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Debatte um Freiheiten nimmt Fahrt auf
Trotz Impfung bleibt ein Risiko

Die Sehnsucht nach ausgelassenen Treffen nährt die Diskussion um Vorteile für Geimpfte. Aber: Ein Restrisiko bleibt.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sabe Siegen. Ist genesen so gut wie geimpft? Und wie infektiös ist man nach überstandener Krankheit oder Oberarm-Piks überhaupt noch? Zurzeit, und spätestens nach dem Impfgipfel, wird viel über das Thema Impfen, Impfpriorisierung und die Zurückerlangung der Grundrechte debattiert. Dabei dreht sich vieles um die drei G’s, die Geimpften, die Getesteten und die Genesenen. Schon bald könnten womöglich Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, die gleichen Freiheiten genießen, wie Geimpfte. Wenn sie denn welche bekommen.

Umstritten ist nämlich in beiden Fällen, ob von ihnen tatsächlich keine Gefahr mehr ausgeht und wenn sie sich wieder infizieren, mit welcher Schwere im Krankheitsverlauf.

sabe Siegen. Ist genesen so gut wie geimpft? Und wie infektiös ist man nach überstandener Krankheit oder Oberarm-Piks überhaupt noch? Zurzeit, und spätestens nach dem Impfgipfel, wird viel über das Thema Impfen, Impfpriorisierung und die Zurückerlangung der Grundrechte debattiert. Dabei dreht sich vieles um die drei G’s, die Geimpften, die Getesteten und die Genesenen. Schon bald könnten womöglich Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, die gleichen Freiheiten genießen, wie Geimpfte. Wenn sie denn welche bekommen.

Umstritten ist nämlich in beiden Fällen, ob von ihnen tatsächlich keine Gefahr mehr ausgeht und wenn sie sich wieder infizieren, mit welcher Schwere im Krankheitsverlauf. „Dass sich Geimpfte seltener infizieren, muss man ganz klar bestätigen“, sagt Prof. Dr. Christian Tanislav, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Geriatrie am Diakonie-Klinikum Jung-Stilling. Tanislav weiß aus dem eigenen Hause Verläufe zu skizzieren, die das quasi im Kleinformat verifizieren.

Risiko einer Infektion bei Geimpften geringer

Bei einem Ausbruch auf einer der Corona-Stationen, eine Patientin war mit der hochinfektiösen britischen Mutante infiziert, habe die vorangegangene Impfung der Mitarbeiter dazu beigetragen, dass Betrieb und Patientenversorgung wie gewohnt aufrechterhalten werden konnten. Von 102 Mitarbeitern auf der Station waren seinerzeit 74 geimpft, 28 nicht.
In der geimpften Gruppe waren dann gerade einmal zwei, in der anderen zwölf infiziert. Weitläufig angelegte Studien aus Israel (wo schon sehr viele Menschen geimpft sind), bestätigen das im Großen und Ganzen.

Das Risiko einer Infektion bei Geimpften ist zwischen 67 und 94 Prozent geringer, je nach Impfstoff. Außerdem, so die Studie, sei die Viruslast bei ihnen nur ein Viertel so hoch, wie bei einer durchschnittlichen Infektion. Fragt man Dr. Tanislav danach, ob sich bei Geimpften weniger starke Krankheitsverläufe beobachten lassen, antwortet er mit Hinweis auf die eigene Erfahrung in „seinem“ Krankenhaus: „Das ist schwierig zu beantworten.“

Vermehrt junge Patienten im Krankenhaus

Um dahingehend eine stichhaltige Erkenntnis ziehen zu können, fehle es noch an vergleichbaren Fällen. Bestätigen könne er aber eine Tendenz, die bereits in Modellen prognostiziert wurde: Impft man zunächst die Alten, rückt die Risikogruppe aus dem Schussfeld. „Wir haben einen deutlichen Shift hin zu eher jüngeren Patienten, mit unproblematischeren Verläufen.“

Trotzdem, warnt Tanislav, müssten auch aus dieser Gruppe Patienten im Krankenhaus, teilweise mit Beatmung versorgt werden. Und noch eine Warnung will der ärztliche Direktor in der Debatte um Geimpfte, Genesene und Getestete gehört wissen. Auch wenn es Fakt sei, dass Geimpfte weniger infektiös sind, dürfe in der Debatte um neue alte Freiheiten nicht vergessen werden, dass sich auch Geimpfte weiterhin, wenn auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit, infizieren und somit andere anstecken, also „das Virus weiter verbreiten können.“ Auch, dann, wenn infizierte Geimpfte eine weniger starke Viruslast aufweisen.

Impfung ist die beste Antwort

Impfpass, aber Schnupfen? Für Dr. Tanislav muss spätestens dann ein Test her. „Würde für Geimpfte das Testen komplett entfallen, sähe ich das als nicht richtig an.“ Es gelte – auch bei steigender Impfquote, die Tanislav als stärkste Antwort im Kampf gegen die Pandemie betrachtet – ein Bewusstsein für die Beibehaltung der Hygieneregeln zu erhalten, die Impfung nicht mit vollumfänglicher Sicherheit gleichzusetzen. „Das zu suggerieren, wäre falsch.“

Besonders dann, wenn die Gruppe der Geimpften (noch) so klein ist. Und obwohl auch viele andere Experten mit gleichem Argument vor einem Schnellschuss warnen, wird in der Öffentlichkeit bereits eine stark polarisierte Debatte über die unterschiedliche Behandlung von Geimpften und Getesteten – unter medizinischen wie ethischen Gesichtspunkten – losgetreten. Berühmtes Beispiel während des Impfgipfels: Die kontroverse Diskussion zwischen SPD-Ministerpräsidenten und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD). Und auch in der SZ Redaktion gibt es unterschiedliche Meinungen.

Zwei Kommentare zum Thema gibt es hier und hier.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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