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"Weißes Gold“ wird zum begehrten Gut
Streusalz – das Klopapier des Winters?

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rege Siegen. „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ fragte Rudi Carrell im Jahr 1975 und landete damit einen Evergreen. Sommer mit bis zu 40 Grad im Schatten sind „dank“ der Klimaerwärmung inzwischen ja durchaus wieder die Regel. In den vergangenen Jahren stellte sich eher die Frage: Wann wird’s mal wieder richtig Winter? Die Antwort könnte „im Jahr 2021“ lauten. Schneemassen im Januar (vor allem im Rothaargebirge), Eisregen und extremer Frost im Februar – das nennt man wohl Winter. Und doch kam der Wintereinbruch mitten im Winter für viele offenbar zu überraschend, denn was im Frühjahr 2020 das Klopapier, ist nun das Streusalz – das „weiße Gold“ im Kampf gegen zentimeterdicke Eisschichten und Glätte.

rege Siegen. „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ fragte Rudi Carrell im Jahr 1975 und landete damit einen Evergreen. Sommer mit bis zu 40 Grad im Schatten sind „dank“ der Klimaerwärmung inzwischen ja durchaus wieder die Regel. In den vergangenen Jahren stellte sich eher die Frage: Wann wird’s mal wieder richtig Winter? Die Antwort könnte „im Jahr 2021“ lauten. Schneemassen im Januar (vor allem im Rothaargebirge), Eisregen und extremer Frost im Februar – das nennt man wohl Winter. Und doch kam der Wintereinbruch mitten im Winter für viele offenbar zu überraschend, denn was im Frühjahr 2020 das Klopapier, ist nun das Streusalz – das „weiße Gold“ im Kampf gegen zentimeterdicke Eisschichten und Glätte. Kaum hat „Väterchen Frost“ ernst gemacht, ist das Siegerland in Not, genauer gesagt in Salz-Not.

Deutlich mehr Streusalz

 Nachdem das Tief Tristan in der Nacht von Samstag auf Sonntag ganze Arbeit geleistet hatte, setzte er auch schon ein, der Run auf das Auftaumittel. Erste Anlaufadresse waren, wie sollte es an einem Sonntag anders sein, die Tankstellen. „Wir verkaufen in diesem Winter deutlich mehr Streusalz als sonst. Am Sonntag waren wir komplett ausverkauft. Da das Eis-Chaos auf ein Wochenende fiel, waren die Tankstellen die einzige Möglichkeit, um Salz zu bekommen. Entsprechend viele Leute kamen und haben gekauft ohne Ende, so dass der Bestand irgendwann aufgebraucht war“, berichtet Stefan Schlüter, der Geschäftsführer der Esso-Tankstelle an der Hagener Straße in Siegen. Nachdem an der „Tanke“ am Montag somit wieder das Benzin- und Frostschutzgeschäft dominierten, soll ab Dienstag auch wieder Salz im Angebot sein. „Ich habe Salz bestellt und da es grundsätzlich keinen Engpass gibt, gehe ich davon aus, dass das für Dienstag auch geliefert wird.“

Dem sonntäglichen Ansturm auf die Tankstellen folgte am Montag die Invasion der Supermärkte und Baumärkte. „Das war ein regelrechter Abverkauf. Innerhalb von drei Stunden war das Salz heute Morgen ausverkauft. Wir haben um 6 Uhr geöffnet, um 9 Uhr war alles leer. Wir hatten mehr Salz hier als sonst, aber schon vor dem Wochenende war die Nachfrage etwas größer“, erzählt André Wagener, der Marktleiter von E-Neukauf Böhm, dem Edeka-Markt in Buschhütten. Nach einer kurzen Durststrecke rollten noch am Vormittag die Sattelschlepper aus der Edeka-Zentrale in Melsungen ein, um für Nachschub zu sorgen. Im Rahmen des Abholservices sind hier auch Reservierungen möglich.

Run auf Streusalz

 Das gilt auch für den Hagebaumarkt in Niederschelden, dessen Türen derzeit bekanntlich nur Gewerbetreibenden offen stehen. „Click & Collect“ macht es aber möglich, dass dort auch Otto Normalverbraucher Ware ordern und abholen kann. Und davon machten am Montag nicht wenige Schelder und Iserfeller Gebrauch. „Ich kann ihnen sagen, dass hier heute die Hölle los ist. Das ist Wahnsinn. Wir sind heute überrannt worden. Wir haben noch einen kleinen Rest, aber im Laufe des Tages wird alles fort sein. Ich habe eben erfahren, dass in Eiserfeld schon jetzt kein Streusalz mehr zu bekommen ist“, berichtete der stellvertretende Filialleiter Christoph Lillpopp vom salzigen Ausnahmezustand. Am Dienstag dürfte an der Schelder Salz-Front erst einmal Ruhe einkehren, denn die nächste Lieferung ist eigentlich für Mittwoch geplant. Die Betonung liegt aber auf dem Wort „eigentlich“, denn das Zentrallager befindet sich in Herten im Ruhrgebiet, und auch dort hat der Winter bekanntlich mit Macht Einzug gehalten, was Auswirkungen auf die Liefermenge und die Transportlogistik haben kann.

Auch der Raiffeisen-Markt in Netphen hatte am Montag noch einen recht langen Atem, was den Salzverkauf betrifft. „Wir werden wahrscheinlich heute Abend trocken sein“, prognostizierte Marktleiter Ulrich Neumann am späten Vormittag. Von Freitag bis Montag seien dann 115 Tonnen Salz über den Kassenscanner gegangen. „Allein am Montag haben wir von 8 bis 11.30 Uhr rund 70 Tonnen verkauft. Drei Mitarbeiter haben heute bisher nichts anderes gemacht als sich mit dem Salzverkauf beschäftigt. Die Menge, die wir vorrätig hatten, hätte bei einem normalen Winter locker gereicht. Dass wir auch in den tieferen Lagen flächendeckend so viel Eis haben, kommt nicht oft vor.“

Und für den ein oder anderen dürfte der „Eistanz“ in den nächsten Tagen weiter gehen, denn zumindest in Netphen wird das Salz zu einem kostbaren und begehrten Gut. „Da viele Bereiche in Deutschland betroffen sind, waren die Hersteller nicht auf einen solchen bundesweiten Ansturm gefasst. Ich rechne erst Richtung März wieder mit Lieferungen“, geht Neumann davon aus, dass die nächsten Salz-Paletten erst einmal auf sich warten lassen. Ganz im Gegensatz zum Winter 2021…

Streusalz: Erlaubt oder nicht erlaubt? Grundstückseigentümer und Anwohner sind im Winter verpflichtet, öffentliche Wege zu streuen und zu räumen. Streusalz wirkt schnell, ist durch das Einsickern in den Boden und das Grundwasser aber umweltschädlich und in zahlreichen Kommunen auch verboten. Die drei größten deutschen Städte Berlin, Hamburg und München verbieten Streusalz auf Gehwegen völlig. Eine einheitliche Regelung zum Einsatz von Streusalz auf Bundes- oder Länderebene gibt es nicht. Die Kommunen regeln in ihrer Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung, ob die Verwendung von Streusalz für Privatpersonen verboten ist. Bei extremen Wettereignissen wie Blitzeis oder Eisregen gelten meist aber Ausnahmeregelungen. So zum Beispiel auch in Siegen, Kreuztal und Olpe. „Streusalz oder andere auftauende Stoffe dürfen nur in besonderen Fällen oder an gefährlichen Stellen verwendet werden“, heißt es auf der Homepage der Krönchenstadt. Die Stadt Kreuztal schreibt: „Auf Gehwegen und Gehstreifen ist bei Eis- und Schneeglätte zu streuen, wobei die Verwendung von Salz oder sonstigen auftauenden Stoffen grundsätzlich verboten ist. Ihre Verwendung ist nur erlaubt: In besonderen klimatischen Ausnahmefällen (z. B. Eisregen), bei denen durch den Einsatz von abstumpfenden Mitteln keine hinreichende Streuwirkung zu erzielen ist. An gefährlichen Stellen im Bereich von Gehwegen, wie z. B. Treppen, Rampen, Brückenauf- und abgängen, starken Gefäll- bzw. Steigungsstrecken oder ähnlichen Gehwegsabschnitten.“ Für Bewohner der Stadt Olpe gilt: „Bei Schnee- und Eisglätte auf Gehwegen oder Straßen sind abstumpfende Mittel, wie z. B. Splitt, Sand o. ä. einzusetzen. Nur in Ausnahmesituationen wie bei Eisregen oder an gefährlichen Stellen z. B. Treppen, Rampen, starkem Gefälle oder Ähnlichem ist der Einsatz von Streusalz erlaubt.“
Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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