Trockenstabilat: BUND schlägt Alarm

Studie rät: Verfahren nicht etablieren – Abfallwirtschaftsplanung heute Thema im Kreistag

Siegen. Grenzüberscheitenden Besuch aus Südwestfalen hatte die Renneroder Firma Herhof in jüngster Zeit des öfteren. Eine ganze Reihe Siegerländer Kommunalpolitiker drückte sich die Klinke in die Hand, um sich über das dortige Trockenstabilat-Verfahren zu informieren. Es geht um die künftige Entsorgung des Restmülls, speziell um kostengünstigere Alternativen zur Verbrennung in Iserlohn (die SZ berichtete mehrfach). So haben zur heutigen Kreistagssitzung die Fraktionen von CDU, FDP und UWG einen gemeinsamen Antrag formuliert, der zum Ziel hat, eine Klage des Renneroder Unternehmens beim Verwaltungsgericht Arnsberg zu unterstützen. Den Nordrhein-westfälischen Kreisen soll dadurch die Möglichkeit geschaffen werden, frei und ohne Zwangsschraube ihren Abfall länderübergreifend verwerten bzw. entsorgen zu dürfen.

Alles andere als hocherfreut betrachtet derweil der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND, das Trockenstabilat-Verfahren. Gerade noch rechtzeitig vor der Kreistagssitzung am heutigen Nachmittag liegt eine Studie vor, derzufolge sich der BUND ausgesprochen skeptisch gegenüber der im Lahn-Dill-Kreis praktizierten Methode äußert. Sieht der Bundesarbeitskreis Abfall der Organisation in dem Trockenstabilat-Verfahren doch in letzter Konsequenz „einen Rückschritt in die Müllverbrennungsideologie der 60er Jahre”, da es darauf abziele, den getrockneten Müll zur Ersatzbrennstoff-Erzeugung für Industrieöfen zu verwenden.

Aus Sicht des BUND handele es sich beim Trockenstabilat-Verfahren zudem nicht um eine echte mechanisch-biologische Restabfall-Behandlung. Ziel sei vielmehr, den Müll möglichst schnell zu trocknen, statt eine möglichst weitgehende Reduzierung des biologisch abbaubaren Anteils im Restabfall zu erreichen.

Der BUND fordert die Politik auf, Trockenstabilat nicht als „Abfall zur Verwertung”, sondern nur als „Abfall zur Beseitigung” einzustufen, da es sich nach wie vor um Restabfall handele. Außerdem erwartet der BUND, „dass der Restabfall statt dessen den ökologisch und ökonomisch sinnvolleren Weg einer mechanisch-biologischen Restabfall-Behandlung mit sicherer Ablagerung des biologisch behandelten Materials geht”.

Obgleich das Trockenstabilat durch die Abscheidung von Metallen teilweise von Schadstoffen befreit werde, stuft es die Studie dennoch als bedenklich ein:

l Chlorhaltige Kunststoffe und andere organische Chlorverbindungen bleiben „praktisch vollständig im Stabilat”;

l „Chemisch gebundene und in anderem Material eingebettete Metalle entziehen sich der mechanischen Abscheidung”;

l „Die Schwermetall-Belastung des Stabilats bleibt weiterhin beträchtlich”.

Dadurch, so der BUND, ergäben sich insbesondere Probleme bei der beabsichtigten Müllverbrennung von Trockenstabilat in Zementwerken. Insbesondere Quecksilber würde nach Expertenmeinung bei einer Verbrennung in Zementwerken zu Problemen führen, da es auf Grund nicht vorhandener oder unzureichender Filtertechniken kaum zurückgehalten werden könne.

Vor dem Hintergrund dieser und weiterer kritischer Betrachtungen fällt das Fazit der Studie niederschmetternd aus: Der BUND sieht in der Trockenstabilat-Methode „kein nachhaltiges, innovatives und zukunftsweisendes Verfahren und auch kein geeignetes Verfahren zur Gewinnung eines schadstoffarmen Brennstoffes”. Die Organisation rät daher den politischen Entscheidungsträgern, „dieses Verfahren nicht zu etablieren”.

ph

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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