Studienhaus verfällt jeden Tag

 Der Zustand des einst renommierten Studienhauses Rüspe ist desolat. Von einer realistischen Idee für den Gesamtkomplex fehlt derzeit jede Spur – das Insolvenzverfahren ist indes abgeschlossen. Foto: Martin Völkel
  • Der Zustand des einst renommierten Studienhauses Rüspe ist desolat. Von einer realistischen Idee für den Gesamtkomplex fehlt derzeit jede Spur – das Insolvenzverfahren ist indes abgeschlossen. Foto: Martin Völkel
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vö - Was sich zuvor bereits über einen längeren Zeitraum angedeutet hatte, gab es am 4. Januar 2013 schwarz auf weiß: Das einst renommierte Studienhaus Rüspe war zahlungsunfähig, das Amtsgericht Siegen eröffnete unmittelbar nach dem Jahreswechsel das Insolvenzverfahren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres von der Kanzlei Andres und Schneider (Hagen und Düsseldorf) bestellt. Man führe Gespräche mit allen Beteiligten und sichere die Vermögenswerte im Sinne der Gläubiger, teilte der Sprecher der Kanzlei, Thomas Feldmann, seinerzeit auf Anfrage mit. Dazu gehörten an erster Stelle auch ehemalige Mitarbeiter des Studienhauses des Freien Bildungswerkes, die vergeblich auf ausstehende Gehälter warteten. Beschäftigte hatten über mehrere Monate ohne jegliche Bezahlung gearbeitet. Dem ehemaligen Betreiber-Ehepaar aus dem Ruhrgebiet, das trotz intensiver Bemühungen der SZ nie für eine Stellungnahme zu erreichen war, wurde unter anderem „unmenschliches Verhalten“ gegenüber den Mitarbeitern vorgeworfen. Trotz Vergleichen vor Gericht hatten die Mitarbeiter die ihnen zustehenden Gehälter nie bekommen – streng genommen nicht einen Cent.

Vor Gericht fiel mehrfach das Stichwort von vorsätzlicher Misswirtschaft. die Rede war davon, dass es seit 2005 kontinuierlich bergab gegangen sei. Trotz anderslautender Ankündigungen wurde in die Gebäude nichts mehr investiert, vielmehr wurde eine Mangelverwaltung praktiziert. Die Vorwürfe richteten sich auch gegen den Betreiberverein, dem Vorstand gehörte auch das besagte Ehepaar Oliver S. und Brigitte W. an. Zu besten Zeiten hatte das Studienhaus Rüspe (85 Betten) jährlich rund 200 antroposophisch ausgerichtete Kurse im Angebot. Und was ist draus geworden?

Die aktuelle Bekanntmachung des Amtsgerichtes Siegen ist eindeutig: Am 16. Mai sei bei Gericht die Anzeige des Insolvenzverwalters eingegangen, dass Masseunzulänglichkeit vorliege. Seither sei die Vollstreckung wegen einer Masseverbindlichkeit unzulässig: „Nach Verwertung des schuldnerischen Vermögens kann nunmehr die Einstellung des Verfahrens erfolgen.“ Die Massegläubiger könnten sich ebenfalls bis zum Prüfungsstichtag schriftlich äußern. Im Klartext bedeutet das so viel wie, dass alle Gläubiger leer ausgehen. Mehr ließ sich auf SZ-Anfrage auch der Insolvenzverwalter nicht entlocken. Nur so viel: „Jetzt wurde im Mai 2017 der Schlussbericht eingereicht und Massenunzulänglichkeit angezeigt.“ Keine Aussage dazu, wie es mit der Immobilie weiter gehen könnte.

Frühere Mitarbeiter und die Menschen in Rüspe sind einfach nur maßlos enttäuscht, weil der Verfall des Studienhauses täglich zu beobachten ist. Von einer Idee für das einst stark frequentierte Gebäude fehlt weit und breit jede Spur. Es gebe leider keinen anderen Stand als den vor vier Jahren, erklärte Kirchhundems Bürgermeister Andreas Reinéry im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Klar sei, dass die Kommune allein ein neues Projekt in Rüspe nicht stemmen können: „Wir brauchen Verbündete, mit denen sich etwas bewegen lässt.“ Dann könne man durchaus auch über Förderprogramme nachdenken.

Das hört sich allerdings nicht nach einer kurzfristigen Lösung an.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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