Tradition wahren – Neues angehen

 Der Frauenchor Banfe und Canticum Novum Wittgenstein wurden für ihre Darbietungen bei der Zentralehrung in Bad Laasphe mit viel Beifall belohnt. Foto: Martin Völkel  NRW-Chorverband-Präsidentin Regina van Dinther warb mit Maskottchen „Toni“ für die Nachwuchsarbeit. Foto: Martin Völkel
  • Der Frauenchor Banfe und Canticum Novum Wittgenstein wurden für ihre Darbietungen bei der Zentralehrung in Bad Laasphe mit viel Beifall belohnt. Foto: Martin Völkel NRW-Chorverband-Präsidentin Regina van Dinther warb mit Maskottchen „Toni“ für die Nachwuchsarbeit. Foto: Martin Völkel
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vö - Dass der Chorgesang ganz sicher keine Frage des Alters ist, stellte der Sängerkreis Wittgenstein am Samstagnachmittag im Bad Laaspher Haus des Gastes eindrucksvoll unter Beweis: Im Rahmen der zentralen Ehrung erhielt Paul Schneider vom Männergesangverein (MGV) Aue-Wingeshausen eine Auszeichnung für sage und schreibe 70 Jahre aktives Singen. „Eine grandiose Leistung“, stellte Landrat Andreas Müller in seinem Grußwort treffend fest.

Dem gegenüber standen aber auch zahlreiche Vertreter der jüngeren Generation, die für fünf und zehn Jahre aktives Singen ausgezeichnet wurden. Alt und Jung bilden im heimischen Sängerkreis längst eine verschworene Einheit. „Singen kann man in jedem Alter“, unterstrich Regina van Dinther, Präsidentin des Chorverbandes NRW, in ihrer Laudation an die insgesamt 77 zu ehrenden Sänger und Funktionsträger. Die frisch gewählte Landes-Chefin, die an der Spitze von 3000 Chören mit rund 200.000 Mitgliedern – „Der größte Kulturverband Nordrhein-Westfalens“ – steht, nutzte direkt die erste Gelegenheit zum Antrittsbesuch beim Sängerkreis Wittgenstein.

Traditionen bewahren, aber zugleich Neues entwickeln – vor dieser Herausforderung stünden die Chöre landesweit, leitete die Präsidentin ein. „Wir sind auf dem Weg, viele Veränderungen anzustoßen.“ Zwischenzeitlich habe man ja den Eindruck gewinnen müssen, dass den Chören ein bis zwei Generationen regelrecht verloren gegangen seien. Es liege auf der Hand, dass sich das Freizeitverhalten der Menschen rasant verändert habe, argumentierte Regina van Dinther . Immer weniger junge Menschen seien bereit, sich frühzeitig fest zu binden – beispielsweise an ein Amt in einem Verein. Dennoch seien die jungen Leute bereit, Arbeit zu leisten.

Klare Worte der Verbands-Präsidentin: „Wir sollten ganz viel von unserer Vereinsmeierei sein lassen. Vielleicht suchen wir in Zukunft nicht mehr zwingend eine Schriftführerin oder einen Notenwart, sondern überlegen gemeinsam, wie wir bestimmte Dinge anders organisieren können. Im Mittelpunkt all unserer Bemühungen sollte ausschließlich das Singen stehen.“ Es gehe darum, „die Leute dort abzuholen, wo sie sind – dort, wo sie Lust haben, in Gesang einzusteigen“. Jede Menge Lob hatte Regina van Dinther an dieser Stelle für den Sängerkreis Wittgenstein mitgebracht. Hier sei das Nebeneinander von Jung und Alt, von Männern und Frauen selbstverständlich. Kaum ein anderer Sängerkreis habe so viele aktive Chöre aufzubieten wie der Wittgensteiner.

Sie könne nur dafür werben, das Singen in die Schulen und Kindergärten zu tragen: „Wir müssen bei den Kindern anfangen, ihnen das Singen beizubringen. Dann kommen wir relativ leicht an die Eltern heran.“ Wichtig finde sie eine persönliche Ansprache und kreative Lösungen. Das war auch den Ansatz, den Landrat Andreas Müller in seinem Grußwort herausstellte. Um den Chorgesang zukunftsfähig aufzustellen, seien über die Nachwuchsarbeit hinaus Kreativität und Kompromissbereitschaft gefragt. Fusionen von Chören seien sicherlich dann eine Option, wenn die Rahmenbedingungen gegeben seien, so der Kreishaus-Chef, der selbst begeisterter Sänger und Chorleiter ist.

Singen verbinde und bringe Menschen zusammen – der musikalische Stil sei daher zunächst nebensächlich. Mit derzeit 55 Chören – darunter zahlreiche Meisterchöre – und 1271 aktiven Sängern sei der Sängerkreis Wittgenstein immer noch sehr gut aufgestellt. Dennoch dürfe man nicht aus den Augen lassen, dass die Zahl der Aktiven in den vergangenen Jahren gesunken sei. Der demographische Wandel treffe Chöre ebenso wie andere Vereine.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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