Temporeich in Richtung 2010

Spätestens beim „Jailhouse Rock“ der „Blues Brothers“ war das Siegener Publikum nicht mehr zu halten. Foto: mick
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mick Siegen. Das Siegener Publikum brauchte ein wenig, um in Stimmung zu kommen. Zum Schluss gab es dann aber donnernden Applaus – und ohne Zugabe kamen die „Blues Brothers“ am Silvesterabend (an dem sie gleich zweimal spielten) nicht von der Bühne des Apollo-Theaters. Die Idee ist so neu nicht, einen erfolgreichen Film für das Theater zu adaptieren. Aus jüngerer Zeit fällt der „Lion King“ ein, in den 70ern kam in den USA der Jimmy-Stewart-Western „Shenandoah“ als Musical an den Broadway. Das war auch die Zeit, in der die TV-Ikonen John Belushi und Dan Aykroyd ihre Liebe zum Blues mit einer Band manifestierten und mit den „Blues Brothers“ 1980 im Kino ein bleibendes Denkmal setzten.

Zu Beginn der Geschichte wird Jake Blues (Jonathan Agar) aus dem Gefängnis entlassen und von Bruder Elwood (Léon van Leeuwenberg) abgeholt, am Ende landet das Duo gemeinsam hinter Gittern. Dazwischen haben die beiden es geschafft, 5000 Dollar zur Rettung des Waisenhauses aufzutreiben, in dem sie aufgewachsen sind. „Blues Brothers“ ist ein kultiges Road Movie, die Brüder ziehen durchs Land, um ihre alte Band wieder zusammenzubringen, um das Geld bei einem großen Benefizkonzert zu ersingen.

Dabei legen sie sich mit der Polizei, dem Besitzer von „Bobs Country Bunker“ und der amerikanischen Nazi-Partei an, es kommt zu ausgiebigen Verfolgungsjagden mit Crash-Garantie. Das auf die Bühne zu bringen, dürfte die größte Herausforderung gewesen sein und ist den Machern erstaunlich gut geraten.

Mit an Mikrofonständern angebrachten Scheinwerfern, reichlich Sound-Effekten und viel pantomimischer Kunst der Schauspieler werden die „Car-Chases“ nachgestellt, überwiegend gelungen und nur selten ins allzu Absurde abgleitend. Surreale Momente bestimmen überhaupt das Spiel, in einer Szene verstecken sich die beiden Bühnen-Blues-Brüder sogar hinter einem Foto von Belushi und Aykroyd. Der ironisch-kritische Blick auf die amerikanische Lebensart wird wie im Film von vielen Songs begleitet, als nostalgische Reise durch die Musikgeschichte. Die erste Verfolgungsjagd wird von Henry Mancinis „Peter-Gunn“-Thema untermalt, „Volare“ gehört ebenso zum Soundtrack, wie Cab Calloways „Minnie The Moocher“, letzteres von Sabine Ruflair (in der eigentlichen Männerrolle Curtis) recht überzeugend dargeboten.

Die beiden Hauptdarsteller machen ihre gesangliche Sache auch ganz ordentlich, dürfen unter anderem den Titelsong der klassischen Westernserie „Rawhide“ anstimmen, in der Clint Eastwood sieben Jahre lang sein Handwerk lernte, und anschließend noch Tammy Wynettes unsterbliches „Stand By Your Man“. Zum Schluss im Knast folgt dann, wen wundert’s, Leiber und Stollers „Jailhouse Rock“. Nicht ganz so überzeugend sind die übrigen männlichen Schauspieler des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel, wo das Stück im Juni Premiere feierte. Die Polizisten (Kristoffer Kreudel und Guido Thurk) sowie Bob vom Country Bunker (Dennis Laubenthal) könnten durchaus ein wenig mehr Gelassenheit und amerikanische Coolness vertragen. Aber das und ein paar inszenatorische Schwächen können den durchaus überzeugenden Gesamteindruck nicht schmälern. Keiner der Zuschauer dürfte es bereut haben, den Silvesterabend im Apollo-Theater verbracht zu haben.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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