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Trotz geschlossener Hörsäle
Studenten müssen Semesterbeitrag weiter zahlen

Anderswo werden Beiträge gekürzt oder erlassen. An der Uni Siegen bleibt man hart.

ihm Siegen. Ebbe herrscht auf vielen studentischen Konten – Nebenjob perdu, günstiges Essen in der Mensa Fehlanzeige. Corona hat vieles verändert, nur eines ist geblieben: der Semesterbeitrag. Nach wie vor müssen die angehenden Siegener Akademiker 273,55 Euro pro Halbjahr überweisen, bevor sie ihren Studentenausweis in der Hand halten. Das sind bei 18.700 Studenten in diesem Wintersemester immerhin 5,12 Millionen Euro. Warum gibt es hier keinen Corona-Rabatt? Anderswo werden Beiträge gekürzt oder erlassen. An der Uni bleibt man hart.
Dabei gibt es derzeit weniger fürs Geld: Die Mensen sind geschlossen, noch nicht einmal „to go“ gibt es etwas zu beißen. Und das Semesterticket für Bus und Bahn ist für die meisten Studenten ohne Nutzen, denn der Betrieb an der Hochschule ruht.

ihm Siegen. Ebbe herrscht auf vielen studentischen Konten – Nebenjob perdu, günstiges Essen in der Mensa Fehlanzeige. Corona hat vieles verändert, nur eines ist geblieben: der Semesterbeitrag. Nach wie vor müssen die angehenden Siegener Akademiker 273,55 Euro pro Halbjahr überweisen, bevor sie ihren Studentenausweis in der Hand halten. Das sind bei 18.700 Studenten in diesem Wintersemester immerhin 5,12 Millionen Euro. Warum gibt es hier keinen Corona-Rabatt? Anderswo werden Beiträge gekürzt oder erlassen. An der Uni bleibt man hart.
Dabei gibt es derzeit weniger fürs Geld: Die Mensen sind geschlossen, noch nicht einmal „to go“ gibt es etwas zu beißen. Und das Semesterticket für Bus und Bahn ist für die meisten Studenten ohne Nutzen, denn der Betrieb an der Hochschule ruht. Die Express-Linien hinauf auf den Haardter Berg fahren nicht.

ASta der Uni Siegen übt deutliche Kritik

Trotzdem müssen 170,05 Euro für das ÖPNV-Ticket und 90,50 Euro für das Studierendenwerk bezahlt werden. Das galt für das Corona-Wintersemester 2020/21 und das gilt auch für das bevorstehende Sommersemester. Alexander Steltenkamp, der Vorsitzende der Studentenvertretung AStA, ist alles andere als glücklich über die Situation. Zwar habe Siegen einen vergleichsweise niedrigen Semesterbeitrag, aber beim ÖPNV zahle man für Fahrten, die gar nicht angeboten würden. Der Vertragspartner VGWS habe zu verstehen gegeben, dass man fahren würde, wenn es erforderlich sei. Eine Reduzierung des Semesterticketpreises komme nicht in Frage. Steltenkamp: „Da setzt man uns quasi die Pistole auf die Brust. Denn die Alternative wäre, gar kein Semesterticket anzubieten.“ Und dazu konnte sich das Studentenparlament nicht durchringen.

Verständnis für das Studierendenwerk der Uni Siegen

Mehr Verständnis hat Steltenkamp, dass das Studierendenwerk den vollen Beitrag verlangt. Schließlich gehe es nicht nur um die Mensa, sondern auch um andere Leistungen, die das Studentenwerk weiter erbringe. „Und die haben auch keine Leute entlassen.“
Für Studenten, die besonders knapp bei Kasse sind, übernimmt der Sozialfonds des AStA die Kosten für das Semesterticket. Die Zahl der Anträge auf solche Härtefallausgleiche seien in der Corona-Zeit deutlich angestiegen, sagte der AStA-Sprecher.

Verkehrsbetriebe sehen keinen Anlass für Rabatt

Gerhard Bettermann von den Verkehrsbetrieben Westfalen-Süd sieht keinen Anlass für einen Rabatt beim Semesterticket: „Der gesamte ÖPNV läuft doch – bis auf die UX-Linien.“ Die Busse zum City-Campus und auch auf den Haardter Berg führen weiter – bei der VWS gilt der Ferienfahrplan. Das Semesterticket sei eine Art „Solidarmodell“, findet Bettermann: „Die Busse kosten uns ja auch Geld.“ Noch sei kein Busfahrer in Kurzarbeit, man baue Überstunden und Urlaub ab.
Bis auf die Mensen laufe der Betrieb im Studierendenwerk weiter, berichtet Geschäftsführer Detlef Rujanski. BAFöG-Beratungen und die Wohnheimverwaltung seien aufwendig, neu dazugekommen seien die Anträge auf Überbrückungshilfe, die das Studierendenwerk ebenfalls abwickelt.
Das Studentenwerk hat 300 Mitarbeiter, die Hälfte von ihnen ist in Kurzarbeit. Das betrifft die inzwischen geschlossene Flexi-Kita und die Gastronomie. Allerdings kosten die Kurzarbeiter das Studentenwerk Monat für Monat Geld, denn das Kurzarbeitergeld wird auf 100 Prozent des normalen Nettoeinkommens aufgestockt. Das gelte auch für die Anfang vergangenen Jahres neu eingestellten Kräfte für die Mensa am Obergraben. „Die sind jetzt fast ein Jahr bei uns und kennen ihren Arbeitsplatz noch gar nicht. Eine schlimme Situation“, findet Rujanski.
Auch er benutzt den Begriff „Solidarbeitrag“ und unterstreicht: „Wir können jederzeit loslegen.“ Die Hoffnung richtet sich auf ein To-Go-Angebot zumindest in der neuen Mensa US (Unteres Schloss) und in der Cafeteria auf dem Haardter Berg. Ein regulärer Mensabetrieb an allen Standorten aber, so fürchtet der Geschäftsführer, wird womöglich erst zum Wintersemester 2021/22 machbar sein.

Corona trifft das Studierendenwerk hart

Die Fluktuation in den Wohnheimen des Studierendenwerks hat sich verstärkt. Wer ohnehin aus der Distanz studiert, braucht nicht unbedingt ein Zimmer in Siegen. „Die freiwerdenden Zimmer haben wir aber mit internationalen Studenten belegen können, da hatten wir eine lange Warteliste.“ Insofern sei die Leerstandsquote mit rund 5 Prozent immer noch niedrig.
Finanziell trifft Corona das Studierendenwerk trotzdem hart: Der Wirtschaftsplan 2021 weist unterm Strich ein Minus von 2,5 Millionen Euro aus. Rujanksi: „Das können wir aus der Rücklage decken, die wir glücklicherweise haben.“
Die Universitätsleitung Siegen weiß, dass viele Studenten durch die Pandemie in finanzielle Nöte geraten sind. Pressesprecher André Zeppenfeld verweist auf das Spendenprojekt „Siegen hilft Studierenden“, das im vergangenen Jahr mehr als 46 000 Euro eingesammelt und an bedürftige Studenten ausgeschüttet habe.
Der Semesterbeitrag in Siegen, so Zeppenfeld, sei der NRW-weit niedrigste. In der Tat sind Beiträge von über 300 Euro pro Semester an den meisten anderen Universitäten die Regel.

Was Studenten zahlen müssen

Bevor die erste Zoom-Konferenz mit dem Professor über die Bühne gehen kann, müssen Studenten erst einmal zahlen. Zwar gibt es in NRW keine Studiengebühren mehr, aber der Semesterbeitrag ist Voraussetzung für Immatrikulation. Die Gesamtsumme von 273,55 Euro an der Universität Siegen setzt sich aus vier Posten zusammen:

  • Semesterticket für Bus und Bahn inklusive NRW-Ticket: 170,05 Euro. Dieses Ticket kauft jeder Student – ob er mit dem Bus fährt oder nicht, spielt keine Rolle. Vertragspartner dafür sind der AStA der Universität einerseits und die Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd (VGWS) andererseits).
  • Solidarbeitrag: 3 Euro. Das Geld fließt in einen Fonds, den der Asta verwaltet. Aus ihm werden die Semestertickets für Studenten bezahlt, deren Einkommen dafür nicht ausreicht (Härtefallregelung).
  • Sozialbeitrag Studierendenwerk: 90,50 Euro. Das Studierendenwerk finanziert daraus seinen Leistungen mit. Dazu gehören Mensabetrieb, Wohnheime, BAFöG-Beratung und -Verwalrung, Abwicklung der verschiedenen Förderkredite und der Corona-Überbrückungshilfen für Studenten.
  • AStA-Beitrag: 10 Euro. Daraus finanziert die Studentenvertretung ihre Arbeit.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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