Tausende für Toleranz

Knapp 3000 Menschen kamen im Zeichen der Toleranz auf dem Marktplatz in Bad Marienberg zusammen. Foto: dach  Durch Bad Marienberg zogen gestern Abend 300 bis 400 Menschen – mit Organisator Torsten Frank (M.) vorweg. Foto: dach
  • Knapp 3000 Menschen kamen im Zeichen der Toleranz auf dem Marktplatz in Bad Marienberg zusammen. Foto: dach Durch Bad Marienberg zogen gestern Abend 300 bis 400 Menschen – mit Organisator Torsten Frank (M.) vorweg. Foto: dach
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dach/goeb - Ministerpräsidentin Malu Dreyer brachte es vor annähernd 3000 Menschen auf dem Marktplatz von Bad Marienberg gestern Abend auf den Punkt: „Ich habe mir sagen lassen, dass den Westerwäldern das lange Stehen im Regen nichts ausmacht.“

Ein unangenehmer Nieselregen hüllte das verträumte Kurstädtchen Bad Marienberg in ein nasses Gewand, doch der Aufruf des kurzfristig aus der Taufe gehobenen „Wäller Bündnisses für Menschlichkeit und Toleranz“ zog trotzdem die Massen an. Dass man ein Zeichen setzen wollte für eine Willkommenskultur gegenüber den Kriegsflüchtlingen, das lag auch an der Veranstaltung einen Steinwurf entfernt.

Dort hatte Organisator Torsten Frank zu einer Art Pegida-Demo („Der Westerwald steht auf“) aufgerufen, um seinen Unmut über die politische Großwetterlage kundzutun. Entzündet hatte sich die Kontroverse an der Ankündigung der Landesregierung, in der ehemaligen Kaserne auf dem Stegskopf als Erstaufnahme-Einrichtung eventuell bis zu 5000 Flüchtlinge zu beherbergen. Doch nur etwa 300 Menschen wollten die Ausführungen von Frank und „Ed aus Utrecht“, der auch schon bei Pegida gesprochen hat, folgen – dafür allerdings ging es lautstark ab.

Der Marktplatz wurde indes von den Massen beherrscht. Das halbe rheinland-pfälzische Kabinett stand auf dem Podium, neben der Ministerpräsidentin die Ministerinnen Irene Alt, Eveline Lemke und Sabine Bätzing-Lichtenthäler sowie Innenstaatssekretär Günter Kern. Außerdem brachen Stadtbürgermeisterin Sabine Willwacher, Landrat Achim Schwickert, Uwe Wallbrecher (IG Metall Betzdorf) sowie die Pfarrer Salzmann und Roth eine Lanze für das friedliche Miteinander.

Das Recht auf Asyl dürfe nicht ausgehöhlt werden. „Haltung zeigen und null Toleranz gegenüber Fremdenfeindlichkeit“, appellierte Dreyer unter starkem Applaus. Die Würde des Menschen sei unantastbar. Und konkret zum Stegskopf: Bis Mitte November sollen 1500 Flüchtlinge kommen. Parallel laufe eine „Verträglichkeitsprüfung“, so Dreyer. Sie schenkte reinen Wein ein; „Wir würden gerne 3000 Menschen dort unterbringen. Das werden wir auf dem Stegskopf gut hinbekommen.“

Während die Toleranz-Kundgebung bereits lief, versammelte sich unweit auf der Bismarckstraße die Anhängerschaft der Facebook-Gruppe „Der Westerwald steht auf“. Das fiel zwei Nummern kleiner aus: So diente etwa eine Parkbank als Bühne.

Nachdem Organisator Frank und dessen „Freund Ed“ gesprochen hatten, ging es in einem Aufzug über die Straßen des Stadtkerns. Gleich nach einigen Metern kam es zum ersten Aufeinandertreffen mit einer Gruppe aus dem Antifa-Lager, die den Protestlern Slogans wie „Ihr habt den Krieg verlor’n“ im Stile eines Fußball-Schlachtrufs entgegenwarf. Antworten à la „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ ließen nicht lange auf sich warten. Größere Zwischenfälle blieben allerdings aus.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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