Studienbeiträge werden im Schlussspurt nicht gesenkt

kk Siegen. Am Geldausgeben bzw. -behalten können sich bekanntlich die Geister scheiden. Auch an der Universität. Einmal mehr ging es in der gestrigen Senatssitzung um Studienbeiträge, deren Verwendung, Hortung und Kürzung. Möglicherweise aber dürfte dies für einige Zeit die letzte Diskussion dieser Art gewesen sein. Im Koalitionspapier der neuen Landesregierung ist nämlich die Abschaffung der Gebühren ab dem Wintersemester 2011/2012 vorgesehen.

Und genau diese Entwicklung sorgte für große Unsicherheit. Denn: Um die Landesfinanzen ist es bekanntlich nicht zum Besten bestellt. Kompensation für die entfallenden Gelder ist zwar auf dem Papier in Aussicht gestellt, wo die stattlichen Summen jedoch herkommen sollen, ist bislang ungeklärt. Und so hob im Gremium ein Gejammer an. Komme kein Ersatz, oder falle dieser Ersatz geringer aus als die derzeit aus Taschen der Studierenden fließenden Summen, so die Verwaltung, fielen umfangreiche Angebote weg. Denn: Die Studierendenbeiträge machen etwa 10 Prozent des Siegener Unietats aus.

Ungeachtet dieser Entwicklung brachten die Studierenden einen Antrag ein, die Beiträge für die verbleibenden zwei Semester von derzeit 500 Euro pro Semester auf 400 Euro abzusenken. Aufgefangen werden könne dieser pekuniäre Verlust für die Fachbereiche durch eine Umverteilung von gehorteten Restbeträgen.

Genau an diesen Restbeträgen entzündete sich (einmal mehr) eine rege Diskussion. 5,367 Mill. Euro an Studienbeiträgen sind auf den Konten der Universität verbucht. Allerdings, so Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart, laufe die Hochschule, sollten die Gebühren doch bereits zum nächsten, sprich Wintersemester 2010/2011 abgeschafft werden, mit ihren bestehenden Verpflichtungen auf ein dickes Defizit zu. Flössen die einkalkulierten Einnahmen in Höhe von etwa 5 Mill. Euro nicht, liege die Uni Siegen zum Jahresabschluss bereits mit 4,77 Mill. Euro im Minus. Deshalb werde er die Zügel anziehen, so Burckhart. Maßnahmen wurden auf Eis gelegt. Befristete Anstellungsverträge werden nur bis zum 30. September 2011 abgeschlossen oder verlängert (die SZ berichtete).

Sebastian Schäfer als studentisches Senatsmitglied: „Diese Diskussion führen wir seit drei Jahren. Es gibt einen erheblichen Restbetrag und es heißt stets, dieser sei bereits verplant.“ Ganz nachvollziehen konnten die Studierenden deshalb die Argumentation der Unileitung und aus großen Teilen der Professorenschaft nicht. Schließlich, so ein weiteres Argument, seien nicht einmal alle in diese Rechnung einbezogenen Projekte überhaupt vom Senat genehmigt. Überhaupt sollten die Studienbeiträge zeitnah und zugunsten der Einzahler ausgegeben werden. Mittel zu horten, um in Zukunft beispielsweise Juniorprofessuren einrichten und bezahlen zu können, sei nicht Sinn und Zweck der Gebühren. Übrigens: Die Prüfungskommission, deren Ergebnisse Prof. Dr.-Ing. Helmut Winkler (Uni Kassel) vorlegte, geht für 2009 von einem nicht verausgabten Betrag von 4,5 Mill. Euro aus.Den Rektor plagten noch andere Sorgen. Nämlich die, der Antrag auf Absenkung der Gebühren könne als Einladung gen Düsseldorf verstanden wissen, eine eventuell fließende Kompensation an diesen gesenkten Gebühren auszurichten. Restbeträge seien nicht mehr zu finden, versicherte der Unichef einmal mehr und sandte damit auch ein Signal gen Landeshauptstadt aus. Zudem müssten genügend Mittel vorhanden sein, um allen Verpflichtungen bis zum 30. September 2011 nachkommen zu können.Besonders aus den Fachbereichen 2 (Bildungsswissenschaften und Psychologie) und 3 (Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften) kam der Hinweis, dass mittlerweile 25 Prozent der Lehre aus Studienbeiträgen finanziert werde. Ohne die Gelder werde das Angebot drastisch sinken. Auch Prof. Dr. Richard Huisinga stellte klar, dass Verbindlichkeiten in der Regel zumindest auf die Dauer von zwei Jahren ausgelegt seien.In geheimer Abstimmung sprachen sich schließlich neun Senatorinnen und Senatoren für den Antrag der Studierenden aus, 13 waren dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Damit werden Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Student und Semester voraussichtlich noch zweimal fließen. Anschlussperspektive derzeit konkret noch offen ….

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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