umtriebe am äußersten rechten Rand zeigen sein profundes politisches Profil. Wenn man nicht wüsste, dass die CDU in Siegen-Wittgenstein auf Landesebene zwei direkt gewählte Abgeordnete hat und einen weiteren im Bundestag, könnte man die Erwartung äußern, Steffen Mues hat sich für höhere Aufgaben in einem der beiden Parlamente verdient gemacht. Zurück auf die Siegener Bühne, im Rat der Stadt Siegen muss sich der alte und neue Bürgermeister um eine neue Mehrheit bemühen. Die FDP schert aus, will mit der Jamaika-Koalition nichts mehr zu tun haben. Zu tief sitzt der Ärger über grüne Kröten, einige haben die Freidemokraten schlucken müssen. Beim Verkehr und bei der Wirtschaft überhaupt. Zu übermächtig haben sich die Grünen in dem Bündnis nach Ansicht der Liberalen in Szene gesetzt. Rein rechnerisch kämen CDU und SPD auf genügend Sitze für eine Mehrheit. Bisher war die SPD immer dann gut genug als Mehrheitsbeschaffer, wenn gerade die Grünen ausscherten. Pure Sympathie füreinander haben CDU und SPD bisher nicht gezeigt.

Äußerst zurückhaltend zeigt sich Mues zu den neuen Verhältnissen im Rat der Stadt Siegen. Eine Mehrheit von CDU und Grünen ist eventuell möglich, sollten Überhangmandate dazukommen. CDU und SPD könnte rechnerisch klappen, eine Aussage dazu machen wollte der neue Bürgermeister nicht.
Aus gutem Grund: FDP-Fraktionschef Klaus Volker Walter (zum vierten Mal Direktsieger in Gosenbach/Oberschelden) hat am Wahlabend beim Betreten der Siegerlandhalle eine kleine politische Handgranate gezündet: „Wir stehen für eine Neuauflage der Jamaika-Koalition nicht zur Verfügung.“ Im Saal ahnt das offenbar fast niemand. Gründe gibt es, vor allem mit den Aussagen der Grünen zu Wirtschaft und Mobilität sowie Ökologie sind die Liberalen nicht mehr einverstanden. Walter: „Wenn es sein muss, begeben wir uns in die Rolle der Opposition.“

Die Grünen haben sich mehr erhofft

Aus Sicht der SPD sieht vor Walters Vorpreschen alles sehr nüchtern aus: „Wir sind sicherlich nicht der erste Ansprechpartner für die CDU“, so Fraktionschef Detlef Rujanski. „Jamaika hat sich fünf Jahre ganz gut verkauft, die werden das wohl fortsetzen setzen.“ Eine Stunde später sieht man CDU und SPD beim Plauderstündchen am Rand der Halle. Direkt angesprochen auf die politische Zukunft im Rat, da mag Heupel nicht konkret werden. „Vielleicht reicht es ja für CDU und Grüne zu einer knappen Mehrheit.“
SPD-Bürgermeisterkandidat Ingmar Schiltz hat sein Erstziel erreicht, ein Direktmandat in Eiserfeld. Mit dem BM-Ergebnis hat er wohl gerechnet, richtig zufrieden sein kann er nicht. Offenkundig hat die SPD ihn ins Rennen geschickt, um einen soliden Neuaufbau für die nächste Kommunalwahl einzuleiten. Die Grünen haben sich mehr erwartet, Michael Groß hat das eingestanden: „Eigentlich wollte ich vor Ingmar Schiltz landen bei der Bürgermeisterwahl.“ Zu einer möglich Koalition sagt er am Abend nichts.

Melanie Becker (Linke) und Henning Zoz (AfD) waren nicht vor Ort

Als strahlender Sieger zeigt sich Günter Langer (UWG) in der Halle. 70 Prozent hat er geholt, sein Direktmandat am Fischbacherberg/Achenbach verteidigt. Und das bei dem juristischen Ärger um den Neuzuschnitt seines Wahlbezirks. Langer: „Ich sehe das als volle Bestätigung meiner politischen Arbeit an, das kann mir niemand nehmen.“ Da klingt einer richtig zufrieden.
Zwei Personen sind in der Siegerlandhalle nicht gesehen worden: Melanie Becker (Linke) und Henning Zoz (AfD), beide wollten Bürgermeister werden.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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