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Kirchen verzeichnen weniger Kollekten
Stille im Klingelbeutel

In Zeiten der Online-Gottesdienste machten die Klingelbeutel nur digital die „Runde“, und auch jetzt füllen sie sich vergleichsweise wenig - weniger Besucher, weniger Kollekten. Dabei sind diese eine wichtige Einnahmequelle für die Kirchen
  • In Zeiten der Online-Gottesdienste machten die Klingelbeutel nur digital die „Runde“, und auch jetzt füllen sie sich vergleichsweise wenig - weniger Besucher, weniger Kollekten. Dabei sind diese eine wichtige Einnahmequelle für die Kirchen
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nja Siegen/Bad Berleburg. Ganz zaghaft ist es allmählich wieder zu hören, das Klingeln im Beutel. Seit Mitte März waren Präsenzgottesdienste dem Coronavirus zum Opfer gefallen – und wer bei sich daheim sonntagsmorgens der Online-Predigt lauschte, bei dem kam nie besagter Klingelbeutel vorbei, in dem die Kollekte normalerweise immer landet. Seit Anfang Mai nun können sich die Christen wieder zum Lobpreis Gottes in den Kirchen treffen. Abstands- und Hygieneregeln halten den Kreis aber meist noch sehr überschaubar. Wie wirkt sich dies alles auf die Kollekten aus? ,
Weniger Menschen in den Gottesdiensten„Natürlich sind die Zahlen deutlich eingebrochen“, bestätigt der ev. Kirchenkreis Siegen die Anfrage.

nja Siegen/Bad Berleburg. Ganz zaghaft ist es allmählich wieder zu hören, das Klingeln im Beutel. Seit Mitte März waren Präsenzgottesdienste dem Coronavirus zum Opfer gefallen – und wer bei sich daheim sonntagsmorgens der Online-Predigt lauschte, bei dem kam nie besagter Klingelbeutel vorbei, in dem die Kollekte normalerweise immer landet. Seit Anfang Mai nun können sich die Christen wieder zum Lobpreis Gottes in den Kirchen treffen. Abstands- und Hygieneregeln halten den Kreis aber meist noch sehr überschaubar. Wie wirkt sich dies alles auf die Kollekten aus? ,

Weniger Menschen in den Gottesdiensten

„Natürlich sind die Zahlen deutlich eingebrochen“, bestätigt der ev. Kirchenkreis Siegen die Anfrage. Die Nikolaikirche hat rund 800 Sitzplätze, derzeit dürfen bis zu 70 Menschen den Gottesdienst besuchen. Vielerorts zeige sich zudem, dass derzeit eher weniger Menschen den Gottesdienst besuchen, als maximal möglich wäre.

Kollekte überweisen

Aber: In Online-Gottesdiensten hätten Gemeinden auch für das Überweisen von Kollekten geworben. Ein Beispiel: „Die Kollekte am Ostersonntag war im ev. Kirchenkreis Siegen für die Wohnungslosenhilfe und die Schuldnerberatung der Diakonie in Südwestfalen bestimmt. In seiner Online-Andacht hat der Kirchenkreis die Bankverbindungen eingeblendet.“ Das Ergebnis ist überschaubar: Laut Diakonie in Südwestfalen gingen 210 Euro für den Tagesaufenthalt der Wohnungslosenhilfe und 5 Euro für die Schuldnerberatung ein. Die Einzelspende einer Firma von 2000 Euro für das Café Patchwork hellte das Resultat auf.

Körbchen am Ausgang

Stichwort „digitaler Klingelbeutel“: Einige Gemeinden verwiesen in ihren Online-Gottesdiensten auch auf die Online-Kollekte, die die westfälische Landeskirche eingerichtet hat – www.kollekte-online.de. Nun, da Präsenzgottesdienste wieder stattfinden, wird in allen Kirchen aus Gründen des Infektionsschutzes auf den reihum gehenden Klingelbeutel verzichtet. Am Ausgang stehen stattdessen Körbchen bereit. Was darin landet, wird derzeit gleichermaßen für den Kollektenzweck und die diakonischen Aufgaben in der Gemeinde verwendet (siehe gesonderten Infokasten).

Nicht mal die Hälfte gesammelt

Pfarrer Thies Friederichs von der ev. Kirchengemeinde Kreuztal gewährt beispielhaft Einblick in den „Kassensturz“: Im Mai 2019 ergab die Ausgangskollekte in der Kirchengemeinde 1030,30 Euro, hinzu kamen 1035,80 Euro im Klingelbeutel (ergibt rund 2066 Euro). An den jüngsten vier Gottesdienstsonntagen hingegen landeten 870,48 Euro im Körbchen.

Hohe Spendenbereitschaft

Pfarrer Thomas Weiß aus Dreis-Tiefenbach berichtet, dass an den ersten beiden Sonntagen, an denen wieder Gottesdienste angeboten wurden, in der Kollekte der gespendete Betrag pro Person deutlich höher ausfiel als normalerweise. Pfarrer Martin Schreiber aus Neunkirchen erzählt von einer sehr hohen Spendenbereitschaft während der Coronazeit bei der konkreten Kollekte für die vom Presbyterium vorgeschlagene Anschaffung von zusätzlicher Videotechnik für Gottesdienst-Livestreams. Statt der benötigten 2800 Euro kamen 5800 Euro zusammen.

Unterstützung konkreter Projekte

Der ev. Kirchenkreis Wittgenstein plant, ein Spendenportal seiner Hausbank Kirche und Diakonie zu nutzen, teilt Superintendent Stefan Berk mit. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Auch in Wittgenstein sei das Kollektenaufkommen eingebrochen. Mit Hilfe des Spendenportals sollen konkrete Projekte unterstützt werden – zwei Empfänger zum Einstieg stehen schon fest: die „Young Ambassadors“, jenes Austauschprogramm mit den USA, und der Partnerkirchenkreis Ngerengere in Tansania. Letzterer sei dringend auf Hilfe angewiesen: „Die Schulen sind wegen Corona zu, die Infrastruktur ist am Boden. Wir möchten unsere Partner mit einer Lebensmittelhilfe unterstützen und Schulbücher für die Kinder spenden.“

"Wir zehren von den Rücklagen"

Wie sieht es in der katholischen Kirche aus? Auch hier werden die Kollekten etlicher Sonntage für eigene Zwecke vor Ort verwendet. Darauf, so Dechant Karl-Hans Köhle, Leitender Pfarrer des pastoralen Raums Siegen/Freudenberg, habe man während des Gottesdienstverbots verzichten müssen: „Wir zehren von den Rücklagen.“ Ein alternatives Modell gab es aber z. B. Ende März, als der 23. Solidaritätsmarsch dem Virus zum Opfer fiel. Der Erlös sollte in den Kongo fließen. Die Organisatoren – Eine-Welt-Kreis und Pfarrgemeinderat – rührten alle denkbaren Trommeln: So kamen dennoch rund 15 000 Euro zusammen – laut Köhle die höchste Summe bislang. Das Motto des Marsches wurde erfüllt: „Solidarität geht!“
Für Freitag, 26. Juni, 18.30 bis 20.30 Uhr, ist im Dekanat Siegen die Corona-Ausgabe der Jugendaktion „Nightfever“ geplant. Das Event findet in der Siegener Marienkirche statt und ist über Youtube zu sehen. Dechant Köhle: „Wir haben unsere Gemeinden um eine Sonderkollekte für die Übertragung gebeten.“

Die Kollekten Die Kollekte, die in den ev. Kirchengemeinden in der Regel während des Gottesdienstes gesammelt wird („Klingelbeutel“), ist immer für die diakonische Arbeit der Kirchengemeinde bestimmt. Die Ausgangskollekte wird zum überwiegenden Teil für das gesamte Jahr von der Landeskirche vorgegeben. An zwölf Sonntagen im Jahr, also einmal im Monat, bestimmen die Presbyterien selbst über den Zweck, an vier Sonntagen die Leitung des Kirchenkreises. Unter der Überschrift „der digitale Klingelbeutel“ hat die westfälische Landeskirche eine Online-Kollekte eingeführt. Das Erzbistum Paderborn erstellt für die kath. Kirchengemeinden einen Jahresplan, der vorgibt, für welche Zwecke die Kollekte welchen Gottesdienstes verwendet wird. Die Pfarrer können an anderen Feiertagen die Verwendung der Kollekte für einen kirchlichen oder caritativen Zweck in der eigenen Pfarrgemeinde bestimmen. Die Zahl der Überweisungen aus den Kirchengemeinden ist stark zurückgegangen, teilt Paderborn mit: von 7459 Kollektenzahlungen 2019 auf 5750 in diesem Jahr (jeweils Januar bis Mai). Auch die Summe sei rückläufig: von 1 019 966 auf 539 688 Euro.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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