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Frauen-Duo führt Beerdigungen durch
Stille Revolution in der kath. Kirche

In hellen Gewändern treten Irmtrud von Plettenberg (l.) und Constanze Deppe-Habscheid vor die Trauergemeinde. Mit einem Wortgottesdienst verabschieden sie den Verstorbenen in der Kirche oder in der Trauerhalle und geleiten Sarg oder Urne zum Grab.  Foto: ihm
  • In hellen Gewändern treten Irmtrud von Plettenberg (l.) und Constanze Deppe-Habscheid vor die Trauergemeinde. Mit einem Wortgottesdienst verabschieden sie den Verstorbenen in der Kirche oder in der Trauerhalle und geleiten Sarg oder Urne zum Grab. Foto: ihm
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm Siegen/Weidenau. Das Tabu ist eigentlich schon vor 14 Jahren gefallen. 2006 hat Erzbischof Hans-Josef Becker die „Ordnung zur Beauftragung von Laien zum Begräbnisdienst“ veröffentlicht. Seitdem dürfen Nichtgeweihte die Begräbnisfeiern leiten und katholische Christen beerdigen. In den Gemeinden der Pfarrer Heilige Familie (Weidenau/Geisweid) sind es seit Kurzem zwei Frauen, die vom Bischof mit diesem Dienst beauftragt wurden: Irmtrud von Plettenberg und Constanze Deppe-Habscheid.

Begräbnisfeier kein Sakrament

Die erste Reaktion von Menschen, die in theologischen Fragen nicht ganz sattelfest sind, ist häufig: „Aber das ist doch ein Sakrament, das dürfen doch nur Priester!“ Pfarrer Karl-Hans-Köhle schüttelt den Kopf: „Die Begräbnisfeier ist kein Sakrament.

ihm Siegen/Weidenau. Das Tabu ist eigentlich schon vor 14 Jahren gefallen. 2006 hat Erzbischof Hans-Josef Becker die „Ordnung zur Beauftragung von Laien zum Begräbnisdienst“ veröffentlicht. Seitdem dürfen Nichtgeweihte die Begräbnisfeiern leiten und katholische Christen beerdigen. In den Gemeinden der Pfarrer Heilige Familie (Weidenau/Geisweid) sind es seit Kurzem zwei Frauen, die vom Bischof mit diesem Dienst beauftragt wurden: Irmtrud von Plettenberg und Constanze Deppe-Habscheid.

Begräbnisfeier kein Sakrament

Die erste Reaktion von Menschen, die in theologischen Fragen nicht ganz sattelfest sind, ist häufig: „Aber das ist doch ein Sakrament, das dürfen doch nur Priester!“ Pfarrer Karl-Hans-Köhle schüttelt den Kopf: „Die Begräbnisfeier ist kein Sakrament.“ Unter Sterbesakrament verstehe man vielmehr die Krankensalbung, früher auch „letzte Ölung“ genannt. Die Salbung, die eigentlich zur Aufrichtung und Stärkung der Kranken gedacht ist, sei nach wie vor dem Priester vorbehalten.

Priestermangel

Aber an Priestern herrscht Mangel. Sie schaffen es einfach nicht mehr, alle Dienste in den immer größeren Gemeinden zu versehen. Das meint Bischof Becker, wenn er von „pastoraler Notwendigkeit“ für den Laiendienst am Grabe spricht.

Werk der Barmherzigkeit

Die Toten zu begraben zählt zu den sieben Werken der Barmherzigkeit, die den Christen aufgegeben sind. Für Irmtrud von Plettenberg und Constanze Deppe-Habscheid ist die Beschäftigung mit Krankheit und Tod ohnehin Teil ihrer beruflichen Tätigkeit. Irmtrud von Plettenberg leitet das geistliche Zentrum Franziskus auf der Eremitage und ist künftig zuständig für die Trauerpastoral in der Kolumbariumskirche Heilig Kreuz. Constanze Deppe-Habscheid ist Krankenhaus-Seelsorgerin am Kreisklinikum und Gemeindereferentin. Beide Frauen sind ausgebildete Religionspädagoginnen.

Mit der Trauer leben

Während Constanze Deppe-Habscheid in den letzten Wochen sechs oder sieben Begräbnisse in der Pfarrei geleitet hat, blickt Irmtrud von Plettenberg schon auf rund 150 Bestattungen in ihrem früheren Wirkungskreis im Sauerland zurück, Wichtig ist ihr, die Angehörigen auch nach der Trauerfeier zu begleiten. Mit der Trauer leben – das müssen alle, die einen lieben Menschen verloren haben. „Oft ist es nach einem halben oder einem Jahr so, dass ganz großer Bedarf an Begleitung besteht“, berichtet Irmtrud von Plettenberg aus ihrer Erfahrung. Dann sind Freunde, Nachbarn und die weitere Familie immer weniger offen dafür, über die Trauer und den Verlust zu sprechen. Aber der oder die Trauernde kommt nicht aus eigener Kraft heraus auf dem tiefen seelischen Loch. Trauercafés und Trauergruppen seien dann hilfreich.

Können sich Familien aussuchen, ob der Priester oder eine der beiden beauftragten Frauen zur Beerdigung kommt? Auf jeden Fall kann man Wünsche äußern – und aufgezwungen bekommt niemand eine bestimmte Person.

Nur Wortgottesdienst, keine Messe

Eine Totenmesse, das sogenannte Requiem, aber kann nur der Priester halten. Die Laien gestalten einen Wortgottesdienst zum Begräbnis. Es gibt keine Eucharistie, es klingelt kein Glöckchen zur Wandlung. Aber Weihwasser – als Erinnerung an die Taufe und als Sinnbild der Hoffnung auf die Auferstehung – haben auch die Frauen dabei, wenn sie den Sarg zum Grab begleiten.

Drückt es einen nicht nieder, sich so viel mit dem Leid, dem Sterben und der Trauer zu beschäftigen? Den Eindruck hat man nicht, wenn man mit den beiden Frauen spricht. Da wird viel gelacht, und der Pfarrer lacht entspannt mit. Ein gutes Einvernehmen herrscht zwischen den dreien. Contanze Deppe-Habscheid hat ein Ritual: „Was mir nahegeht, was ich an mich heranlasse, das gebe ich dann auch wieder ab, indem ich eine Kerze in der Kirche anzünde. Das hilft mir.“ Für Irmtrud von Plettenberg ist das Gebet die große Hilfe, denn hier wird sie von Gott gestützt.

Glaube an die Auferstehung

Dass beide den festen Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben haben, spielt im Angesicht des Todes eine wichtige Rolle. Hier sind die Menschen, ob tiefgläubig oder eher glaubensfern, auf sich selbst zurückgeworfen. Am offenen Grab kann man der Frage nach den letzten Dingen nicht mehr ausweichen. Für die beiden Frauen eine Chance, die Herzen von Gläubigen, Zweiflern und Skeptikern zu erreichen und im christlichen Ritus Trost und Hoffnung lebendig werden zu lassen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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