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Das Prozedere des Tests im Corona-Diagnose-Zentrum (Update)
SZ-Redakteur blickt Wahrheit ins Gesicht

Mit diesen Stäbchen werden Proben aus dem Rachen- und Nasenbereich genommen.
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  • Mit diesen Stäbchen werden Proben aus dem Rachen- und Nasenbereich genommen.
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+++ Update 4. April 14.23 Uhr +++

Am Samstagnachmittag, also zwei Tage nach dem Test, kam der Anruf vom Gesundheitsamt: Der Test auf das Coronavirus ist negativ ausgefallen.

cs Weidenau. „Man kommt sich vor wie ein Lepra-Kranker.“ Mit vorsichtigen Schritten schreitet die Frau über den Parkplatz der Uni-Sporthalle auf dem Haardter Berg, nähert sich langsam den beiden Security-Mitarbeitern, bei denen man sich für den Test im Corona-Diagnose-Zentrum anzumelden hat. Die beiden Männer geben mit ihren leuchtend gelben Jacken und den großen Atemschutzmasken, die das Gesicht weitestgehend verbergen, durchaus eine imposante Erscheinung ab. „Es ist einfach ein komisches Gefühl“, lässt die Frau durch ihre Atemschutzmaske verlauten.

+++ Update 4. April 14.23 Uhr +++

Am Samstagnachmittag, also zwei Tage nach dem Test, kam der Anruf vom Gesundheitsamt: Der Test auf das Coronavirus ist negativ ausgefallen.

cs Weidenau. „Man kommt sich vor wie ein Lepra-Kranker.“ Mit vorsichtigen Schritten schreitet die Frau über den Parkplatz der Uni-Sporthalle auf dem Haardter Berg, nähert sich langsam den beiden Security-Mitarbeitern, bei denen man sich für den Test im Corona-Diagnose-Zentrum anzumelden hat. Die beiden Männer geben mit ihren leuchtend gelben Jacken und den großen Atemschutzmasken, die das Gesicht weitestgehend verbergen, durchaus eine imposante Erscheinung ab. „Es ist einfach ein komisches Gefühl“, lässt die Frau durch ihre Atemschutzmaske verlauten. „Nicht nur für Sie“, lächelt einer der Männer vom Sicherheitsdienst. Auch ich wurde für diesen Donnerstag in die Räume der heimischen Hochschule bestellt – mein mulmiges Gefühl kann ich dabei kaum verbergen. Schließlich gelte ich bis zum Vorliegen des Testergebnisses als Corona-Verdachtsfall, ganz offiziell. Quarantäne-Anordnung für mich und meine Freundin inklusive.

Teststrecke setzt auf sauberen Ablauf

Wo sollte ich mit dem Coronavirus infiziert haben?

Am Anfang stand ein gewisses Maß an Unverständnis. Ja, seit einigen Tagen plagte mich eine hartnäckige Halsentzündung, hin und wieder begleitet von trockenen Husten, am Dienstagabend kam leicht erhöhte Temperatur hinzu. Aber seit gut zwei Wochen sitze ich im Homeoffice, habe kaum Kontakt zu anderen Menschen gehabt, mich natürlich möglichst penibel an die Hygienevorschriften gehalten. Wo bitte sollte ich mich mit dem Coronavirus infiziert haben können? Beim kurzen Sprung in den Supermarkt wohl kaum.

Dennoch, als ich am Telefon der medizinischen Fachangestellten „meines“ Hilchenbacher Hausarztes die Symptome schildere, antwortet diese wie aus der Pistole geschossen: „Glückwunsch, Sie haben gerade ein Ticket für das Gesundheitsamt gewonnen.“ Ich versuche abzuwiegeln, der festen Überzeugung, mir nirgends Covid-19 eingefangen haben zu können – eigentlich hatte ich mir lediglich ein einfaches Medikament gegen die Halsschmerzen erhofft. Es half alles nichts: Pflichtbewusst wies mich die Arzthelferin darauf hin, dass ich mich in häusliche Quarantäne begeben und auf den Anruf des Gesundheitsamtes warten solle.

Test-Termin um exakt 14.14 Uhr

Dann gilt es einiges zu organisieren: Sofort die Nachricht an die Eltern, sie mögen doch bitte für uns mit einkaufen. Den Postboten gilt es abzufangen – Kontakte müssen wir schließlich konsequent vermeiden. Gespräche mit dem Chef und den Kollegen stehen ebenfalls an. Außentermine darf ich als SZ-Redakteur in den kommenden Tagen nicht wahrnehmen.
Wenige Stunden später klingelt das Handy, es meldet sich eine Frau vom Gesundheitsamt und bestellt mich für exakt 14.14 Uhr in das neu geschaffene Zentrum auf dem Uni-Hügel. 14.14 Uhr? „Nicht wundern, der Zeitplan ist eng getaktet“, wird mir erklärt. Ob eine solch krumme Zeitangabe tatsächlich einzuhalten sein wird?
Am Abend kreisen die unangenehmen Fragen durch meinen Kopf. Was, wenn ich mich doch mit dem Coronavirus infiziert haben sollte? Habe ich andere angesteckt, unwissentlich – womöglich fahrlässig – in Gefahr gebracht? Hätte ich nicht schon viel früher beim Hausarzt anrufen müssen? Sollte ich schon einmal eine Liste mit all meinen Kontaktpersonen der vergangenen Tage erstellen? Besteht auf dem Haardter Berg vielleicht eine erhöhte Ansteckungsgefahr, allen beruhigenden Angaben von offizieller Seite zum Trotz?

Infoblatt beschreibt zwölf einzelne Schritte

Der eigens für Patienten abgesperrte Parkplatz ist jedenfalls gut ausgeschildert, auch nicht ortskundige Bürger finden sich hier schnell zurecht. Bei der Anmeldung draußen erhalte ich ein Infoblatt, auf dem in zwölf Punkten das Prozedere genauestens erklärt ist – im Auto warte ich nun mit offener Scheibe, bis ich aufgerufen werde. Es werden lange Minuten, eine schwer zu erklärende Aufregung steigt in mir hoch, immer wieder gehe ich die Schritte durch. Dann ist es soweit. Exakt um 14.12 Uhr werde ich aufgerufen.
Es geht die Treppe runter zur Anmeldung, wo ich zunächst sorgfältig die Hände desinfizieren muss. Die beiden Mitarbeiterinnen und ich werden durch weiß-rotes Absperrband getrennt. Spätestens, als ich mir die Atemschutzmaske überstreife, fühle ich mich wie ein Aussätziger.

Sicherheitsabstand ist oberstes Gebot!

Ein Gefühl, das im Untersuchungsraum nicht besser wird. Dort empfängt mich, genau um 14.14 Uhr, eine Frau in voller Schutzmontur und nimmt den Abstrich. Schnell noch einen Infoflyer über die Quarantäne eingesteckt, Hände erneut desinfiziert, Maske entsorgt – schon bin ich durch den Hintereingang verschwunden und ziemlich froh, als ich wieder in meinem Auto sitze und nach Hause fahre.
Alle Beteiligten waren nett, freundlich, hilfsbereit, im Diagnosezentrum greift ein Rädchen ins andere, mit anderen Kandidaten kommt man nicht in Kontakt. Dennoch: Mit meinem unguten Gefühl dürfte ich nicht alleine dastehen. Unabhängig vom Befund werde ich nun die Zeit nach Corona noch mehr zu schätzen wissen.

Mit diesen Stäbchen werden Proben aus dem Rachen- und Nasenbereich genommen.
Sicherheitsabstand ist oberstes Gebot!
Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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