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Kita-Alltag: Gemeinsam Neues entdecken, spielen und lernen. Der Verband Bildung und Erziehung findet, dass ein Betreuungsverhältnis bei über Dreijährigen von einer Erzieherin zu 7,5 Kindern ideal ist, für unter Dreijährige sollte es 1 zu 3 sein.  Archivfoto: wette
  • Kita-Alltag: Gemeinsam Neues entdecken, spielen und lernen. Der Verband Bildung und Erziehung findet, dass ein Betreuungsverhältnis bei über Dreijährigen von einer Erzieherin zu 7,5 Kindern ideal ist, für unter Dreijährige sollte es 1 zu 3 sein. Archivfoto: wette
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm  Jungen Eltern fällt ein Stein vom Herzen, wenn sie einen Kita-Platz für ihr ein-, zwei- oder dreijähriges Kind ergattert haben. Schwer genug ist das auch in Siegen-Wittgenstein, denn der Bedarf steigt, während das Angebot nur mühsam Schritt hält. Wenn Mama und Papa aber dann beim Rundgang durch die Kita mit dem Nachwuchs an der Hand gewahr werden, dass die Personaldecke in der Einrichtung offenkundig dünn ist, kommen Bedenken. Die SZ-Redaktion hört von Gruppen mit 20 Kindern zwischen zwei und sechs Jahren, in denen eine Erzieherin allein Dienst tut. Kann das sein? Tolerieren Träger das?

Nina Stahl, Geschäftsführerin der ev. Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen (EKiKS), hat im Augenblick 26 freie Stellen im Angebot. „Im Moment ist Hochkonjunktur, weil am 1. August zum neuen Kindergartenjahr zusätzliches Personal gebraucht wird.“ Im Schnitt hat sie das ganze Jahr über immer etwa zehn Stellen zu besetzen. Das klappt im Allgemeinen nach Wochen, manchmal dauert es auch drei Monate.

„In den städtischen Bereichen von Siegen oder Kreuztal ist es einfacher als in Wahlbach oder Wilden“, hat Nina Stahl festgestellt. Die Erzieherinnen schauen sehr genau auf die täglichen Fahrzeiten: „Das ist oft wichtiger als das pädagogische Konzept der betreffenden Einrichtung.“

Nina Stahl konkurriert bei der Nachfrage nach ausgebildeten Erzieherinnen mit anderen Trägern der Region: AWo, DRK, Katholische Kindertageseinrichtungen Siegerland-Südsauerland (KITS), Alternative Lebensräume, Stadt Kreuztal – das sind einige der Arbeitgeber, die ebenfalls händeringend suchen. Die Crux: Es werden zu wenig Erzieherinnen ausgebildet. Die 24 Männer und Frauen, die im August eine neue, praxisintegrierte Form der Ausbildung im Siegerland beginnen, können bei Weitem nicht alle Löcher stopfen, wenn sie in drei Jahren fertig sind.

Attraktiv ist der Erzieherberuf nach Ansicht von Nina Stahl mittlerweile durchaus. Die Einstiegsvergütung nach der Ausbildung liegt bei EKiKS bei rund 3000 Euro im Monat, mit der Berufserfahrung steige sie auf 3800 Euro ohne Leitungsfunktion. Der Satz lehne sich an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst an. Teilzeitmöglichkeiten sind in Hülle und Fülle vorhanden – ein wichtiges Argument für Frauen, die sich auch um die eigenen Kinder kümmern wollen. Die Teilzeitquote in den evangelischen Kindergärten: 62 Prozent.

650 Kräfte beschäftigt EKiKs in 45 Einrichtungen. Das Gerücht, dass die ev. Kirche nur befristet einstellt und diese befristeten Verträge immer wieder verlängert, stimme nicht, unterstreicht Nina Stahl. Einrichtungsleitung, Gruppenleitung und stellv. Gruppenleitung würden grundsätzlich unbefristet eingestellt. 81 Prozent der EKiKs-Mitarbeiter haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Bei den Ergänzungs- und Integrationskräften allerdings ermögliche die Befristung eine gewisse Flexibilität. Und die sei dringend vonnöten, denn das Personalmanagement gleicht einem Drahtseilakt. Da Erzieherin nach wie vor ein klassischer Frauenberuf ist – unter den 650 Mitarbeitern sind bei EKiKS zwölf Männer –, kommt die Botschaft „Ich bin schwanger!“ vergleichsweise häufig. Was für die Familie ein Grund zur Freude ist, zaubert Nina Stahl Sorgenfalten auf die Stirn: „Wenn dieser Satz fällt, folgt in der gleichen Sekunde das Beschäftigungsverbot.“ Und in 80 Prozent der Schwangerschaften bleibt es auch bis zur Geburt bestehen.

Hintergrund dieser Maßnahme: Die Infektionsgefahr im Kindergartenalltag ist hoch, und vor allem die „Zytomegalie“ ist für das Ungeborene hochgefährlich. Die Krankheit, die die Mütter häufig kaum bemerken und die höchstens leichte Grippesymptome hervorruft, kann das Kind im Mutterleib schwer schädigen – sogar ein Absterben ist möglich. Nina Stahl: „Wir schicken alle Schwangeren sofort zum Betriebsarzt,. dort wird der Immunstatus erhoben. In 80 Prozent der Fälle liegt keine ausreichende Immunisierung vor, die Frauen dürfen nicht mehr im Kindergarten arbeiten.“

Dann ist schneller Ersatz vonnöten. Als großer Träger kann EkIKS mit einem Springerpool aufwarten. Vier Erzieherinnen sind auf 2,5 Stellen fest als Springerinnen beschäftigt. Dazu kommen die Anerkennungspraktikantinnen, die ebenfalls zunächst als Springerinnen eingestellt werden, wenn gerade keine passende Planstelle frei ist. „Im Laufe des Kindergartenjahres aber werden sie auf feste Stellen verteilt, sodass im Sommer der Springerpool meist nicht mehr so gut gefüllt ist wie im Herbst“, umreißt Nina Stahl die Personalstrategie.

Kommt es vor, dass eine Erzieherin mit einer 20-köpfigen Kindergruppe allein ist? Nina Stahl schüttelt den Kopf. Planmäßig gebe es eine solche Situation bei EKiKS auf keinen Fall. Bei plötzlicher Krankheit in der Kita aber könne es natürlich zum Engpass kommen. Dann müsse schon einmal innerhalb der Kita umorganisiert werden, damit die Aufsichtspflicht auf jeden Fall stets gewährleistet sei.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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