Real-Mitarbeiter demonstrieren in Düsseldorf vor der Metro-Hauptversammlung
Streik: Angst um den Supermarkt-Standort Siegen

Man habe ja schon viel durchgemacht, sei von Unternehmensgruppe zu Unternehmensgruppe durchgereicht worden. Aber diesmal wisse die Arbeitnehmervertretung von nichts, „wir harren der Dinge“, räumte der Betriebsrat der Real-Filiale an der Eiserfelder-Straße ein.
  • Man habe ja schon viel durchgemacht, sei von Unternehmensgruppe zu Unternehmensgruppe durchgereicht worden. Aber diesmal wisse die Arbeitnehmervertretung von nichts, „wir harren der Dinge“, räumte der Betriebsrat der Real-Filiale an der Eiserfelder-Straße ein.
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  • hochgeladen von Christian Hoffmann (Redakteur)

ch Siegen/Düsseldorf. Viele Real-Beschäftigte und die Gewerkschaft Verdi klammern sich derzeit an jeden Strohhalm. Es geht um Jobs, es geht um Existenzen. So verschaffen sich rund 1000 Frauen und Männer - darunter ein Trupp aus Siegen - am Freitagmorgen in Düsseldorf mit Trillerpfeifen, Trommeln und Tröten Gehör. Sie wollen mit Blick auf den Verkauf der Real-Supermärkte  und der drohenden Zerschlagung der Kette ihren Unmut jedem Vertreter der Metro-Aktionärsversammlung, die um 10 Uhr beginnt, mit auf den Weg geben. Und sie wollen wissen wie es weitergeht, welche Standorte verkauft, welche geschlossen werden!

Verkauf an Konsortium beschlossene Sache

Was die Demonstranten wissen: Der Kaufvertrag für Real ist unterschriftsreif, aber noch nicht unterzeichnet. Die Füllfederhalter liegen bereit, an diesem Freitag wird die Metro AG bei ihrer Hauptversammlung den Griff zum Schreibgerät beschließen. Mutmaßlich. Nach dem Verkauf der Supermarktkette durch den Handelskonzern droht dann der Supermarktkette die Zerlegung. Tausende fürchten um ihre Jobs, darunter 165 Frauen und Männer, die Tag für Tag in der Filiale in der Rinsenau Regale einräumen, Obst und Gemüse verkaufen und Kunden zum Kauf von TV-Geräten und Kühlschränken beraten.

Betriebsrat hat Angst: "Schon viel durchgemacht"

„Wir haben ja schon viel durchgemacht, sind von Unternehmensgruppe zu Unternehmensgruppe durchgereicht worden. Jedesmal gab es einen Angstmoment, der kurz darauf wieder im Alltag verschwand“, so der Betriebsrat im Gespräch mit der SZ. Aber diesmal wisse die Arbeitnehmervertretung von nichts, „wir harren der Dinge“, räumte der Betriebsrat ein.


Real-Eiserfeld gehört zu den größeren Standorten


Vorsichtig optimistisch ist er, weil der Supermarkt an der Eiserfelder Straße mit seinen 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche zu den größeren Märkten gehört. Real betreibt deutschlandweit 277 Märkte, in denen rund 34 000 Beschäftigte arbeiten. Allein in NRW ist das Handelsunternehmen an 49 Standorten vertreten.  Arg pessimistisch ist der Betriebsrat mit Blick auf den Deal und den Käufer, der sich seit Monaten abzeichnet. Metro hat sich mit einem deutsch-russischem Konsortium um den Immobilieninvestor X-Bricks geeinigt: Die Vereinbarung der beiden sieht eine Veräußerung von Real als Ganzes zu einem Unternehmenswert von etwa 1 Mrd. Euro vor. Vorbehaltlich der Beschlüsse der Gremien in den Unternehmen und der Kartellbehörden.

Jobs: Betriebsrat spricht von "Kahlschlag"

Das Käufer-Konsortium werde 50 Märkte für mindestens zwei Jahre weiter betreiben, heißt es; an die Branchenkonkurrenten wie Edeka und Kaufland sollen bis zu 200 Märkte weitergereicht, sprich verkauft werden. 30 Standorte – anfangs hieß es 50 – sollen geschlossen werden.  Real-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Werner Klockhaus spricht vor einem Kahlschlag beim Personal. „Der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10 000 Arbeitslosen“, sagt er, ohne Details zu den Standorten anzugeben. „Mir schwant nichts Gutes“, so Verdi-Mann Jürgen Weiskirch vor ein paar Tagen; auch der Gewerkschafter konnte bislang keine Infos zu dem Deal berichten.

Sorgenkind der Einzelhandelsbranche

Die Supermarktkette war zuletzt das Sorgenkind bei den Düsseldorfern und hatte im Geschäftsjahr 2018/19 für rote Zahlen bei der Metro gesorgt. Der Konzern hatte bereits im Jahr 2018 angekündigt, die Supermarktkette abgeben zu wollen, um sich ganz auf sein Großhandelsgeschäft mit Gastronomen und kleinen Händlern konzentrieren zu können. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als deutlich schwieriger als erwartet.

Streik und Demo

Verdi hat zum Streik und zur Demo vor der Hauptversammlung der Metro aufgerufen, um gegen die Tarifflucht ihres Unternehmens zu protestieren und für die Anerkennung der Tarifverträge des Einzelhandels zu streiken. Die 34.000 Beschäftigte bei Real seien durch die Tarifflucht im Jahr 2018 und die seitdem fehlende Tarifbindung sowie den jetzt anstehenden weiteren Verkauf des Unternehmens in ihrer Existenz bedroht. Der Streik werde bis zum Abend fortgesetzt.

Verdi-Ziel: Beschäftigungssicherung

Der zuständige Sekretär für den Handel, Heino Georg Kaßler, dazu: „Die Kollegen brauchen gerade in der Zeit des Verkaufes den Schutz durch die Tarifverträge, damit Ansprüche auch nach einem Verkauf gesichert sind. Die Beschäftigten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Hier müssen die Metro und zukünftig auch die Erwerber ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und nach dem Verkauf auch für eine nachhaltige Beschäftigungssicherung sorgen!" Die Gewerkschaft werde die Käufer nach dem endgültigen Verkauf ebenfalls zu Tarifverhandlungen auffordern. Es dürfe  keine weiteren Ausgliederungen an selbstständige Kaufleute, gemeint ist etwa die Edeka-Kette, geben und "es braucht die Sicherheit durch Betriebsräte.“

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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