SZ

Von gelassen bis geschockt
SZ befragt „Impflinge“

Die SZ-Redaktion befragte einige Impflinge nach den Gedanken und Gefühlen, die sie nun beschäftigen.
  • Die SZ-Redaktion befragte einige Impflinge nach den Gedanken und Gefühlen, die sie nun beschäftigen.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

goeb Siegen. Eine „reine Vorsichtsmaßnahme“ nennt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die abrupte Aussetzung der Impfung mit dem Vakzin der Firma AstraZeneca am Montagnachmittag. Kurz zuvor hatten noch viele Bürger mit dem Status „priorisiert“ den Impfstoff gespritzt bekommen, ehe der Beschluss als Eilmeldung in Deutschland die Runde machte. Vor allem Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen betrifft das zurzeit. Nun fällt nicht nur ein Großteil der Impfdosen aus, auch Verunsicherung bricht sich Bahn. Die SZ-Redaktion befragte einige Impflinge nach den Gedanken und Gefühlen, die sie nun beschäftigen.
"Man hat es im Körper"Katharina Nawrath, Tagesmutter und Betreiberin der Einrichtung „Krönchenkinder“ in der Siegener Altstadt, ist am Montag um 12.45 Uhr in Eiserfeld geimpft worden.

goeb Siegen. Eine „reine Vorsichtsmaßnahme“ nennt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die abrupte Aussetzung der Impfung mit dem Vakzin der Firma AstraZeneca am Montagnachmittag. Kurz zuvor hatten noch viele Bürger mit dem Status „priorisiert“ den Impfstoff gespritzt bekommen, ehe der Beschluss als Eilmeldung in Deutschland die Runde machte. Vor allem Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen betrifft das zurzeit. Nun fällt nicht nur ein Großteil der Impfdosen aus, auch Verunsicherung bricht sich Bahn. Die SZ-Redaktion befragte einige Impflinge nach den Gedanken und Gefühlen, die sie nun beschäftigen.

"Man hat es im Körper"

Katharina Nawrath, Tagesmutter und Betreiberin der Einrichtung „Krönchenkinder“ in der Siegener Altstadt, ist am Montag um 12.45 Uhr in Eiserfeld geimpft worden. „Wer hätte das gedacht“, sagt sie im Gespräch. „Am Nachmittag habe ich von dem Stopp erfahren und von den möglichen Komplikationen, die es geben kann“, schildert sie. „Ich war regelrecht geschockt, weil man es nicht mehr rückgängig machen kann, denn man hat es im Körper.“ Die Immunreaktion in der folgenden Nacht war stark, erzählt sie. „Sehr starke Nacken- und Kopfschmerzen hatte ich, konnte deswegen kaum schlafen.“ Am Dienstagmorgen sei das aber wie weggeblasen gewesen. „Ich bin ein zuversichtlicher Mensch. Ich denke, dass ich es gut überstanden habe, und bin jetzt sehr froh, dass ich die erste Impfung habe. Das schützt bereits.“ Ihren zweiten Termin hätte sie am 7. Juni. „Bis dahin ist noch viel Zeit. Ich bin sicher, dass man eine Lösung finden wird.“

Hoffen auf zweite Impfung

Maria Bretthauer, ebenfalls Tagesmutter in Siegen, ist am Sonntag um 10 Uhr geimpft worden. Sie hatte in der Folge, besonders in der Nacht, Erkältungssymptome, berichtet sie, die am Montagabend bereits abgeklungen waren. Besondere Sorgen habe sie sich nicht gemacht, als sie die Nachricht erfuhr. „Ich hoffe, dass AstraZeneca wieder freigegeben werden kann und ich die zweite Impfung erhalte.“ Bei ihr überwiege die Erleichterung darüber, nun geimpft zu sein, gerade mit Blick auf Besuche bei ihren Eltern. Die Angst, selbst an Corona zu erkranken oder womöglich die Eltern anzustecken, habe sie viel mehr bewegt als die Sorge vor Komplikationen durch die Impfung.

Besser Aufklärung gewünscht

Annette Woldering vom Siegener Häusling ist am Donnerstag geimpft worden und hatte mehrere Tage lang mit Grippesymptomen zu kämpfen. „Das wollte ich am Montag nicht hören, dafür war mein persönlicher Preis zu hoch“, sagt sie halb im Scherz. „Aber im Ernst: Hätte man über die Risiken nicht früher aufklären können? Ich hatte von einer ärztlichen Freundin schon vorher gehört, dass Thrombosegefahr besteht. Da fragt man die Patienten doch mal nach der Disposition.“ Das Schwarz-Weiß-Denken nervt sie: Wochenlang liest man in den Medien, wie toll das Vakzin ist, und jetzt so etwas.“ Ihren 21-jährigen, skeptischen Sohn habe sie in langen Diskussionen für die Impfung gewinnen wollen. „Jetzt fühlt der sich natürlich bestätigt.“ Sie will sich ein zweites Mal impfen lassen. „Ich muss aber sagen: Ich fühle mich bei dem Thema von Politik und Ärzten ganz schlecht abgeholt.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen