Steffen Ziegler: „Keltenkind“

Nach acht Jahren intensiven Arbeitens legt Steffen Ziegler seinen auf vier Bände angelegten Roman „Keltenkind“ vor. Die ersten beiden Teile gibt es - samt Hörspielfassung - jetzt schon, die Fortsetzung folgt im Frühjahr. Foto: ciu
  • Nach acht Jahren intensiven Arbeitens legt Steffen Ziegler seinen auf vier Bände angelegten Roman „Keltenkind“ vor. Die ersten beiden Teile gibt es - samt Hörspielfassung - jetzt schon, die Fortsetzung folgt im Frühjahr. Foto: ciu
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ciu -„Ein Buch fehlt (…) ein Buch über Liebe, nach der wir doch unentwegt streben.“ – Mit wohlgesetzten Worten beginnt der römische Schreiber, ein sprachgewandter, lebenskluger Mann, seine Erzählung, die mitten hinein führt in eine ebenso konfliktreiche wie historisch bedeutsame Epoche, in der sich Rom mit den Germanen misst – und letztlich (die Varus-Schlacht im Jahr 9 n. Chr. mag dafür stehen) unterliegt. In dieser Zeit spielt die Geschichte von Luna und Velent. Sie eine römische Waise, er ein junger Schmied, für den der sagenhafte Wieland Pate steht. Die beiden lernen sich als Kinder kennen, sind später einander leidenschaftlich zugeneigt. Doch das Leben treibt sie auseinander. Momenten des Glücks folgen solche voller Verlust, Trauer und Schmerz. Weil die Welt so ist, wie sie ist, aber auch weil Velent seine Freundschaft zum zornigen Swidger letztlich über die Liebe zu Luna stellt. „Wie konntest du nur?“, fragt die Frau in ihrem späten Brief. Erklären wird sich das Handeln ihres friedfertigen Geliebten im Rückblick. Und den leitet der Geschichtsschreiber ein, lenkt den Blick auf ein Dorf am Steinring „im Herzen Germaniens“. Hier wächst Velent in einer Gemeinschaft auf, in der die Menschen gut miteinander leben. Dann kommen Fremde dazu, plötzlich gibt es ein Wir und ein Ihr, was abgrenzt und ausgrenzt. Doch die Menschen zeigen Einsicht, wissend, dass genügend Platz für alle da ist. Und so werden Velent und Swidger Freunde, Freunde fürs Leben.

Wie dieses Leben spielt, auch mit diesen beiden, zu denen Luna als Dritte im Bunde auch zählt, das schildert Steffen Ziegler (50) in seiner auf vier Bände angelegten Saga „Keltenkind“. Die ersten beiden Teile sind gerade in einem Buch (Druck: Vorländer) zusammengefasst erschienen, die Fortsetzung, sie führt die Handlung noch näher ans Siegerland heran, soll im März 2019 herauskommen. Satte acht Jahre hat der Radio-Siegen-Moderator aus Herborn an diesem Roman gearbeitet, hat parallel eine Hörspielfassung geschrieben und plant nun, den Stoff auch für die Theaterbühne aufzubereiten. Stilistisch verschränkt er den reflektierenden Bericht des römischen Scriptors (im Hexameter-Versmaß) mit poetischen Passagen aus Lunas Brief und einem Prosatext, der stets dicht in bestimmte Schlüsselsituationen der Handlung hineinführt. Das macht dieses Buch, unabhängig vom fesselnden Plot, in seiner sprachlichen und kompositorischen Anlage interessant und auch stimmig. Die Entscheidung, den Erzähltext in Reimform zu gießen, traf Steffen Ziegler, wie er im SZ-Gespräch sagt, erst recht spät. „Die komplette Geschichte war nach fünf, sechs Jahren fertig.“ Doch dann habe er sich gefragt, wie das Ganze wohl ein römischer Schreiber formuliert hätte. Aus den Überlegungen wuchs eine Idee und eine Aufgabe. Knapp drei weitere Jahre brauchte es bei einer Text-Geschwindigkeit von vier Zeilen pro Stunde, um die Handlung hexametrisch voranzutreiben.

Den Anstoß, nach dem ersten Roman, „Die Blanken“ (2010), ein Kelten-Buch zu schreiben, gaben die Diskussion um den Fund eines vergoldeten Pferdekopfs 2009 in einem Acker bei Wetzlar und die sich daraus ergebende Frage nach einem in dieser Gegend entstandenen römischen Marktort an der Lahn. Dass diese Saga aus einer fernen Zeit solch kluge Bezüge zur Gegenwart hat, zumal in der Bewertung der Begegnung mit dem Anderen, Fremden, hat nicht ursächlich etwas mit dem Blick auf die sogenannte Flüchtlingskrise zu tun, da die Geschichte vor 2015/16 längst geschrieben war; es drückt vielmehr eine dem Nächsten zugewandte Haltung aus. Dass Ziegler „Keltenkind“ zugleich als Hörspiel vorlegt, wundert nicht. Dass er auch hier jede Menge Arbeit hineingepackt hat, nötigt Respekt ab. Wenn er sein Buch, das auch in den SZ-Geschäftsstellen verkauft wird, im Rahmen von Lesungen vorstellt, dann hat jede Veranstaltung einen anderen, auf den jeweiligen Ort bezogenen Charakter. Man wird sehen. Und hören.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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