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Trotz Corona: In der Pfeffermühle werden Betten bezogen

Das waren noch Zeiten: Die Macher der Pfeffermühle hoffen bald wieder auf besetzte Tische.
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sabe Siegen. Die bezogenen Sessel sind leer, außer Henner und Frieder wartet niemand an der Rezeption. Fast macht es den Anschein, als würden sich die dekorativen Nachbildungen der Siegener Symbolfiguren im Eingangsbereich der „Pfeffermühle“ trösten. Einsame Wächter vor schickem Landhausstil.

Es ist ein Dienstag oder ein Mittwoch, das ist jetzt ziemlich egal, so ein ohnehin schon blöder Reportersatz verliert ja seine allerletzte Bedeutung, sobald die Wochentage ineinanderfließen. Jedenfalls ist es mitten in der Woche, kurz vor sechs, Dinner-Time der Deutschen und bisher wurde nur einmal „To-go“ bestellt.

sabe Siegen. Die bezogenen Sessel sind leer, außer Henner und Frieder wartet niemand an der Rezeption. Fast macht es den Anschein, als würden sich die dekorativen Nachbildungen der Siegener Symbolfiguren im Eingangsbereich der „Pfeffermühle“ trösten. Einsame Wächter vor schickem Landhausstil.

Es ist ein Dienstag oder ein Mittwoch, das ist jetzt ziemlich egal, so ein ohnehin schon blöder Reportersatz verliert ja seine allerletzte Bedeutung, sobald die Wochentage ineinanderfließen. Jedenfalls ist es mitten in der Woche, kurz vor sechs, Dinner-Time der Deutschen und bisher wurde nur einmal „To-go“ bestellt. Nicht sehr unüblich für „Unter-der-Woche“ in dieser Corona-Zeit, sagt Jannik Rosenkranz, Mitinhaber des Hotels mit angeschlossenem Restaurant auf dem Lindenberg, das mitunter zu den beliebtesten Anlaufstellen für Tagungs- und Businessgäste im Siegerland gehört.

Pfeffermühle Siegen setzt auf das genussvolle Verweilen

Der gläserne Wintergarten verrät es, der Frühstückssalon auch, die herrlich hergerichteten Zimmer sowieso. Die „Pfeffermühle“ will mit ihrer gehobenen gutbürgerlichen Küche, ihrem ganzen Konzept, weniger die Richtung Pizza-Pasta-Lieferservice, als vielmehr das genussvolle Verweilen, das längere Erlebnisverkörpern. Als Gast bezahlte man die Atmosphäre, die nette Bedienung, gerne mit. In Aluschalen kriegt man das nur schwer verpackt. Trotzdem versucht das Familienunternehmen weiter die Möglichkeiten zu nutzen, die ihm die Pandemie gelassen hat.

Jannik Rosenkranz freut sich über jeden Businessgast im Hotel.

An Wochenenden, sagt Rosenkranz, gehe der Außer-Haus-Betrieb besser. Auch an Feiertagen, wenn besondere Specials ins Haus stehen. An Weihnachten beispielsweise gab es „Gänse-to-go.“ Froh ist er auch über die vereinzelt belegten Betten. „Businessgäste“, sagt Rosenkranz. Die einzigen Aufenthalte, die derzeit erlaubt sind. Es sind so wenige, dass sie sich beim Frühstücksbuffet meistens nicht über den Weg laufen. Das morgendliche Buffet – sonst Routine, jetzt Besonderheit – noch so etwas, das Rosenkranz gerade aufmuntert. Es sei schön, den wenigen Gästen, die da sind, ein bisschen Vielfalt im grauen Pandemie-Alltag bieten zu können. Auch, wenn es womöglich nicht wirklich wirtschaftlich ist. Auch, wenn es dabei nur um Spiegeleier und Schinken geht. Es ist zumindest etwas. Eine Erinnerung an Zeiten mit vollem Frühstückssaal und frohe Gesichter, die sich auf ihr frisches Brötchen freuten. Mittlerweile hat sich die verklemmte Corona-Stille in dem schicken Vestibül breit gemacht. Nur das Radio läuft noch.

Jannik Rosenkranz ist mit dem Familienbetrieb groß geworden

Jannik Rosenkranz, 28, ist mit dem Familienbetrieb groß geworden. Drei Generationen Gastgeberei. Damals begannen die Großeltern mit zwei Lebensmittelläden, mittlerweile geht es um ein modernes Hotel, immer aber mit regionalem Herz. Der Hinweis auf Heimatbezogenheit gehört zum festen „Interieur“. Da wäre das Krönchenzimmer, ein Konferenzraum, dort das Rubens-Brat- und Backhaus, ein Tagungsraum und in der Küche der Anspruch des Kochs auf Regionalität beim Essen. Ob Siegener Krüstchen oder Rinderfilet, fast alles kommt von heimischen Höfen. Was selbstgemacht werden kann, wird selbstgemacht. Der Fisch selbst geräuchert, die Nudeln selbst gedreht. Seit der Pandemie kann man manche Produkte aus eigener Herstellung kaufen, drei verschiedene Saucen, Fruchtaufstriche, die Hausmachernudeln. Vor dem Virus, sagt Rosenkranz, hätte man die Zeit nicht gehabt, Nährwerte auf Etiketten zu drucken.

Mitarbeiter schauen in der Pfeffermühle Siegen nach dem Rechten

Fuhr man vor Corona am Hotelparkplatz vorbei, brauchte es viel Glück, für eine offene Parklücke. Jetzt ist alles einsam, aber zu tun gibt es trotzdem. Und er sei froh drum, sagt Rosenkranz. Über das Bisschen, was noch anfalle. „In regelmäßigen Abständen das Wasser in den Zimmern aufdrehen, damit sich keine Legionellen bilden, Besuche beim Steuerberater, die Dienstpläne kurzfristig umschmeißen, wenn sich doch noch ein Business-Besuch ankündigt ...“ Auf beiden Etagen, sagt er, während er eines der Zimmer aufschließt, sei jeweils ein Mitarbeiter eingeteilt, der nach dem Rechten schaue, Staub und Armaturen putze. Solche Dinge. Das meiste Hauspersonal aber wurde in Kurzarbeit geschickt. Rosenkranz tut es leid um die Mitarbeiter. Denen falle ja schließlich auch die Decke auf den Kopf.

Im Zimmer ist es angenehm warm, natürlich muss geheizt werden. Der Hüttenmann Frieder steht auch hier Spalier, fügt sich als symbolisches Dekoelement in den industriell-atmosphärischen Charme ein. Das Bad glänzt, das Bett wirkt in seiner Einsamkeit überdimensional groß, irgendjemand hat ein Schoko-Bon als kleine Begrüßung auf das Kissen gelegt, als käme es noch darauf an. Und das kommt es ja auch. Die perfekt gefalteten Kissen, die gewienerten Flure, das leise Klirren in der Küche. Das Hotelherz pocht und pumpt noch. Leise, aber stetig.

Das waren noch Zeiten: Die Macher der Pfeffermühle hoffen bald wieder auf besetzte Tische.
Jannik Rosenkranz freut sich über jeden Businessgast im Hotel.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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