Stones-Show als Silvester-Knaller

 Die „Queen“ befand: „It’s Only Rock ’N’  Roll, But I Like It!“ Fotos: bö

- Willkommen in  Voodoo‘s Lounge! Die Begrüßung ist standesgemäß: „Jumpin‘ Jack Flash“ kracht aus den Boxen. Geboren im Jahr 1968 im „Crossfired Hurricane“ ist er die Ouvertüre zur wohl kreativsten und musikalisch aufregendsten Phase in der über 50-jährigen Geschichte der Rolling Stones. „Bewaffnet“ mit einem der besten Keith-Richards-Riffs überhaupt und immer noch vor roher Kraft strotzend. Und der Song hat diesen Rhythmus, der sich über die Jahrzehnte in so viele Gehörgänge rund um den Globus gefräst hat. Zugegeben, es mag musikalisch kompetentere Formationen (obwohl sie gerade mit Mick Taylor als zweitem Gitarristen tolle Arbeit geleistet haben) geben, aber Gummilippe Jagger und Richards, gerne auch die „Glimmer-Twins“ genannt, Drummer Charlie Watts, Ronnie Wood, der anfangs stilprägende Brian Jones (1969 im Pool ertrunken) sowie die ausgeschiedenen Bill Wyman (Bass) und Mick Taylor, so drückte es einmal ein großer deutscher Kritiker aus, „überführten die Zeitstimmung in Musik“.

Für manche Menschen liefer(te)n die Stones den lebenslangen Soundtrack, für andere markieren bestimmte Songs entscheidende Momente auf dem eigenen Weg durch die Welt. Genau dies brachte in den besten Momenten, davon gab es viele, die Stones-Show des Westfälischen Landestheaters aus Castrop-Rauxel am Silvesterabend im Siegener Apollo-Theater rüber. Unter dem Motto „Let’s Spend The Night Together“ konnte man sich um 19 Uhr vom alten Jahr verabschieden oder ab 22 Uhr 2015 willkommen heißen. In der 19-Uhr-Performance, Jagger nannte in der Steinzeit, als die Stones zweimal am Abend ran mussten, den ersten Auftritt gerne die „Morning Show“, war die Stimmung trotz einer Handvoll freier Plätze (die Evening Show“ war ausverkauft) richtig gut. Sie wurde, wie das bei einem Rockkonzert sein muss, immer besser und kulminierte im Finale mit „Brown Sugar“ und „You Can’t Always Get What You Want“. Das Siegerland ist halt eine sangesfreudige Region. Dass dieser Jahresabschluss-Abend im Apollo so viel Spaß gemacht hat, lag an der kompetenten Combo und einem sehr organisch agierenden Ensemble, das, angeführt von Tankred Schleinschock (Inszenierung, musikalische Gesamtleitung), bestens ausgeleuchtet und nett kostümiert, große Spielfreude an den Tag legte.

In vielen kleinen Szenen, die sich um das aus Songs geschmiedete Gerüst rankten, erzählten Menschen von ihren Begegnungen mit den Stones, von den Auseinandersetzungen mit den Eltern oder von Menschen, die ihr ganzes Wohnzimmer mit Konzertkarten tapeziert hatten. Und sogar die Queen tauchte auf, für die der kleine Keith einst als Chorknabe in der großen Kathedrale gesungen haben soll. Ob’s stimmt oder gut erfunden ist, juckt niemanden mehr. Klasse Geschichte – oder? Erfreulicherweise verzichtet die Inszenierung auf die üblichen Sex- und Drogen-Klischees, die ja zur Genüge durchgehechelt worden sind. Stattdessen setzt sie auf die Kraft der Musik, auf „Gimme Shelter“ , „Beast Of Burden“, die Richards-Erkennungsmelodie „Happy“ oder „Start Me Up“.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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