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Bismarckhalle könnte Fissmer-Anlage folgen
Strittige Namen von Plätzen neu diskutieren

Ob die Bismarckhalle wohl bald umbenannt wird? Zumindest werden Namensgeber wie Otto von Bismarck in der Krönchenstadt wieder diskutiert.
  • Ob die Bismarckhalle wohl bald umbenannt wird? Zumindest werden Namensgeber wie Otto von Bismarck in der Krönchenstadt wieder diskutiert.
  • Foto: dima (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mir Siegen. War das schon Wahlkampf? Falls nein, der Stadt Siegen und ihren politischen Gremien stehen neue Grundsatzdebatten und womöglich ideologische Grabenkämpfe ins Haus. Seit gestern gibt es, wie vom Rat mehrheitlich beschlossen, wieder einen Arbeitskreis, der sich intensiv mit den (politisch motivierten) Namen von Straßen, Plätzen und Institutionen in der Krönchenstadt befassen wird.
"Fissmer" gab den StartschussAlles ausgelöst durch die von der FDP vor Wochen gestartete Debatte um die kaum zu beantwortende Frage, ob der frühere Oberbürgermeister Alfred Fissmer ein knallharter Nazi, ein schlauer Mitläufer oder ein honoriger Verwaltungschef war, der Siegen mit den Bunkerbauten in den Jahren nach 1933 eine Art Konjunkturprogramm verschaffte.

mir Siegen. War das schon Wahlkampf? Falls nein, der Stadt Siegen und ihren politischen Gremien stehen neue Grundsatzdebatten und womöglich ideologische Grabenkämpfe ins Haus. Seit gestern gibt es, wie vom Rat mehrheitlich beschlossen, wieder einen Arbeitskreis, der sich intensiv mit den (politisch motivierten) Namen von Straßen, Plätzen und Institutionen in der Krönchenstadt befassen wird.

"Fissmer" gab den Startschuss

Alles ausgelöst durch die von der FDP vor Wochen gestartete Debatte um die kaum zu beantwortende Frage, ob der frühere Oberbürgermeister Alfred Fissmer ein knallharter Nazi, ein schlauer Mitläufer oder ein honoriger Verwaltungschef war, der Siegen mit den Bunkerbauten in den Jahren nach 1933 eine Art Konjunkturprogramm verschaffte. Aus den drei Optionen wird sich keine allgemeingültige Aussage formen lassen.

Info-Tafeln sollen angebracht werden

Deshalb hat die Reanimierung des Arbeitskreises noch einen Zusatz: An der Fissmer-Anlage und anderen Plätzen oder Straßen sollen Info-Tafeln angebracht werden. Form und Inhalt sollen im Arbeitskreis formuliert und von der Politik beschlossen werden. Zusätzlich soll die Stadt Siegen alle verfügbaren Informationen zu Fissmer auf ihrer Website darstellen und somit der Allgemeinheit zugänglich machen.

Arbeitskreis soll über Namen diskutieren

Nachdem die Stadt Siegen über den Stadtarchivar eine ausführliche Expertise zu Fissmer hatte anfertigen lassen (die SZ berichtete), schlug gestern die Stunde der Grünen: „Wir hatten mal einen Arbeitskreis, den wollen wir wiederbeleben und eine Erinnerungskultur entwickeln, was früher war“, so Michael Groß (Grüne) im Namen der Jamaika-Koalition. „Wir wollen über Straßen und Plätze diskutieren und die Personen, um die es dabei geht. Und: Es sollen neue Namen möglich sein.“ War das mehr eine Ankündigung oder die Vorhersage, dass sich in Siegen einiges ändern soll?

Debatte um Fürst Johann Moritz

Keine schnelle Lösung wird das sein, vielleicht auch nicht von Erfolg getragen. Zumal es einen solchen Arbeitskreis vor sieben Jahren schon einmal gegeben hat. „Wir haben uns seinerzeit viel Mühe gegeben, aber der Arbeitskreis ist eingeschlafen“, hörte sich Traute Fries’ (SPD) Aussage wie eine Beichte an. Ob es dann auch wieder eine Debatte um Fürst Johann Moritz geben werde und dessen Standpunkt zum Sklavenhandel? Fries hatte ihre Zweifel, ob ein Arbeitskreis die richtige Plattform sein könnte.
Kein Geringerer als Bürgermeister Steffen Mues hatte da eine ganz andere Sicht der Dinge. Wenn der Arbeitskreis vernünftig geführt werde, könne das sehr ergiebig werden. Und überhaupt, man sei dies der Stadt Siegen schuldig.
Brigitte Eger-Kahleis (AfD) schob schon mal die Themen zurecht: Bismarckstraße, Bismarckplatz und Bismarckhalle, Hindenburgstraße und FJM-Gymnasium. An anderer Stelle fiel der Name Lothar-Irle-Straße.

NSDAP-Freund oder nur Show?

Wie groß die Spannweite der Argumente sein könnte, dazu gab es am Mittwoch schon einen Vorgeschmack. Frank Weber (CDU) befand, dass Fissmer als Oberbürgermeister Mitglied bei der NSDAP gewesen sei, „war nur ein Heulen mit den Wölfen, mehr nicht“. Peter Schulte (fraktionslos) nannte Fissmer eine „schillernde Figur“, seit 1933 sei er förderndes SS-Mitglied gewesen und „damit den Nazis nicht ganz abgeneigt“.
Traute Fries wiederum war am Mittwoch erst zugetragen worden, Fissmer habe durch sein Wirken verhindert, dass Henner und Frieder, die in Metall gegossenen Siegener Leit-Figuren, eingeschmolzen worden seien. Und Steffen Mues meinte, nur das Kriterium der NS-Mitgliedschaft reiche zur Beurteilung nicht aus. Ja, für die FDP formulierte Klaus Volker Walter die Aussage, viele Siegener hätten Fissmer zu seiner Zeit verehrt, er sei eine große Persönlichkeit gewesen. Man möge doch bitte fair mit ihm umgehen.

Linke: SS-Mitgliedschaft ist ausschlaggebend

Da gab es noch die Linken: Silke Schneider forderte, den Namen Fissmers zu tilgen, der Mann gehöre nicht geehrt: „Wofür baut man Bunker? Für den Krieg.“ Dr. Christian Henrich (UWG) reichte die Fördermitgliedschaft bei der SS, den Mann namens Fissmer nicht zu ehren.
Übrigens, was machte die SPD-Fraktion? Das Thema „Fissmer“ stand auf Position 21 der Tagesordnung, fast viereinhalb Stunden mit zähen Wortbeiträgen waren inzwischen absolviert, da forderte man eine Sitzungspause, um sich zu beraten. Zu dem Zeitpunkt hatten sieben von elf Zuhörern den Gläser-Saal längst verlassen. Und mindestens ein SPD-Genosse ebenfalls.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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