Suttner über Reitschusters Rede: »Sehe darin Vertrauensbruch«

Philharmonie-Vorstand sieht Basis zwischen Orchester und Apollo-Intendant erschüttert

aww Siegen. Die Vertrauensbasis zwischen dem Vorstand der Philharmonie Südwestfalen und den Machern des Apollo-Theaters ist zerbrochen – so sieht es Wolfgang Suttner, Geschäftsführender Vorstand des heimischen Orchesters, und reagiert mit dieser Aussage auf die programmatische Rede von Apollo-Intendant Magnus Reitschuster bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Apollo-Förderkreises am Dienstag. Darin hatte der Theatermacher die Erfüllbarkeit des 2000 vom Rat der Stadt Siegen beschlossenen Nutzungskonzeptes für das neue Siegener Theater aufgrund geänderter Rahmenbedingungen in Frage gestellt. Unter anderem hatte Reitschuster erwähnt, dass die Philharmonie eine 200-prozentige Erhöhung ihrer Honorare angekündigt hatte (wir berichteten).

»Wir sind erschrocken über den Stil, den Reitschuster anwendet«, empörte sich Suttner im Gespräch mit der SZ, nachdem er sich zuvor mit Philharmonie-Intendant Gernot Wojnarowicz auf eine gemeinsame Linie abgestimmt hatte. »Ich sehe darin einen Vertrauensbruch zwischen der Philharmonie und ihm (Reitschuster) als Veranstalter und Zuschussempfänger seitens des Kreises.«

Es sei nie die Rede davon gewesen, dass der Philharmonie-Vorstand eine Verdreifachung der Honorare anstrebe, will Suttner klargestellt wissen. In einem Gespräch Anfang August mit Reitschuster und dem Vorsitzenden des Apollo-Förderkreises, Walter Schwerdfeger, habe die Philharmonie-Leitung – neben vielen anderen Themen – lediglich den Punkt angeschnitten, dass es nicht bei der in diesem Jahr erfolgten Erhöhung von 10 Prozent (im Übrigen der ersten Preissteigerung seit zehn Jahren) bleiben könne, sondern dass es in Zukunft zu erheblich höheren Honoraren kommen müsse. Offen geblieben sei die Frage, wie dies letztlich umgesetzt und realisierbar gemacht werden könne (gegebenenfalls zum Beispiel auch durch eine Ausdünnung der Konzerthäufigkeit).

Abgesehen davon, dass Suttner die Mitgliederversammlung des Apollo-Förderkreises als »nicht geeigneten Platz« für die Öffentlichmachung einer »laufenden Verhandlungssituation« durch Reitschuster betrachtet, wirft er dem Apollo-Intendanten vor: »Er diskreditiert die Philharmonie.« Es werde der Anschein erweckt, als stelle das Orchester Forderungen, die das Apollo-Theater in Schwierigkeiten bringe. Suttner stellt die Frage, was damit wohl beabsichtigt werde: »Will man (Reitschuster) den Verhandlungsprozess stören? Ich weiß es nicht.«

Er wolle nicht, dass die Philharmonie für potenzielle (finanzielle) Probleme des Apollo-Theaters verantwortlich sei, meinte Suttner, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass das Orchester natürlich halbwegs kostendeckend arbeiten müsse. In erwähntem Gespräch Anfang August, so Suttner, habe Reitschuster auf die Ankündigung einer wie auch immer gearteten Honorarerhöhung geantwortet, Apollo könne überhaupt keine Erhöhung zahlen. Suttner: »Ich möchte nicht als Sündenbock für eine Kostenproblematik dastehen. Wir haben ihm (Reitschuster) bereits 2000 gesagt, dass das Haus (Apollo) zu klein ist, um genug Geld einzuspielen.«

Dass nie von einer 200-prozentigen Honorarerhöhung die Rede gewesen sei, wollten Magnus Reitschuster und Walter Schwerdfeger gestern auf Anfrage der SZ so nicht stehen lassen. Schwerdfeger bestätigte, dass Zahlen in ähnlicher Größenordnung genannt worden seien: »Wenn es nicht 200 Prozent waren, dann waren es vielleicht 150.« Zum Verständnis: In besagtem Gespräch kamen die Honorare zur Sprache, die die Philharmonie außerhalb des Kreisgebietes verlangt und die über den Daumen gepeilt dreimal so hoch sind wie bei »Heimspielen« in Siegen-Wittgenstein. Reitschuster zitierte gestern aus dem Gesprächsprotokoll, demzufolge der Philharmonie-Vorstand klargemacht habe, dass diese Summen im Kreisgebiet »nicht sofort zu erreichen« seien. Aber auch wenn diese Honorar-Ziele mittelfristig angepeilt würden, sei dies seitens Apollo nicht finanzierbar. Reitschuster abschließend: »Wenn ich aber jetzt höre, diese Aussage habe es nie gegeben, dann bin ich froh, dann können wir das direkt streichen.«

Weiterer Kritikpunkt Suttners war die Erwähnung der Konsensvereinbarung des Kreises mit Apollo zum Schutz kultureller Institutionen wie dem Lÿz, über den die Siegener Zeitung in ihrem Artikel zur Förderkreis-Mitgliederversammlung berichtet hatte. Reitschuster hatte dies in seinem Redemanuskript als weiteren Punkt angeführt, der die Durchführbarkeit des Apollo-Nutzungskonzeptes erschwere, der SZ-Autor hatte aus dem schriftlichen Manuskript zitiert. Das habe Reitschuster bei der Sitzung indes gar nicht erwähnt, stellte Lÿz-Chef Suttner richtig. Was nichts daran ändert, dass Reitschuster zu der Aussage steht: »Ich habe das lediglich aus Zeitgründen übersprungen. Die Aussage bleibt aber so bestehen.«

Walter Schwerdfeger versucht unterdessen, die Wogen zu glätten: »Die Lage zwischen Philharmonie und Apollo sollte nicht gespannt sein, und wenn sie es ist, werde ich jeden Beitrag dazu leisten, damit sie sich entspannt. Für mich ändert sich im Verhältnis zur Philharmonie nichts. Wir sind gute Partner. Wissen Sie, ich bin ein alter Kaufmann, und bei Kaufleuten ist das so, dass man sich zusammensetzt, durchaus auch kontrovers diskutieren kann und dann einen gemeinsamen Nenner findet.«

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