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Wohin mit der Wut?
Trainingsformat soll Gewalt vorbeugen

Mit unterschiedlichen Übungen sollen die Teilnehmer für das Thema Gewalt sensibilisert werden und einschätzen lernen, welche Auswirkungen ihr Handeln haben kann.
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  • Mit unterschiedlichen Übungen sollen die Teilnehmer für das Thema Gewalt sensibilisert werden und einschätzen lernen, welche Auswirkungen ihr Handeln haben kann.
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jw Siegen. Auf den blau-roten Matten der Judo-Vereinigung Siegerland herrschte am Vormittag weit weniger Trubel als während der Trainingszeiten. Sportgeräte oder Stoppuhr kamen nicht zum Einsatz. Und auch der Trainingsanzug konnte zu Hause bleiben. Trotzdem gingen die Schüler des Städtischen Gymnasiums Kreuztal an ihre Grenzen. Denn auf dem Plan stand ein Sozialkompetenztraining mit Nina Daldaban vom Verein Brücke Siegen und Bahmann Pournazari von der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Die beiden Sozialpädagogen treffen in ihrem Arbeitsalltag regelmäßig auf Jugendliche, die straffällig geworden sind. Die Gründe, die zu den Taten führten, sind unterschiedlich. In vielen Fällen ist unkontrollierte Wut der Auslöser. An genau diesem Punkt setzt die Präventivmaßnahme an.

jw Siegen. Auf den blau-roten Matten der Judo-Vereinigung Siegerland herrschte am Vormittag weit weniger Trubel als während der Trainingszeiten. Sportgeräte oder Stoppuhr kamen nicht zum Einsatz. Und auch der Trainingsanzug konnte zu Hause bleiben. Trotzdem gingen die Schüler des Städtischen Gymnasiums Kreuztal an ihre Grenzen. Denn auf dem Plan stand ein Sozialkompetenztraining mit Nina Daldaban vom Verein Brücke Siegen und Bahmann Pournazari von der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. Die beiden Sozialpädagogen treffen in ihrem Arbeitsalltag regelmäßig auf Jugendliche, die straffällig geworden sind. Die Gründe, die zu den Taten führten, sind unterschiedlich. In vielen Fällen ist unkontrollierte Wut der Auslöser. An genau diesem Punkt setzt die Präventivmaßnahme an.

Zugang zu den eigenen Emotionen finden

Start war um Punkt 9 Uhr. Bis zum frühen Nachmittag sollte vermittelt werden, wie man mit negativen Emotionen umgeht. "Wut zu empfinden, ist okay, sie gehört zu unserem Leben dazu. Wichtig ist, dass man die eigenen Grenzen kennt", weiß Pournazari. "Wir werden immer wieder mit Provokation konfrontiert. Die Jugendlichen müssen lernen, das auszuhalten. Regeln akzeptieren und sich die Folgen ihres Handelns bewusst machen. Vermeintlich harmlose Schläge, Tritte oder ein Schubser können je nach Situation schwerste Verletzungen oder sogar den Tod bedeuten." 

Nina Daldaban und Bahman Pournazari wollen mit den Schülern Strategien für den Umgang mit negativen Emotionen erarbeiten.
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In drei Blöcken werden Theorie und Praxis sinnvoll miteinander verknüpft. Zielgruppe sind Schüler aller weiterführenden Schulformen – von Hauptschule bis Gymnasium. Der Fokus liegt auf den Klassen 7 und 8. Finanziert wird das Training durch den Eigenanteil der teilnehmenden Schulen und einen Zuschuss des Vereins Impulse, der die kommunale Kriminalprävention in Siegen-Wittgenstein fördert. "Wir möchten den Jugendlichen einen Werkzeugkoffer mit Strategien an die Hand geben, mit dem sie Konflikte gewaltfrei lösen können", erklärt Daldaban, die seit acht Jahren Teil des Brücke-Teams ist. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Jugendliche offener sind und sich leichter auf die Übungen einlassen. Erwachsene haben häufig eine höhere Hemmschwelle." Das kann Pournazari, der schon mit mehr als 1000 Schülern zusammengearbeitet hat, bestätigen. Abhängig von der Schulform sei aber der Umgang mit Wut ein anderer. "Je mehr Kopf, desto weniger Bauch. Jugendliche, die eher verkopft sind, haben häufig Schwierigkeiten, Zugang zu den eigenen Emotionen zu finden. Ausraster können sich gegen das Gegenüber, aber auch gegen den eigenen Körper richten. Jungen antworten eher mit körperlicher Gewalt, Mädchen reagieren mit Ritzen oder einem gestörten Essverhalten auf negative Gefühle." 

,,Der Lerneffekt ist enorm''

Klassenlehrerin Romy Ebert hat sich in Abstimmung mit der Schulleitung ganz bewusst für das Sozialkompetenztraining entschieden. "Die sozialen Medien transportieren eine verschwommene Vorstellung von Spaß. Gewalt wird häufig verharmlost", weiß Ebert. "Mit Hilfe des Trainings wollen wir den Schülern verdeutlichen, dass körperliche Auseinandersetzungen häufig schwerwiegende Folgen haben. Im Klassenzimmer können wir das nur in kleinem Rahmen abbilden. An einem außerschulischen Lernort und mit der Unterstützung von Profis erreichen wir die Jugendlichen auf einer anderen Ebene. Die sozialen Kompetenzen werden auf unterschiedlichen Ebenen geschult. Der Lerneffekt ist enorm." Auch nach dem Training reißt der Kontakt zwischen der Brücke Siegen und den teilnehmenden Schulen laut Daldaban nicht ab: "Wir möchten uns mit den Schulen austauschen und gemeinsam ein Fazit ziehen. Nur so können wir das Format stetig weiterentwickeln und passgenau auf die individuellen Bedürfnisse zuschneiden. So entsteht ein enormer Mehrwert für alle Beteiligten – besonders für die Jugendlichen."

Mit unterschiedlichen Übungen sollen die Teilnehmer für das Thema Gewalt sensibilisert werden und einschätzen lernen, welche Auswirkungen ihr Handeln haben kann.
Nina Daldaban und Bahman Pournazari wollen mit den Schülern Strategien für den Umgang mit negativen Emotionen erarbeiten.
Autor:

Julia Wildemann

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