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Terrorist lebte unauffällig in Siegen
Tadschiken sollten Islam-Gegner ermorden

Ein in Siegen lebender Terrorist gehört zu einer fünfköpfigen IS-Truppe, die von Syrien und Afghanistan aus geführt wurde.
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  • hochgeladen von Karl-Hermann Schlabach (Redakteur)

kalle Siegen/Karlsruhe. Er gehört zu einer Gruppe von Tadschiken, gegen die die Generalbundesanwaltschaft beim Bundesgerichtshof wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer Terrorzelle ermittelt. Bis zu seiner Verhaftung im vergangenen Jahr wohnte der Mann in Siegen. Was er in der Krönchenstadt machte, wo er genau wohnte, all das soll nicht an die Öffentlichkeit. Noch nicht. Gegen ihn, so ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft, werde weiterhin ermittelt. Ein staatsanwaltlicher Abschluss stehe kurz bevor, hieß der Siegener Zeitung gegenüber.

Mehrere Delikte vorgeworfenDer mutmaßliche Unterstützer des „IS“, also des sogenannten islamischen Staates, sitzt seit April 2019 in Untersuchungshaft. Sein Terrorkollege Ravsan B.

kalle Siegen/Karlsruhe. Er gehört zu einer Gruppe von Tadschiken, gegen die die Generalbundesanwaltschaft beim Bundesgerichtshof wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer Terrorzelle ermittelt. Bis zu seiner Verhaftung im vergangenen Jahr wohnte der Mann in Siegen. Was er in der Krönchenstadt machte, wo er genau wohnte, all das soll nicht an die Öffentlichkeit. Noch nicht. Gegen ihn, so ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft, werde weiterhin ermittelt. Ein staatsanwaltlicher Abschluss stehe kurz bevor, hieß der Siegener Zeitung gegenüber.

Mehrere Delikte vorgeworfen

Der mutmaßliche Unterstützer des „IS“, also des sogenannten islamischen Staates, sitzt seit April 2019 in Untersuchungshaft. Sein Terrorkollege Ravsan B., der bereits zuvor im März festgenommen worden war, ist laut den Strafermittlern hinreichend verdächtig, sich als Mitglied an der Terrorvereinigung beteiligt zu haben, wie die Generalbundesanwaltschaft in dieser Woche mitteilte. Die Anklage ist vor dem Staatschutzsenat des Oberlandesgerichts erhoben werden. Insgesamt hatte der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehle gegen fünf tadschikische Staatsangehörige ausgestellt. Neben Ravsan B. wurden Azizjon B., Muhammadali G., Farhodshoh K. und Sunatullokh K. festgenommen.

Die Vorwürfe gegen Ravsan B. wiegen schwer. Nicht nur die mutmaßliche Mitgliedschaft beim „IS“: So ist er zudem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wegen der Berschaffung einer Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, wegen Terrorismusfinanzierung sowie wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz angeklagt. Wie die SZ erfuhr, werden diese Delikte auch dem ehemals in Siegen lebenden Terrorverdächtigen vorgeworfen.

Konkrete Vorgaben

In der nunmehr zugestellten Anklageschrift ist im wesentlichen folgender Sachverhalt dargelegt: Im Januar 2019 haben die fünf Männer besagte Terrorzelle gegründet. Man hielt Kontakt zu Führungspersonen des „IS“ und wurden von Syrien und Afghanistan angeleitet und unterwiesen. Auch von einem ranghohen „IS“-Führer in Afghanistan. Von ihm erhielten die Mitglieder der Zelle zum einen „religiösen Unterricht“ im Sinne einer radikal-islamischen Glaubensauslegung. Zum anderen machte dieser Repräsentant des brutalen „Gottesstaates“ konkrete Vorgaben hinsichtlich des von der Zelle beabsichtigten Anschlags in Deutschland.

Zweifel verhindern Anschlag

Um finanziell auf die Beine zu kommen, nahmen die Mitglieder der Terrorzelle einen mit 40 000 US Dollar dotierten Auftrag zur Tötung eines albanischen Geschäftsmannes an. In Albanien angekommen observierten der Angeschuldigte und die drei weiteren Tatbeteiligten das potenzielle Anschlagsopfer über mehrere Tage und kundschafteten dessen Lebensgewohnheiten aus. Unmittelbar vor der geplanten Ausführung des Anschlags kamen ihnen jedoch Zweifel an der Identität der am beabsichtigten Anschlagsort erschienenen Person. Der Anschlag fiel ins Wasser.

Einen weiteren Mordauftrag Auftrag erhielt die Gruppe von einem Führungskader des IS in Afghanistan. Der hatte in Auftrag gegeben, einen Mann der in Deutschland lebt und sich kritisch über den Islam geäußert hatte, zu ermorden. Das ausgewählte Opfer wurde von einem Zellenmitglied beobachtet. Durch die Tat sollte ein Exempel statuiert und der Anschlag zu Propagandazwecken der IS verwendet werden.

SEK schlägt zu

Nach Angaben der Generalbundesanwaltschaft sollten vom Opfer Bilder fotografiert werden, die sodann mit einem Aufruf zum Kampf gegen die „Ungläubigen“ auf dem Internetportal YouTube veröffentlicht werden. Doch bevor die Gruppe die Tat umsetzte, schlug ein Sondereinsatzkommando zu. Die Schusswaffe konnte sichergestellt werden.

Neben den Planungen, einen Anschlag für den „IS“ in Deutschland zu begehen, soll der Angeschuldigte im Zusammenwirken mit weiteren Zellenmitgliedern die terroristische Vereinigung zugleich wirtschaftlich unterstützt haben. Hierzu transferierte er über einen in der Türkei ansässigen Finanzagenten im Februar 2019 in zwei Tranchen einen Gesamtbetrag von rund 1000 Euro an das IS-Führungsmitglied in Syrien.

Die Ermittlungen gegen die vier weiteren Terroristen laufen, werden aber nach SZ-Informationen in den nächsten Wochen abgeschlossen sein. Auch bei den Vieren, die in Untersuchungshaft sitzen, deutet vieles auf eine Anklage hin.

Autor:

Karl-Hermann Schlabach (Redakteur) aus Siegen

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