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Erlebnis im Grünen ist gefragt
Tourismusbranche schreibt tiefrote Zahlen

Urlaubsziele im Grünen und Campingplätze wie dieser in Bad Laasphe stehen in der Pandemie hoch im Kurs.
  • Urlaubsziele im Grünen und Campingplätze wie dieser in Bad Laasphe stehen in der Pandemie hoch im Kurs.
  • Foto: Christian Völkel
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ihm Siegen/Olpe. Um 38 Prozent ist die Zahl der Gäste-Übernachtungen im Kreis Siegen-Wittgenstein 2020 zurückgegangen – ein drastischer Einbruch, der viele Betriebe in Existenznot brachte. Diese Zahl liefert das Tourismus-Barometer, das im Auftrag der Sparkassen in Westfalen-Lippe die Lage beobachtet.

Im Vergleich zu den anderen Gebieten in Westfalen-Lippe steht Siegen-Wittgenstein als kleinste Tourismus-Region noch ganz gut da. Weniger Verluste verzeichnen nur das Sauerland (minus 34.3 Prozent und der Teutoburger Wald (minus 35,4). Die städtisch geprägten Regionen waren viel schlimmer betroffen – das Ruhrgebiet hatte 50 Prozent weniger gewerbliche Übernachten als im Jahr zuvor.

ihm Siegen/Olpe. Um 38 Prozent ist die Zahl der Gäste-Übernachtungen im Kreis Siegen-Wittgenstein 2020 zurückgegangen – ein drastischer Einbruch, der viele Betriebe in Existenznot brachte. Diese Zahl liefert das Tourismus-Barometer, das im Auftrag der Sparkassen in Westfalen-Lippe die Lage beobachtet.

Im Vergleich zu den anderen Gebieten in Westfalen-Lippe steht Siegen-Wittgenstein als kleinste Tourismus-Region noch ganz gut da. Weniger Verluste verzeichnen nur das Sauerland (minus 34.3 Prozent und der Teutoburger Wald (minus 35,4). Die städtisch geprägten Regionen waren viel schlimmer betroffen – das Ruhrgebiet hatte 50 Prozent weniger gewerbliche Übernachten als im Jahr zuvor.

Immerhin noch 290 Millionen Tagesausflügler

Ein wenig günstiger sah die Lage bei den Tagesreisen aus, berichtete Mathias Feige für das Institut dwif Consulting, das seit 2013 den Tourismus in Westfalen-Lippe beobachtet. Statt 350 Millionen Tagestouristen seien 2020 immerhin in Deutschland noch 290 Millionen Ausflügler unterwegs gewesen – natürlich geschätzte Zahlen, denn gemessene Daten über Tagesreisen liegen nicht vor. Zu Pfingsten 2021 habe es schon wieder ein Plus von 2 Prozent im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten gegeben – die Menschen sind offenbar hungrig auf Ausflüge und Tapetenwechsel.

Ein ganzes Corona-Jahr von März 2020 bis März 2021 brachte in Westfalen-Lippe 50 Prozent weniger Übernachtungen, in NRW 56,5 Prozent weniger und in ganz Deutschland 48 Prozent weniger. Siegen-Wittgenstein liegt mit 42 Prozent vergleichsweise gut, das Sauerland meldet 46 Prozent Rückgang in diesem Zeitraum. Glimpflich davon gekommen ist der Kreis Siegen-Wittgenstein wohl auch wegen der Reha-Einrichtungen, die nicht gänzlich auf Null gefallen sind.

Gäste in "SI-WI" minimal zufriedener

Eine gute Nachricht für die heimischen Touristiker betrifft die Gäste-Zufriedenheit. Die Umfragen des Tourismus-Barometers hat in allen Regionen von Westfalen-Lippe ein kleines Minus erbracht – nur in Siegen-Wittgenstein gab es mehr zufriedene Gäste. Der Zufriedenheits-Score stieg um 0,4 auf 85,3 an (maximale Punktzahl: 100).

"Die Reiselust ist da, aber ab 2022 werden wir unter starkem internationalen Druck stehen."
Mathias Feige
Tourismus-Experte

Wie geht es weiter im Tourismus? Da gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: 58 Prozent der Menschen, die sich derzeit im Internet über Urlaubsthemen informieren, suchen gezielt nach Zielen in Deutschland. Die schlechte: Im kommenden Jahr, so Mathias Feige, werde der Urlaub im Ausland wieder seine volle Anziehungskraft entfalten. Die Sehnsucht nach dem Süden, nach der Ferne werde zur starken Konkurrenz für die Ferien vor der Haustür. Feige: „Die Reiselust ist da, aber ab 2022 werden wir unter starkem internationalen Druck stehen.“ Die Menschen wollten nachholen, was so lange nicht ging.

Ländlicher Bereich kann punkten

Vorerst aber haben Outdoor-Angebote im ländlichen Bereich und autarke Urlaubsformen die besten Chancen. Wandern und Radfahren, Ferienwohnungen und Camping sind gefragt, denn hier ist Abstand viel leichter zu halten als in Museen, bei Stadtrundfahrten oder in Freizeitparks.

Ratschläge, wie Touristikbetriebe auf lange Sicht gestärkt aus der Krise hervorgehen, gaben die Experten: Investitionen nicht auf die lange Bank schieben, sondern jetzt in Angriff nehmen, Fachkräfte finden und binden, neue Kommunikationswege beschreiten. Das Ziel: Resilienz, also Widerstandsfähigkeit auch für künftige Krisen. Dass das für manch kleine Unternehmen schwer ist, kam auch zur Sprache. Denn wer im Lockdown seine Altersvorsorge aufgelöst, die Ersparnisse flüssig gemacht und womöglich noch Privatkredite aufgenommen hat, kämpft jetzt ums Überleben.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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