Teils über 50 Grad in den Zelten

Marcus Sting leitete im Feldkrankenhaus Carrefour das Base Camp für die DRK-Helfer.  Foto: kk

kk Weidenau. „Wir sind froh, dass er heil zurück ist. Denn eine Restsorge bleibt immer.“ Mit diesen Worten begrüßte gestern Annemarie Bender als stellv, Vorsitzende des DRK-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein Marcus Sting. Fünf Wochen lang war dieser im Erdbebengebiet von Haiti im Einsatz gewesen, vor exakt einer Woche kehrte er ins Siegerland zurück.

„Ich habe mich manchmal wie ein Jugendherbergsleiter gefühlt“, so eine Einsatzbilanz des Helfers. Mit drei weiteren Rotkreuzmitarbeitern leitete er das Feldkrankenhaus im Fußballstadion von Carrefour. Zuständig war er dabei für das Hospital Base Camp, in dem rund 90 Rotkreuzhelfer untergebracht sind. „Meine Aufgaben waren leiten, managen, zusehen, dass alles funktioniert.“ Der Zuständigkeitsbereich reichte von der Essensbeschaffung bis hin zur Sorge für funktionierende Duschen und Toiletten. Im Base Camp befinden sich 45 Zwei-Personen-Zelte, eine große Essens- und Aufenthaltshalle, zwei Küchenzelte mit Großküchenausstattung, fünf Lagerzelte, Technikzelte und eine Wäscherei. „Wir haben alles mitgebracht“, blickt Sting zurück. Alles Notwendige musste auf dem Fußballplatz installiert werden. Drainagen und Abwasserkanäle wurden gegraben, Wege angelegt.

Auch der Einkauf war zeitaufwendig und ein wenig abenteuerlich. „Für 15 bis 20 Kilometer braucht man rund zwei Stunden.“ Beim Einkauf könnten es über Nebenstraßen auch mal sechs Stunden werden. Im Base Camp selbst leben Helfer aus 14 Nationen. Sting: „Das internationale Team war für mich eine Bereicherung.“ Und weiter: „Wir haben uns alle vorher nicht gekannt, und es hat dennoch alles gut funktioniert.“ Beschäftigt waren auch haitianische Mitarbeiter. Denn, so Sting: „Ziel ist es, das Krankenhaus einmal an Einheimische zu übergeben. In der Küche klappte das schon ganz gut.“

Im Krankenhaus selbst wurden in den zurückliegenden zwei Monaten täglich fast 350 Patienten in der Ambulanz und 90 Patienten auf den Stationen versorgt. Schießereien und Unfälle seien keine Seltenheit. Mittlerweile erblickten auf der Mutter-Kind-Station 180 Kinder das Licht der Welt.

Die Arbeitsbedingungen vor Ort seien teilweise schwierig gewesen, berichtet der Helfer. „Die Temperaturen stiegen tagsüber auf 35 bis 40 Grad, in den Zelten teilweise auf über 50 Grad. Die Luft war durch den trockenen Staub so verunreinigt, dass man zeitweise kaum atmen konnte.“ Durch Sicherheitsvorschriften sei zwischen 18 und 6 Uhr kein Verlassen des Krankenhauses für die Rotkreuzmitarbeiter möglich gewesen: „Das zehrt am Gemüt und den Nerven.“ Umso wichtiger sei die gute Stimmung im Camp gewesen.Aufgrund der Regenzeit ab Ende April sowie der beginnenden Hurrikansaison ab Ende Juli wird auf Hochtouren daran gearbeitet, das Krankenhaus in festen Mauern unterzubringen. Ins Auge gefasst ist ein leerstehendes Krankenhaus. Sting: „Es wird statisch überprüft. Es sieht ganz gut aus, dass wir dort einziehen können.“Mindestens 700 000 Erdbebenopfer leben in provisorischen Unterkünften. Auch sie benötigen vor der Regenzeit erdbeben- und hurrikansichere Unterkünfte. Das DRK will zunächst 1000 einfache Gebäude auf Betonplatten mit Holzständergerüst und Wellblechdach errichten. Etliche weitere Hilfsmaßnahmen sind angelaufen oder geplant. Deshalb bittet das DRK weiterhin dringend um Geldspenden, um die Arbeit in Haiti langfristig weiterführen zu können.Übrigens: Seit wenigen Tagen befindet Joachim Steinbrück, ebenfalls DRK-Helfer aus dem Siegerland, im Einsatz in Haiti.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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