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Kassenärztliche Vereinigung für andere Lösungen
Streit um Corona-Fieberambulanzen

Die alte Hammerhütter Schule in Siegen diente im April schon einmal als Corona-Behandlungszentrum. Nach einem Monat wurde das aber wieder geschlossen.
  • Die alte Hammerhütter Schule in Siegen diente im April schon einmal als Corona-Behandlungszentrum. Nach einem Monat wurde das aber wieder geschlossen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Siegen/Olpe. Der Herbst ist angebrochen, die Erkältungszeit steht vor der Tür. Was in normalen Zeiten mit weit verbreitetem Niesen, Hüsteln und Schniefen zwar lästig, aber verschmerzbar ist, könnte sich in diesem Corona-Jahr zu einem echten Problem entwickeln. Denn: Die Pandemie ist längst nicht überwunden, die Infektionszahlen steigen wieder an, ein Impfstoff indes lässt noch auf sich warten. Was also tun mit all den Menschen, die sich in der immer dunkler werdenden Jahreszeit eine Erkältung oder gar mehr einfangen? Wie können sie einen herkömmlichen Infekt von einer Ansteckung mit Corona unterscheiden? Sollen sie zum Hausarzt gehen und sich durchchecken lassen?
Gesundheitsminister Jens Spahn setzt auf FieberambulanzenNein, sagt Jens Spahn.

js Siegen/Olpe. Der Herbst ist angebrochen, die Erkältungszeit steht vor der Tür. Was in normalen Zeiten mit weit verbreitetem Niesen, Hüsteln und Schniefen zwar lästig, aber verschmerzbar ist, könnte sich in diesem Corona-Jahr zu einem echten Problem entwickeln. Denn: Die Pandemie ist längst nicht überwunden, die Infektionszahlen steigen wieder an, ein Impfstoff indes lässt noch auf sich warten. Was also tun mit all den Menschen, die sich in der immer dunkler werdenden Jahreszeit eine Erkältung oder gar mehr einfangen? Wie können sie einen herkömmlichen Infekt von einer Ansteckung mit Corona unterscheiden? Sollen sie zum Hausarzt gehen und sich durchchecken lassen?

Gesundheitsminister Jens Spahn setzt auf Fieberambulanzen

Nein, sagt Jens Spahn. Der Bundesgesundheitsminister hält weitaus mehr von regionalen und lokalen „Fieberambulanzen“, an die sich Patienten mit klassischen Atemwegssymptomen werden können. „Ich setze darauf, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen solche zentralen Anlaufstellen vor Ort anbieten werden“, erklärt Spahn. Konzeptionell gebe es diese bereits – „sie sollten im Herbst idealerweise flächendeckend zugänglich sein“. Die Einrichtungen sollen Hausarztpraxen und Kliniken entlasten und potenziell Infizierte möglichst von anderen Patienten fernhalten, so der Grundgedanke.
Der Minister hat damit das Rad nicht völlig neu erfunden. Corona-Behandlungszentren (kurz: CBZ) hat es bereits in einer frühen Phase der Pandemie gegeben, auch in unserer Region wurden Notfallpraxen eingerichtet. 30 Stück hatte die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in ihrem Gebiet auf die Beine gestellt – Fachärzte übernahmen den Dienst auf freiwilliger Basis, einen großen Teil der Arbeit erledigten medizinische Fachangestellte, die am Telefon wertvolle Aufklärungsarbeit leisteten.
In Siegen hatte die KVWL eine solche Notfallpraxis in der alten Hammerhütter Schule eingerichtet, in Olpe empfing sie die Patienten in Containern auf dem Krankenhaushof von St. Martinus. „Nach etwa vier Wochen wurden die Zentren wieder geschlossen“, berichtet Dr. Martin Junker, Leiter der für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe zuständigen KVWL-Bezirksstelle. Nur drei bis fünf Patienten seien damals pro Tag untersucht worden.
Ob die wieder eingemotteten CBZ noch einmal reaktiviert werden, vielleicht auch um hier Testungen durchzuführen, muss sich noch zeigen. Dr. Junker hält den Vorstoß allerdings für einen Aktionismus der Politik. Den Kassenärztlichen Vereinigungen solche zentralen Anlaufstellen aufs Auge zu drücken, sei aus seiner Sicht nicht sinnvoll. Hinzu komme die Finanzierungsfrage. Bis heute sei nicht geklärt, ob die rund 20 Millionen Euro, die die KVWL draufgelegt habe, je zurückgezahlt würden.

Kassenärztliche Vereinigung baut auf andere Modelle

Martin Junker setzt vielmehr auf andere Modelle. Die KVWL suche freiwillige Ärzte, die im Falle von stark wachsender Nachfrage Samstagssprechstunden anbieten, ab Mitte Oktober sei dies möglich. Darüber hinaus habe die KVWL alle Krankenhäuser in ihrem Gebiet angeschrieben, um mit diesen gemeinsam eine Regelung zu finden, wie mit eventuellen Corona-Verdächtigen umzugehen sei – auch an Wochenenden.
Derzeit würden Covid-19-Patienten ganz normal in den Hausarztpraxen mitbehandelt. „Man muss die Kirche im Dorf lassen“, findet Junker. Schutzmaßnahmen einzuhalten, sei wichtig und richtig. „Aber die Politik sollte sich mehr an der Praxis orientieren statt an Virologen, die am Computer Berechnungen anstellen.“

Im Kreis Siegen-Wittgenstein ist die Corona-Lage unter Kontrolle

Zurück zum Herbstbeginn: Wie schätzt das Gesundheitsamt Siegen-Wittgenstein die aktuelle Entwicklung der Pandemie ein? Die Infektionszahlen sind zwar wieder gestiegen in den vergangenen Tagen und Wochen, von Ausreißern wie Hamm aber ist die Situation im Kreis weit entfernt.
Amtsleiter Dr. Christoph Grabe sieht das noch als normale Schwankung an. Immerhin lasse sich keine gemeinsame Ursache ausmachen für die Ansteckung. Auch wenn die Gesamtzahl der bekannten Corona-Infizierten wieder relativ hoch ist, so liegt die Sieben-Tage-Inzident im Kreisgebiet mit 27 pro 100 000 noch deutlich unter dem kritischen Wert von 50. Sollte es, wie derzeit in Kreuztal, vergleichsweise hohe Zahlen von Betroffenen in einer Stadt oder Gemeinde geben, wird zwar genau hingeschaut. Weniger relevant ist aus Sicht des Gesundheitsamts allerdings die Häufung in einer bestimmten Kommune als die Zusammenhänge zwischen den Infizierten. Die seien oftmals über Gemeindegrenzen hinaus zu betrachten.
Was die Testungen angeht, bleibt die Zuständigkeit aus amtlicher Sicht klar abgegrenzt: Verdachtsfälle müssen sich beim Arzt testen lassen; für Abstriche bei Kontaktpersonen im Zusammenhang mit bestätigten Fällen zeichnet das Gesundheitsamt verantwortlich.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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