Neue Ära der Gefäßchirurgie
"Stilling" setzt Implantat am Aortenbogen ein

Im Hybrid-OP-Saal: Dr. Ahmed Koshty (links) und sein Team bringen ein neuartiges Implantat am Aortenbogen eines Patienten ein.
  • Im Hybrid-OP-Saal: Dr. Ahmed Koshty (links) und sein Team bringen ein neuartiges Implantat am Aortenbogen eines Patienten ein.
  • Foto: Diakonie
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sz Siegen. Am Diakonie-Klinikum Jung-Stilling in Siegen wird eine neue Ära in der Gefäßchirurgie eingeläutet: Das Team um Chefarzt Dr. Ahmed Koshty operiert Aneurysmen des Aortenbogens mit einem neuartigen Implantat. In ganz Deutschland gibt es nur eine Handvoll Kliniken, die in der Lage sind, dieses Verfahren anzuwenden. Treten bei einem Patienten krankhafte Aussackungen an einer Schlagader auf, spricht der Mediziner von einem Aneurysma. Ein solches kann sich grundsätzlich an jeder Arterie ausbilden, kommt allerdings hauptsächlich im Bauchraum oder an der Hauptschlagader vor.

Droht ein Aneurysma zu platzen, ist Eile geboten – und medizinische Kompetenz gefragt. So, wie am Diakonie-Klinikum Jung-Stilling in Siegen. Mit einem modernen Verfahren gelingt es nun dem Team um Dr. Ahmed Koshty, Chefarzt der Gefäßchirurgie, Aneurysmen der Aorta rund um die Uhr zu versorgen – auch am Aortenbogen, dem Abschnitt der Hauptschlagader, der sich in unmittelbarer Nähe zum Herzen befindet. Möglich macht dies ein neuartiges, erst vor wenigen Wochen in der EU zertifiziertes Implantat, das in nur vier deutschen Kliniken zum Einsatz kommt, eine davon ist das „Stilling“.

Keine "offene" OP mehr nötig

Mit dem modernen Implantat wird laut Dr. Koshty eine neue Ära der Gefäßchirurgie eingeläutet. Operabel sind Aortenbogenaneurysmen schon länger: „Allerdings mit viel mehr Risiken für den Patienten“, so der Chefarzt. Liegt solch eine Aussackung vor, wurden Patienten bislang „offen“ operiert, der Brustkorb wurde geöffnet und der Patient über eine Herz-Lungen-Maschine versorgt. „Dabei ist das Risiko für einen Herzstillstand oder einen Schlaganfall sehr hoch“, schlüsselt Dr. Koshty auf.

Mit dem neuen Verfahren, das außer ihm nur eine Handvoll Kollegen in Deutschland praktizieren, sind lediglich zwei kleine Stiche in Leiste und Arm des Patienten nötig, um das Implantat anzubringen. „Prothesen in unterschiedlichen Größen haben wir für die Aortenbogen-OP vorrätig. Damit ist es uns möglich, Patienten rund um die Uhr zu versorgen, wenn es nötig ist“, so Dr. Koshty. Auch das war in der Vergangenheit anders. Implantate wurden für jeden Patienten nach Maß angefertigt. Dies dauerte ein paar Wochen: „Zeit, die einige Patienten nicht haben“, so der Chefarzt.

Viele Leben können gerettet werden

Aneurysmen der Aorta machen zumeist nämlich keine Beschwerden. Dr. Koshty: „Sie werden eigentlich nur zufällig entdeckt, etwa wenn der Patient aufgrund einer Lungenerkrankung geröntgt wird.“ Das neue Verfahren, bei dem Dr. Koshty eng mit der israelischen Firma Endospan zusammen arbeitet, werde in den Händen geübter Chirurgen viele Leben retten. Die erste OP mit dem neuen Implantat lief im Jung-Stilling-Krankenhaus reibungslos ab. Der Patient überstand den Eingriff gut, am Abend nahm er wieder ein Essen zu sich und konnte am Folgetag von der Intensiv- auf die normale Station wechseln. Rund acht Tage lang wird er zur Überwachung im Klinikum bleiben.

Auch das ist ein großer Fortschritt, so Dr. Koshty: „Nach einer offenen Operation liegt die mittlere Verweildauer bei 20 Tagen – und das allein auf der Intensivstation.“

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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