SZ

Corona verändert den Alltag der Hausärzte
Telefone laufen heiß

Ina Schneider ist Hausärztin und führt sie derzeit unzählige Gespräche wegen des Coronavirus. Patienten versuchen, den Besuch in der Praxis zu umgehen.  Foto: rt
  • Ina Schneider ist Hausärztin und führt sie derzeit unzählige Gespräche wegen des Coronavirus. Patienten versuchen, den Besuch in der Praxis zu umgehen. Foto: rt
  • hochgeladen von Sarah Panthel (Redakteurin)

sp Siegen/Kirchen/Erndtebrück. Der Griff zum Hörer fällt den meisten Menschen in diesen Tagen deutlich leichter, als der Gang in die Praxis ihrer Hausärzte. Die bekommen zurzeit zahlreiche Anrufe von besorgten Patienten, die Fragen zu Covid-19 haben, der Erkrankung die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird. Viele haben das Bedürfnis, sich testen zu lassen, wenn sie zum Beispiel Symptome wie Husten haben.

„Die Panik bei Alten wie bei Jungen ist unfassbar groß“, und das sei das Hauptproblem, sagt Dr. Ina Schneider, Fachärztin für Innere Medizin und Allgemeinmedizin. Oft seien es auch normale Erkältungserscheinungen, die zu dieser Jahreszeit aufträten. „Viele Leute wollen getestet werden, aber nicht alle können getestet werden.

sp Siegen/Kirchen/Erndtebrück. Der Griff zum Hörer fällt den meisten Menschen in diesen Tagen deutlich leichter, als der Gang in die Praxis ihrer Hausärzte. Die bekommen zurzeit zahlreiche Anrufe von besorgten Patienten, die Fragen zu Covid-19 haben, der Erkrankung die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird. Viele haben das Bedürfnis, sich testen zu lassen, wenn sie zum Beispiel Symptome wie Husten haben.

„Die Panik bei Alten wie bei Jungen ist unfassbar groß“, und das sei das Hauptproblem, sagt Dr. Ina Schneider, Fachärztin für Innere Medizin und Allgemeinmedizin. Oft seien es auch normale Erkältungserscheinungen, die zu dieser Jahreszeit aufträten. „Viele Leute wollen getestet werden, aber nicht alle können getestet werden.“ Die Verunsicherung sei groß, deshalb riefen extrem viele Patienten an. Arzthelferinnen nähmen an zwei Telefonplätzen die Gespräche entgegen und erstellten eine Rückrufliste, die sie abarbeite, so Schneider. Den Gang in die Praxis versuchten viele zu vermeiden, beispielsweise für eine Krankschreibung. Unter bestimmten Umständen könne sie diese auch telefonisch ausstellen, sagt die Hausärztin. Routine-Untersuchungen und Check-ups seien zum Teil verschoben worden.

Keine Nachlieferung von Handschuhen und Co. 

Weiterhin kämen allerdings Personen, die etwa eine Blutentnahme bräuchten, aus dem Krankenhaus entlassen worden seien oder eine Verletzung hätten. Patienten mit schweren Infekten wie einer Bronchitis würden erst gegen Ende der Sprechstunden kommen. Verdachtsfälle würden im Übrigen die Praxis erst gar nicht betreten, sondern direkt an das Gesundheitsamt verwiesen. Als Vorsichtsmaßnahme arbeiten Schneider und ihr Team dennoch seit vergangenem Dienstag mit FFP2-Masken und Handschuhen. Und nach wie vor wird Desinfektionsmittel benötigt. Das Problem: Sie wisse nicht, wann diese Materialien wieder geliefert werden könnten.

Wer die Nummer von Dr. Oliver Haas aus Erndtebrück wählt, der bekommt momentan nicht selten die Antwort: „Zurzeit sind alle Leitungen belegt.“ Es dauert ein paar Momente, bis der Anruf entgegengenommen werden kann, denn der telefonische Andrang ist groß. Ähnlich wie bei Ina Schneider wollen viele Menschen wissen, ob sie getestet werden müssen – viele müssten es nicht, sagt Dr. Oliver Haas: „Das muss man denen zehn Minuten erklären.“ Noch ist kein nachgewiesener Fall in Erndtebrück bekannt, sollte es dazu kommen, „dann wird auch die Hysterie kommen“, vermutet Haas. „Ich habe bereits ganz viele Angst-Patienten“, ergänzt er. Menschen, die Symptome schilderten wie Brennen in der Lunge, aber selbst schon anmerkten, dass sie eigentlich nicht glaubten, dass es Covid-19 sei. „Ich versuche, Dampf aus dem Kessel zu nehmen“, sagt der Hausarzt. Deshalb lege auch er Patienten mit Erkältungssymptomen an den Randbereich der Sprechstunden, damit keine Panik aufkomme.

"Ruhe vor dem Sturm"

Dr. Volker Thielmann empfindet die aktuelle Situation als „Ruhe vor dem Sturm“. Die Anzahl der Patienten sei deutlich zurückgegangen, stattdessen gebe es auch in seiner Kirchener Gemeinschaftspraxis besonders viele Anrufe. „Patienten versuchen, die Praxis zu meiden.“ Normalerweise würden etwa zehn Arztgespräche am Tag telefonisch geführt, jetzt seien es etwa 60. Mittlerweile telefoniere er sogar mit seinem eigenen Smartphone, weil alle Leitungen belegt seien. Die Liste mit gewünschten Rückrufen sei durchgehend gefüllt.

Auch Thielmann hat Schutzmaßnahmen in der Praxis eingeführt: Weniger Stühle im Wartezimmer für mehr Abstand, Plexiglasscheiben für die Arzthelferinnen. Patienten mit Infekten kommen auch hier am Rande der Sprechstunden, um chronisch Kranke zu schützen. Es gehe darum, „die Praxis ,corona-fest’ zu machen“, sagt Thielmann. Und dabei versuche er immer, sich nach den aktuellen Empfehlungen beispielsweise des Robert-Koch-Instituts zu richten. „Es dauert fast eine Stunde am Tag, die durchzulesen.“

Thielmann merkt an, dass es bislang nur etwa 30 Personen im Kreis Altenkirchen gebe, die ein positives Testergebnis hätten. Er hoffe es nicht, vermute aber, dass es mehr würden. Dann müssten weitere Maßnahmen erfolgen. Es brauche „Covid-Praxen“. Aber wo die sein könnten und wie sie ausgestattet werden würden, stehe noch nicht fest. Zudem könnten Hausärzte auch gefragt sein für die Betreuung und Behandlung der Covid-19-Erkrankten zu Hause.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Pizzeria da Pino in Geisweid wird 30 Jahre alt. Das Team freut sich über und mit seinen Gästen.
3 Bilder

"Unsere Gäste haben zu uns gehalten"
Pizzeria da Pino feiert Geburtstag

In diesem Jahr wird die Pizzeria da Pino an der Röntgenstraße 9 in Geisweid 30 Jahre alt und hat das mit Gästen und Freunden in geselliger Runde gefeiert. „Wir sind einfach froh und dankbar, dass unsere Kunden und ihre Kinder und Enkelkinder uns so lange die Treue gehalten haben und immer noch halten”, sagt Maria Giannetti. "Unsere Gäste haben zu uns gehalten"„Gerade die zurückliegenden Monate der Pandemie waren für uns alles andere als einfach. Aber umso mehr haben wir uns darüber gefreut,...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen