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Stadt Siegen möchte auf eigene Gebäude setzen
Systemsprenger sorgen für Kopfzerbrechen

Bis zu 30 Plätze für Wohnungslose bietet das „Hotel Acon“ in Weidenau.
  • Bis zu 30 Plätze für Wohnungslose bietet das „Hotel Acon“ in Weidenau.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

js Siegen. Die große Welle der Flüchtlingszuweisungen, mit der die Kommunen vor allem ab dem Jahr 2015 umgehen mussten und für die Wohnraum zur Verfügung gestellt werden musste, mag abgeebbt sein – einige damit verbundene Schwierigkeiten bereiten der Stadt Siegen weiterhin Kopfzerbrechen.
Noch immer ist eine ganze Reihe der seinerzeit Zugewiesenen darauf angewiesen, dass die Stadt ihnen eine Unterkunft gewährt. Für den regulären Wohnungsmarkt sind sie aus unterschiedlichen Gründen nicht geeignet. Die Verwaltung ist gefordert.

Um genau dieser Herausforderungen besser Herr zu werden, möchte die Stadt ihr Unterbringungskonzept anpassen. Bislang setzte sie zwar auf möglichst dezentrale Domizile – Massenunterkünfte sollen schon seit einem Ratsbeschluss von 2010 vermieden werden.

js Siegen. Die große Welle der Flüchtlingszuweisungen, mit der die Kommunen vor allem ab dem Jahr 2015 umgehen mussten und für die Wohnraum zur Verfügung gestellt werden musste, mag abgeebbt sein – einige damit verbundene Schwierigkeiten bereiten der Stadt Siegen weiterhin Kopfzerbrechen.
Noch immer ist eine ganze Reihe der seinerzeit Zugewiesenen darauf angewiesen, dass die Stadt ihnen eine Unterkunft gewährt. Für den regulären Wohnungsmarkt sind sie aus unterschiedlichen Gründen nicht geeignet. Die Verwaltung ist gefordert.

Um genau dieser Herausforderungen besser Herr zu werden, möchte die Stadt ihr Unterbringungskonzept anpassen. Bislang setzte sie zwar auf möglichst dezentrale Domizile – Massenunterkünfte sollen schon seit einem Ratsbeschluss von 2010 vermieden werden. In vielen Fällen aber ist die Verwaltung dabei angewiesen auf angemietete Wohnungen oder Zimmer. Das soll sich nun nach und nach ändern. Die Stadt setzt auf Eigentum.

Umfang von Unterbringungskapazitäten soll aufgebaut werden

Der Siegener Rat, so der Vorschlag, soll beschließen, Objekte zur Unterbringung von Menschen – ob mit Flüchtlingshintergrund oder mit Obdachlosigkeitsproblemen – vorrangig zu erwerben. Dadurch würde jedoch in Kauf genommen, dass es zumindest in einigen Fällen auch in größeren Immobilien zu zentralen, gebündelten Unterbringungen von schwieriger Klientel kommen könne. Der Umfang von Unterbringungskapazitäten in städtischem Eigentum soll nach und nach aufgebaut werden und mittelfristig den Bedarf vollkommen decken.

Dafür sprechen auf der einen Seite die Kosten. Niedrige Zinsen machen relativ günstigen Immobilienerwerb möglich. Auf der anderen Seite können die stattlichen Mietkosten für angemietete Unterkünfte sinken, derzeit fallen gut 800 000 Euro pro Jahr an. Aber auch ganz praktische Gründe und Notwendigkeiten sprechen aus Sicht der Stadtverwaltung für eine Notversorgung von Wohnungslosen und Zugewiesenen in kommunalen Liegenschaften. „Der Umgang mit der zu versorgenden Klientel gestaltet sich zunehmend problematischer“, teilt die Verwaltung zur Ratssitzung am Mittwoch mit.
Perspektivlosigkeit, psychische Probleme, Sucht, kriminelles Verhalten, Aggressivität – die Gründe, warum für einige Sonderfälle der reguläre Wohnungsmarkt nicht offen steht, sind vielfältig.

Potenzial für Ärger ist groß

Sachbeschädigung, Vandalismus Polizeieinsätze – das Potenzial für Ärger ist groß. Die Stadt muss sich um Schadensregulierung kümmern und fürchtet auch einen nachhaltigen Imageschaden als Mieterin.
Die Rede ist auch von sog. Systemsprengern – Extremfällen, die betreut und überwacht werden müssen. Wenn die Stadt mehr auf eigene Gebäude setzt, besteht auch die Möglichkeit, Arbeitsplätze des Fachpersonals in der Nähe der Wohnstätten anzusiedeln. Was die unfreiwillig Wohnungslosen angeht, so sind bereits 80 Prozent in städtischen Gebäuden untergebracht. Zahlreiche Personen wohnen aber noch immer in Mietwohnungen oder privaten Beherbergungsbetrieben – etwa im „Hotel Acon“ mit 30 Plätzen oder im Hof Obere Hengsbach mit zwölf Plätzen.

Als ersten Schritt setzt die Stadt in diesem Jahr auf ein Provisorium. Rund 150 000 Euro will sie in die Hand nehmen, um zunächst einmal sechs Wohncontainer zur Einzelunterbringung anzumieten. Diese sollen vandalismussicher ausgestattet sein und können Systemsprengern ein Dach über dem Kopf bieten. Gemeint sind beispielsweise „nicht führbare Personen mit zwei- bis dreistelliger Anzahl an Strafverfahren“ oder die im Zimmer zündeln und immer wieder für Polizei-, Feuerwehr- und Ordnungsamtseinsätze sorgen.

Wohnraum für zugewiesene Flüchtlingsfamilien

Angemieteter Wohnraum, so der Konzeptvorschlag, soll mittelfristig nur noch für zugewiesene Flüchtlingsfamilien und von Zwangsräumung bedrohte Familien genutzt werden.

Der sichere Hafen Die Stadt Siegen hat sich 2020 per Ratsbeschluss als „sicherer Hafen“ bereit erklärt, über die Anforderungen hinaus bis zu 50 besonders hilfebedürftige Menschen aus humanitärer Notlage aufzunehmen. Bislang wurden über diese „Seebrücke“ zwei Familien mit insgesamt zehn Personen aufgenommen. 284 Personen versorgt die Stadtderzeit nach den Bedingungen des Flüchtlingsaufnahmegesetzes.. Gestiegen ist die Zahl der Personen, die der Stadt Siegen über das Aufenthaltsgesetz zugewiesen wurden. Nach abgeschlossenem Asylverfahren wurde 2035 Menschen für zwei Jahre der Wohnsitz in der Krönchenstadt zugeordnet – das sind 300 mehr als im Vorjahr und 885 mehr, als Siegen eigentlich zugewiesen sein müssten. Für die Unterbringung in drei Übergangseinrichtungen und 60 Wohnungen stehen 509 Plätze zur Verfügung, 369 davon sind belegt. Im „Standby-Modus“ bleibt das Notquartier Winchenbach – für den Fall, dass Corona eine Massenquarantäne nötig machen sollte.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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