Tier-Paparazzi lösen Sperrung aus

 Ein Waldgebiet nahe Fischelbach ist gesperrt, um das Wild in der Brunft vor Fotografen zu schützen, auch die Jagdausübung soll hier nicht gestört werden. Die Sperrung hat eine Vorgeschichte. Foto: Holger Weber
  • Ein Waldgebiet nahe Fischelbach ist gesperrt, um das Wild in der Brunft vor Fotografen zu schützen, auch die Jagdausübung soll hier nicht gestört werden. Die Sperrung hat eine Vorgeschichte. Foto: Holger Weber
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bw - Dass Diskussionen von Jagdgegnern und Jägern allzu oft in Beschimpfungen ausarten, ist leider nicht neu. Sachlich zu bleiben, fällt manchen Beteiligten angesichts der fundamentalen Unterschiede in den Sichtweisen schwer. Zu bemerken ist das momentan in einschlägigen Diskussionsforen im Internet. Es geht um ein aktuelles Waldbetretungsverbot in einem Forst nahe Fischelbach. Kein Einzelfall in Wittgenstein, aber trotzdem Auslöser für einen erbitterten Schlagabtausch. Das Ganze hat indes eine Vorgeschichte, über die unsere Zeitung im Herbst 2015 bereits ausführlich berichtet hat. Seinerzeit war ein Naturfotograf aus dem Raum Eschenburg in dem besagten Waldstück in Fischelbach einem Jäger in die Quere gekommen.

Der Fotograf und Jagdgegner wollte offenbar einen Hirsch ablichten und der Jäger den Hirsch erlegen. Der Kreis Siegen-Wittgenstein als Untere Jagdbehörde veranlasste daher ein Bußgeldverfahren nach einer Anzeige der Rentkammer Wittgenstein. Für diese Ordnungswidrigkeit, Jagdausübung und Wildtiere gestört zu haben, sollte der Natur- und Tierfotograf nun eine Strafe in einer Höhe von bis zu 5000 Euro zahlen. In der Folge entwickelte sich eine Schmutzkampagne gegen eine Mitarbeiterin der Unteren Jagdbehörde, die von einer „Mitmach-Zeitung“, in der Bürgerreporter ihre (wenig journalistischen) Texte veröffentlichen dürfen, angegriffen wurde – auf persönliche, verletzende Weise. Übrigens: Das besagte Bußgeldverfahren gegen den Fotografen wurde eingestellt, da hier letztlich Aussage gegen Aussage stand, wie die Siegener Zeitung gestern erfuhr.

Ein Jahr später ist wieder Hirschbrunft und das Waldstück bei Fischelbach ist weiterhin für Naturfotografen ein sehr beliebter Anlaufpunkt. Weil sich aber der Eschenburger Fotograf im vergangenen Jahr nicht an die üblichen Spielregeln gehalten hat, stellte die Rentkammer Wittgenstein für ein rund 87 Hektar großes Waldstück den Antrag auf eine Sperrung, die das Regionalforstamt in Hilchenbach auch genehmigte. Damit wird das Waldbetretungsrecht für die Dauer der Brunft, genauer vom 1. September und bis zum 15. Oktober, außer Kraft gesetzt. Ein völlig normaler Vorgang, wie Forstamtsleiter Diethard Altrogge auf Anfrage der Siegener Zeitung gestern betonte. Ein Einzelfall ist es nicht, allein in Wittgenstein sind derzeit vier Waldflächen gesperrt, sagte Klaus Münker vom Regionalforstamt. Er verweist auf Paragraph 4 des Landesforstgesetzes. Darin heißt es:

Waldsperrungen sind auch gar nicht so selten. Im Raum Bad Berleburg gebe es einige Betretungsverbote, um die Futterstellen für das Wild zu schützen. Zumeist sind Sperrungen zeitlich begrenzt auf ganz wenige Tage, andere Sperrungen dauern hingegen länger an. Eines indes machte Diethard Altrogge im Gespräch mit Heimatzeitung deutlich: Das Unternehmen Center-Forst, zu dem die Laaspher Rentkammer Wittgenstein gehört, habe bislang meist auf Sperrungen verzichtet. „Hier gab es aber ganz erhebliche Störungen“, rechtfertigt der Forstamtsleiter die Sperrung.

Das Verbot für das in Relation zur gesamten Waldfläche kleine Gebiet sei ja für die normale Bevölkerung vollkommen in Ordnung, stellte Diethard Altrogge auch fest. Der „Wanderverkehr“ werde um die Sperrung herumgeleitet. Mit dem normalen Waldbesucher hat ja auch Henning Graf Kanitz „überhaupt keine Probleme“. Er bedauerte, dass das Bußgeldverfahren gegen den Fotografen aus Eschenburg im vergangenen Jahr niedergeschlagen worden sei. Deswegen sei die Rentkammer zu der Waldsperrung quasi gezwungen gewesen, um ähnliche Vorfälle wie im vergangenen Jahr im Privatwald zu verhindern.

Dass freilich in manchen Internetforen nun angekündigt worden sei, die Sperrung nicht zu beachten und das entsprechende Waldgebiet trotzdem zu betreten, wertete Henning Graf Kanitz als „Aufforderung zu einem Rechtsbruch“. Tatsächlich wäre ein Betreten des offiziell gesperrten Waldgebietes eine Ordnungswidrigkeit, wie Klaus Münker erläuterte. Auf Unwissen könnte der Eschenburger nicht verweisen, er hat sich nach SZ-Informationen im Regionalforstamt über die Sperrung erkundigt. Und auch die Homepage des Fotografen macht deutlich, was er von der Sperrung des Waldgebietes, in das sich das Wild zurückzieht, hält: „Waldsperrung wegen Jagdausübung? Dafür ist eine Sperrung ganz sicher nicht zulässig, denn das allgemeine Interesse überwiegt wohl das Interesse einzelner Hobbyjäger.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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