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Bislang mickrige 0,5 Liter Regen
Trockenster April aller Zeiten?

Staubtrocken: Auf diesem Acker bei Helberhausen ist die Dürre klar erkennbar.
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cs Siegen. Trotz aller massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die das Coronavirus so Tag für Tag mit sich bringt, genießen viele Menschen das tolle Frühlingswetter. Seit vier Wochen hat es so gut wie überhaupt nicht geregnet. Teilweise schon frühsommerliche Temperaturen und massenhaft Sonnenschein lassen nicht nur die Herzen von Radfahrern und Wanderern höher schlagen. Wie immer im Leben, auch diese Medaille hat zwei Seiten: Die zunehmende Trockenheit entwickelt sich mehr und mehr zu einem Problem – für Landwirte und hinsichtlich der Waldbrandgefahr, von den katastrophalen Aussichten für die heimischen Forste – Stichwort Borkenkäfer – an dieser Stelle einmal ganz abgesehen. Kein Flachs, dieser April könnte sich zum trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen entwickeln.

cs Siegen. Trotz aller massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die das Coronavirus so Tag für Tag mit sich bringt, genießen viele Menschen das tolle Frühlingswetter. Seit vier Wochen hat es so gut wie überhaupt nicht geregnet. Teilweise schon frühsommerliche Temperaturen und massenhaft Sonnenschein lassen nicht nur die Herzen von Radfahrern und Wanderern höher schlagen. Wie immer im Leben, auch diese Medaille hat zwei Seiten: Die zunehmende Trockenheit entwickelt sich mehr und mehr zu einem Problem – für Landwirte und hinsichtlich der Waldbrandgefahr, von den katastrophalen Aussichten für die heimischen Forste – Stichwort Borkenkäfer – an dieser Stelle einmal ganz abgesehen. Kein Flachs, dieser April könnte sich zum trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen entwickeln.

Jetzt ist der Oberboden das Problem

Die Sachlage hat sich dabei in den vergangenen Wochen umgekehrt. Anfang März berichtete die Siegener Zeitung über den nach wie vor niedrigen Stand des Grundwassers. Obwohl viele Bäche, Flüsse und Seen nach wochenlang anhaltenden Regenfällen über die Ufer getreten waren, es in einigen Gegenden sogar kurzzeitig zu einer Hochwasser-Situation gekommen war, sickerte das kostbare Nass kaum in die tiefen Schichten des Erdreichs durch.

Regen nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Nach Auskunft des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) befinden sich 56 Prozent der im März gemessenen Grundwasserstände oberhalb dessen, was in einem März üblicherweise gemessen wird. „Im Februar waren es nur 43 Prozent, obwohl es fast den ganzen Februar hindurch geregnet hat. Aber das Wasser muss eben auch erst einmal durch die Bodenschichten bis ins Grundwasser durchsickern“, heißt es seitens der Pressestelle weiter. Zehn Prozent der Grundwassermessstellen wiesen sehr hohe bis maximale Wasserstände auf. Zwar lässt sich noch immer keine nachhaltig entspannte Lage konstatieren, das Problem hat sich inzwischen jedoch in die oberen Bodenschichten bis in etwa 25 Zentimeter verlagert.

Dramatische Wetterumstellung seit Mitte März

Und das mit einem vor vier Wochen kaum abzusehenden Ausmaß. Von einer dramatischen Wetterumstellung seit Mitte März spricht im SZ-Gespräch Andreas Friedrich, Pressesprecher des deutschen Wetterdienstes (DWD). In Fachkreisen ist von einer blockierenden Wetterlage die Rede. Die sorgt dafür, vereinfacht gesagt, dass Tiefdruckgebiete seit vielen Wochen an uns vorbeiziehen. Friedrich rechnet vor, dass die mittlere Regensumme in NRW für diesen Monat bislang bei gerade einmal 0,5 Litern pro Quadratmeter liege. Das seien noch nicht einmal ein mickriger Prozent des „normalen“ Niederschlags für den Monat, die der Experte auf rund 63 Liter beziffert. Natürlich, der Monat ist gerade einmal gut zur Hälfte rum, aber „es wird die nächsten sieben bis zehn Tage so weitergehen“, meint Friedrich voller Überzeugung, man steuere auf den trockensten April aller Zeiten zu. Den verzeichneten die Meteorologen bislang für das Jahr 2007 – damals betrug die Regen-Monatssumme 1,6 Liter. Selbst diese kleine Menge (etwas mehr als drei Flaschen Bier) scheint für den aktuellen Monat April vollkommen unerreichbar zu sein.

Landwirte schlagen Alarm

Landwirte schlagen ebenfalls bereits mächtig Alarm, wobei vor allem der Ackerbau betroffen ist, der in Siegerland und Wittgenstein eine eher untergeordnete Rolle spielt. Das fehlende Wasser macht sich aber durchaus auch auf den Grünland-Flächen der heimischen Bauern bemerkbar. Die Böden seien noch recht gut wassergesättigt, der erste Grün-Schnitt dürfte relativ ertragreich ausfallen. „Fällt danach weiterhin wenig Regen, wächst nichts mehr nach“, meint Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Noch könne man nicht von einer schlimmen Dürre sprechen, aber viel hänge nun vom Mai ab, dem für die Vegetation wichtigsten Monat. Von düsteren Schlagzeilen – manches Boulevard-Medium prognostizierte bereits einen drohenden „Horror-Sommer“ – möchte Andreas Friedrich übrigens nichts wissen. Die Lage könne sich deutlich entspannen, etwa durch einen regenreichen Mai und Juni. Zwar arbeiten die Wetterfrösche mit Jahreszeiten-Trends (von Computern berechnete Prognosen), diese werden falsch interpretiert, sagt der Experte vom DWD.

Dennoch hat dieser Satz Gewicht: „Wenn die Situation nicht kippt, haben wir ein Problem.“

Staubtrocken: Auf diesem Acker bei Helberhausen ist die Dürre klar erkennbar.
Die roten und dunkelroten Zonen zeigen die Gegenden mit der größten Trockenheit im Oberboden bis 25 Zentimeter Tiefe an.
Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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