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„Tanzschuhe und Nägel für das Kanzleramt“
Tanzschulen fühlen sich von der Politik vergessen

Carsten Giesler (l.) und Rainer Prescher hängen symbolisch einen Tanzschuh an den Nagel.

sabe Geisweid. Er will die Behörde wieder anrufen. Obwohl er mit Blick auf die entsetzlich hohe Inzidenz ohnehin kaum Hoffnung hat, will er es nochmal versuchen. „Ein Anruf kostet ja nichts“, sagt Carsten Giesler, er pflegt in diesen Pandemietagen einen engem Kontakt mit dem Siegener Ordnungsamt.
Mal wieder will der Tanzlehrer erfragen, wie es aussieht, ob die Lage es zulässt, dass man im Tanzzentrum „Agne-Prescher“ in Geisweid nicht womöglich doch ein Paar unterrichten könnte. Etwa zwei Menschen aus einem Haushalt, die nachts im selben Bett schlafen und sich mit Hilfe des Tanzlehrers auf ihren Hochzeitstanz vorbereiten wollen. Die Antwort wird so negativ bleiben wie seit Wochen: Es ist nicht möglich. Die Tanzschulen bleiben zu. Der Tanzlehrer hat keine Arbeit. Ein trauriges Ritual.

sabe Geisweid. Er will die Behörde wieder anrufen. Obwohl er mit Blick auf die entsetzlich hohe Inzidenz ohnehin kaum Hoffnung hat, will er es nochmal versuchen. „Ein Anruf kostet ja nichts“, sagt Carsten Giesler, er pflegt in diesen Pandemietagen einen engem Kontakt mit dem Siegener Ordnungsamt.
Mal wieder will der Tanzlehrer erfragen, wie es aussieht, ob die Lage es zulässt, dass man im Tanzzentrum „Agne-Prescher“ in Geisweid nicht womöglich doch ein Paar unterrichten könnte. Etwa zwei Menschen aus einem Haushalt, die nachts im selben Bett schlafen und sich mit Hilfe des Tanzlehrers auf ihren Hochzeitstanz vorbereiten wollen. Die Antwort wird so negativ bleiben wie seit Wochen: Es ist nicht möglich. Die Tanzschulen bleiben zu. Der Tanzlehrer hat keine Arbeit. Ein trauriges Ritual.

"Soll ich die Tänzer auf dem Parkplatz vom Tedox unterrichten?"

Zwar gibt es eine momentane Beschlusslage, die Tanzschulen dazu befähigt zu arbeiten, allerdings ist die Umsetzung für das Team von Rainer Prescher nicht nur kaum, sondern gar nicht möglich. Bis zu fünf Personen dürfen demnach unter freiem Himmel tanzen – Tanzlehrer eingeschlossen. Dem Tanzzentrum aus Geisweid geht diese Möglichkeit allein von der Konstitution ab. „Soll ich die Tänzer draußen auf dem Parkplatz vom Tedox unterrichten?“ Carsten Giesler erwartet eigentlich keine Antwort. Seit über 30 Jahren gehört er zum Team. Im kommenden Oktober will er mit „Agne-Prescher“ eigentlich das 40-jährige Bestehen feiern. Ob die Veranstaltung stattfinden wird, steht in den Sternen.

Genau wie die Zukunft der Tanzschaffenden und Tanzschulen. Keinerlei Öffnungsperspektiven. Hilfen federn nicht mal die Fixkosten ab – ein Kontinuum seit fast einem Jahr, nur die Lockerungen im Sommer ausgenommen, da durfte unter scharfen Auflagen wieder getanzt werden. Ohne Partnertausch und mit Abstand. Seit dem 2. November ist alles wieder dicht, seitdem ist die Lage unverändert düster, die Zukunft nicht minder.

Tanzschulen fühlen sich in der Corona-Pandemie vergessen

Die Branche fühlt sich deshalb vergessen, ins hinterste Eck geschoben, irgendwo in die Rubrik „Kontaktsport“ verbannt. Dabei, sagt Carsten Giesler, handele es sich beim Tanzen doch eher um Individualsport. Kein Wunder, die Tanzschulen wollen sich raushieven aus dem Vakuum, man will „gehört und gesehen werden.

Die Aktion „Tanzschuhe und Nägel für das Kanzleramt“ hat deshalb einen tieferen Sinn. Man will der Politik symbolträchtig zeigen, dass die Tanzschuhe bald an den Nagel gehangen werden könnten, falls Pandemie und Lockdown so weitergingen wie jetzt. Viele Akteure haben mitgemacht, darunter das Tanzzentrum. Verbände von Tanzlehrenden, Tanzschaffende, Unternehmer im Bereich Tanz, alle sind dabei. Ob die Tanzschuhe aus Geisweid im Kanzleramts-Postfach landen werden, ob die Nägel und Schuhe den Nerv der Politiker treffen? „Ob das da oben jemanden interessiert“, müsse man abwarten, meint Giesler. „Aber die Aktion ist zumindest ein Strohhalm, an den man sich klammern kann.“
Der große Wunsch dabei aus Sicht des Tanzzentrums: „Zumindest wollen wir so weitermachen wie im Sommer.“ Schon da habe man bewiesen, dass Tanzen und Tanzunterricht hygienekonform möglich seien.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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