SZ

Tag der Menschen mit Behinderung
SZ-Besuch in den AWo-Werkstätten

In der Werkstatt des Siegener Technik Service der AWo arbeiten psychisch kranke Menschen mit unterschiedlichsten beruflichen Vorerfahrungen. Komplizierter Schaltschrank? Für diese Beschäftigte nicht das geringste Problem.
  • In der Werkstatt des Siegener Technik Service der AWo arbeiten psychisch kranke Menschen mit unterschiedlichsten beruflichen Vorerfahrungen. Komplizierter Schaltschrank? Für diese Beschäftigte nicht das geringste Problem.
  • Foto: Sarah Benscheidt
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sabe Siegen. Ihren Namen möchte sie nicht verraten. Dafür aber, wie man einen komplizierten Schaltschrank zusammenbaut. Der rote Draht dorthin, der blaue dort drüben. Wenn es für das Laienauge nach kompliziertem Kabelsalat aussieht, behält die Beschäftigte vom Siegener STS (Siegener Technik Service) den Überblick. „Mir macht es Spaß, wenn ich meinen Kopf benutzen muss. Und ich arbeite gerne mit meinen Händen. Das Gefühl etwas geleistet zu haben, ist schön. Ich liebe die Arbeit. Seit ich hier bin, geht es mir psychisch viel besser. Hier gehöre ich her.“
Menschen mit Behinderung sollen teilhaben
Im STS, der AWo-Werkstatt für psychisch behinderte Menschen, wird geschraubt, gepresst, geklebt und gelötet, die Mitarbeiter schauen konzentriert auf ihre Arbeit.

sabe Siegen. Ihren Namen möchte sie nicht verraten. Dafür aber, wie man einen komplizierten Schaltschrank zusammenbaut. Der rote Draht dorthin, der blaue dort drüben. Wenn es für das Laienauge nach kompliziertem Kabelsalat aussieht, behält die Beschäftigte vom Siegener STS (Siegener Technik Service) den Überblick. „Mir macht es Spaß, wenn ich meinen Kopf benutzen muss. Und ich arbeite gerne mit meinen Händen. Das Gefühl etwas geleistet zu haben, ist schön. Ich liebe die Arbeit. Seit ich hier bin, geht es mir psychisch viel besser. Hier gehöre ich her.“

Menschen mit Behinderung sollen teilhaben

Im STS, der AWo-Werkstatt für psychisch behinderte Menschen, wird geschraubt, gepresst, geklebt und gelötet, die Mitarbeiter schauen konzentriert auf ihre Arbeit. Zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung hat die SZ sich mit den Geschäfts- und Betriebsleitern der Siegener Werkstätten getroffen.
Herausgekommen beim Rundgang unter strengsten Hygienemaßnahmen und (gar nicht mal so bequemen) Sicherheitsschuhen, ist ein Werkstattgespräch über Würde und Wohlergehen, Wirtschaftlichkeit und politische Versäumnisse, ein Blick hinter die Kulissen von Rehabilitationsprozessen und der steten Arbeit daran, Menschen mit Behinderung Teilhabe und Tätigkeit auch zwischen Lockdown und scharfen Hygienekonzepten zu ermöglichen.

Mehr Schwerbehinderte in NRW

Arbeit in der Werkstatt sichert die Tagesstruktur

Zehn Arbeitstage braucht der Schaltschrank, bis er nach getaner Arbeit in einem Feuerwehrauto verbaut wird. Die Pläne dafür sind aufwendig, die Arbeit auch. Und nicht nur die. Industrielle Montage, Metallbearbeitung, schrauben, pressen, kleben, stecken – in den verschiedenen Abteilungen geht es mächtig rund. Und das soll auch so bleiben. Das formulierte Ziel: Die Werkstatt an der Wallhausenstraße unter strengsten Hygienebeschränkungen offen zu halten. Der Geschäftsführer des AWo-Kreisverbandes Siegen-Olpe, Andreas Neumann: „Der soziale, zwischenmenschliche, der pädagogische, aber auch der ökonomische Aspekt sind ein wichtiger zu nennender Dreiklang.“
Die tägliche Arbeit in der Werkstatt, so erläutert Bereichsleiter Frank Büdenbender, sichere gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen die für sie so wichtige Tagesstruktur. „Wir sind quasi die Ersatzfamilie“, fügt sein Kollege Bernhard Krombach hinzu. Viele Beschäftigte seien durch ihre Erkrankung ohnehin sozial isoliert – „die Werkstatt ist für manche der einzige Ort, an dem sie Kontakte pflegen und Kollegen treffen können. Tragisch sei gerade für Menschen mit Behinderung – sei es nun psychisch oder physisch – der Zerfall ihres Alltäglichen. „Der Lockdown macht Lernprozesse hinfällig.“
Umso wichtiger also der beständige tägliche Austausch in den Werkstätten. Mit Blick auf das Pandemie-Geschehen müsse durch das Fachpersonal aufgeklärt werden, um Ängste zu nehmen. „Wir gehen hier beispielsweise jeden Tag mit den Beschäftigen die Hygieneregeln durch“, sagt Martin Schaufert vom AWo-Team. „Ansonsten läuft das Leben hier in gewohnten Bahnen. Das ist das wichtigste für die Menschen.“

Dringender Appell an die Politik

Und zwar nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten, wie Andreas Neumann deutlich macht. „Die Werkstätten sind ja auch Wirtschaftsbetriebe. Wir müssen also produzieren, um Löhne zu erwirtschaften. Aus den Akuthilfen der Politik fallen wir raus, weil Menschen mit Behinderung keine sozialversicherungspflichtigen Personen sind und haben somit keinen Anspruch auf Kurzarbeit.“ So falle man – trotz zeitweisem totalem und über das Jahr gesehenen stark geschwächten – Produktionsausfall aus bestimmten (Corona-bedingten) Hilfssystemen raus. „Das ist eine strukturelle Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Ein Missstand, den die Pandemie erst freigelegt habe. Sein Fazit: „Da muss die Politik nachsteuern.“

Zwei Kämpfer, die das Lachen nicht verlieren
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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