„Steine statt Brot gegeben“

kh Siegen. Im Prozess um den Vorwurf der vielfachen Beihilfe zum Kreditbetrug (die SZ berichtete) trugen gestern Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers vor. Staatsanwalt Dr. Henry Roth wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass eine eventuelle Verurteilung wegen Bandenbetruges in Betracht komme. Der Angeklagte habe das Ziel vor Augen gehabt, Gelder der Kreditsuchenden in Form von Provisionen für vermittelte Verträge einzunehmen. So hätten er und zwei Kollegen auf die Geschädigten eingewirkt und sie dazu gebracht, Zahlungen zu leisten, obwohl diese selbst in einer schwierigen finanziellen Situation gewesen seien.

Roth bezeichnete die Vorgehensweise als „reine Hinhaltetaktik“ den Kunden gegenüber – obwohl das Einkommen der Kunden teilweise nicht den bestehenden Vorgaben entsprochen habe, seien diese angenommen worden. Die Geschädigten hätten sich in einer schwierigen Situation befunden und sich deshalb in der Hoffnung auf einen Kredit an den Kreditvermittler gewandt. Sie hätten jedoch keinen Kredit erhalten, sondern seien mit einem Fonds belastet worden – man habe ihnen „Steine statt Brot“ gegeben. Der Angeklagte dagegen habe mit der Provision seinen Lebensunterhalt finanziert.

Der Angeklagte habe sich schuldig gemacht. Strafschärfend wirke zudem, dass neben den 29 verhandelten Fällen insgesamt 523 Fälle in der Anklage enthalten seien, zudem sei der Angeklagte bereits vorbestraft und habe während der Begehung der Straftaten unter Bewährung gestanden. Negativ falle ins Gewicht, dass der Angeklagte nicht gestanden habe. Roth plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Verteidiger Hans Jürgen Kotz hingegen wies auf die schwierige finanzielle Situation des Angeklagten hin. Durch familiäre Probleme sei dieser selbst in eine problematische Situation geraten. Kotz plädierte für eine Freiheitsstrafe auf Bewährung, die zahlreichen weiteren Fälle seien seiner Ansicht nach nicht als strafschärfend zu werten.

Der Angeklagte betonte im letzten Wort, eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung stelle für ihn eine aussichtslose Situation dar, die Gerichtskosten seien zudem eine „empfindliche Strafe“. Die schwierige familiäre und finanzielle Situation in der Vergangenheit habe ihn sehr belastet, nun sei er jedoch glücklich verheiratet und renoviere ein Haus, um ein vernünftiges Leben führen zu können. Im Falle eines Urteils ohne Bewährung würde jedoch niemand mehr zu ihm halten. Er habe sich damals keine Gedanken bezüglich der Auswirkungen seines Handelns gemacht und bitte um eine letzte Chance. Das Urteil des Gerichts wird in der kommenden Woche erwartet.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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